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Für die Genossen des Finanzministeriums
Für die Genossen des Finanzministeriums

Text der Postkarte:

Liebe Genossinnen und Genossen!
Herzliche Grüße vom Sonnenstrand sendet Erich L. und Frau.
Wir haben herrlichen Sonnenschein. Die Straßen sind nicht immer
1. Ordnung. Wasser 25°. Camping ist hier und auch in Varna sehr gut organisiert. Verpflegung ist ausgezeichnet, aber nicht immer billig.

Georg Keims Kommentar:

Slantschev Briag - Sonnenstrand - Sunny Beach:
An dieser Stelle wird gleich noch die Rede sein von der sogenannten Farbe Terrakotta. Doch zunächst schwarz auf weiß die Fakten: Slantschev Briag, am Ende mit "v" oder manchmal auch mit "w" geschrieben, ist der berühmte Badeort Sonnenstrand, nördlich von Burgas. Ende der fünfziger Jahre war es eines der ersten kommerziell errichteten Seebad in Osteuropa. Bevor aber die ersten Touristen von landwärts an den Strand gespült werden konnten, räkelten sich noch Tausende von Schlangen im Schwarzmeersand. Beseitigt wurden sie ganz ohne Chemokeule: Die Bulgaren karrten lastwagenweise hungrige Igel herbei, das war das Ende für Nattern & Co.

Spröd-charmante wenig- bis vielstöckige Hotels in genauso spröd-charmanter Einheitsplattenbauart schmiegten sich hie und da in die Landschaften ein. Das war noch zum großen Teil so bis zur großen Privatisierungswelle Anfang dieses Jahrzehnts. Und dann? Wurde auf jeden freien Quadratmeter ein terrakottafarbenes Hotel gestellt. Und diese Terrakottadinger sehen irgendwie auch wieder alle gleich aus. Terrakotta. Kann jemand dieses Wort auch nur denken, ohne die Stirn in Falten zu legen und die Brauen hochzuziehen? Probieren Sie's mal: TERRAKOTTA. Zu dumm, dass man es jetzt dauernd denken muss, wenn man durch Slantschev Brijag spaziert und umher blickt. Lerne: Terrakotta hätte eine sogenannte Farbe für Blumentöpfe bleiben sollen.

Nebenbei, während Deutsche zum "Sonnenstrand" fahren, buchen Engländer in ihren Katalogen eine Reise nach "Sunny Beach". Mein Tipp fürs Abendprogramm am Meer: Fahren Sie in die Altstadt von Nessebar, holen Sie sich gleich unten an den Buden ein paar frittierte Zaza-Fischchen, setzen Sie sich an den Kai und beobachten Sie die Engländer, wenn der bulgarische Bootsmann ins Megaphon quäkt: "Last boat to Sunny Bitch!"



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