Text der Postkarte:
Liebe Elsbeth,
ich sende Dir von hier recht herzliche Grüße. Endlich ist die Sonne drei Tage da, es war auch so traurig dieses Wetter in so schöner Gegend. Jetzt wandere ich täglich am Strand und sammle schöne Muscheln für unsere Kinder. Leider klappt es nicht mit dem Diät essen. Heute ist Gründonnerstag. Hoffentlich ist es bei Euch an Ostern auch schön. Bald ist Abreise am 13. des Monats lande ich wieder um 15 Uhr in Schönefeld. Herzliche Grüße auch an Käthe und die Kinder, Deine Ly
Georg Keims Kommentar:
Muscheln:
Ly macht es richtig: Muscheln sammeln ist eine schöne Nebenbeschäftigung beim Strandspaziergang. Das kann man so nebenbei erledigen. Man hat was zu bücken und zu gucken und schöne Erfolgserlebnisse. Denn es soll ja Leute geben, denen das alleinige Aufs-Meer-Schauen nicht ausreicht. Nur: was haben Muscheln eigentlich an sich, dass sie so Geheimnis umwoben und exklusiv wirken, wo sie doch wie Sand am Meer an Stränden herumliegen? Der Aufklappmechanismus? Die Perlen? Sind beide hinüber, wenn die Muschel erst Strandgut geworden ist ...
Was war das damals für eine bittere Erkenntnis, dass Muscheln gar nicht rauschen, wenn man sie ans Ohr hält. Dass man sich auch die Hand oder eine x-beliebige Tasse anhalten kann und es genauso rauscht? Diese jähe Entzauberung war einst noch ernüchternder als die Aufklärung über den nicht-existenten Weihnachtsmann.
Doch zurück zur Realität: Manchmal weisen die angespülten Muscheln kreisrunde, ein bis drei Millimeter große Löcher auf. Das sind dann die Muscheln, die man gleich wieder fallen lässt. Dabei ist die Löcherentstehungsgeschichte spannend, erzeugt werden sie nämlich von Raubschnecken. (Raub und Schnecke scheinen sich auszuschließen, das klingt wie Kuschel-Hai, aber siehe da: es gibt sie). Jene Raubschnecken jedenfalls bohren mit ihrer Raspelzunge, auch Radula genannt, die Muscheln auf und verzehren die Weichteile. Böse Raubschnecke, krasse Raspelzunge! Wie überhaupt Muschel-Begriffe in Fachtexten zu besonderer Artenvielfalt von sehens- und aussprechenswerten Worten zu führen scheint: Chitinmembran, Drüsensekret, Wurmmollusken, besonders schön: Muschelbulletten. Das soll ein Rezept aus Bulgarien sein ... nachzulesen unter www.chefkoch.de.
Übrigens: viele, die oft am Meer sind, finden Muscheln sammeln uncool. Muschelsammler geben sich als Strandneulinge zu erkennenr. Wer am Strand Muscheln sammelt, sieht sich bestimmt auch die Sicherheitsvorführung im Flugzeug an. Urlaubsprofis lesen beim Durchstarten und Abheben demonstrativ Zeitung und sammeln auch keine Muscheln. Ein Grund mehr, es im nächsten Urlaub mal wieder zu tun und geliebte Menschen damit zu beschenken. Danke Ly. Du machst es richtig.
Diät essen:
Wozu? Warum? Weshalb und wieso? Und gerade im Urlaub? Und ausgerechnet in Bulgarien? Das muss schief gehen. Die bulgarische Küche ist nämlich ziemlich fettreich, das ist so klar wie Kloßbrühe. Sicher, man kann sich auch zwei, drei Wochen von Schopska-Salat ohne Schafskäse ernähren, mit anderen Worten: von Tomaten, Gurken, Paprika und Zwiebeln. Aber wer will das schon?
Wer wirklich ernsthaft abnehmen will, ernähre sich in den Wochen zwischen den Urlauben gesund, treibe Sport oder tröste sich, wenn alles nicht hilft und das Girokonto "Ja" sagt, mit dem Satz des Jahrzehnts: "Das kann man doch heute alles machen lassen!" Schade, dass www.fettabsaugung.de gerade überarbeitet wird. Tolle Vorher-Nachher-Fotos! Immer mal wieder Nachschauen!