"Meine Abiprüfungen waren ein Witz dagegen. Als ich 1997 zu meiner praktischen Fahrprüfung schlich, zitterten meine Knie. 28 Übungsstunden hatte ich bis zu diesem Sommertag im Juli absolviert. Besonders sicher fühlte ich mich nicht. Außerdem fiel diese verflixte Prüfung auf den Tag meiner Abreise in den Frankreich-Urlaub. Zwei Wochen Zelten mit Freunden am Meer. Sozusagen als Abi-Geschenk. Muss ja nicht immer ein Auto von Papi mit peinlichen Heckscheibenaufkleber sein. Ich wusste also, dass ich mir - sollte ich die Prüfung nicht bestehen - gleichzeitig auch noch den Urlaub versauen würde. Doch wie so oft im Leben, machte mich der Druck stark. 20 Minuten lenkte ich das Astra-Cabrio wie Schumis Schwager durch die Straßen des Hamburger Speckgürtels. Bis zur Abfahrt meines Busses blieben noch 35 Minuten. Dann passierte es: 'Nächste Möglichkeit rechts', sagte der Prüfer. Ich kannte diese Stelle, hier sollte das korrekte Abbiegen in einer zweispurigen Einbahnstraße getestet werden. Souverän setzte ich den Blinker, reduzierte die Geschwindigkeit und bog ab - leider nach links. 'Ich krieg sie schon noch dahin', sagte der Prüfer. Mir schossen 1000 Gedanken durch den Kopf. Ich wusste zwar, dass er mich dafür nicht durchfallen lassen darf, doch so langsam sah ich meinen Urlaubsbus ohne mich abfahren. Endlose 20 Minuten später ließ er mich endlich einparken. 'Es tut mir Leid', begann er den Satz, 'aber ich muss ihnen den Führerschein geben.' Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zum Scherzen zu Mute. Ich riss dem Teilzeitclown das rosa Stück Papier meiner schlaflosen Nächte aus der Hand und spurtete zum Reisebus. Meine Freunde empfingen mich für die rund 24-stündige Fahrt an die Atlantikküste und zur Feier meiner neuen Mobilität mit einigen hochprozentigen Gratulationsgeschenken. An diesem Abend hätte ich ganz sicher nicht mehr fahren dürfen."