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Lizenz zum Krach machen
Lizenz zum Krach machen

Stolz wie Oskar war ich. Endlich 16 Jahre alt, endlich den Lappen mit Klasse 4 bestanden. Meine Kreidler Florett mit ausgebautem Schalldämpfer durfte jetzt offiziell im Dorf Krach machen. Zwei Jahre später die nächste Feuertaufe. Führeschein Klasse 3 (Auto) und Klasse 1 (Motorrad) bestanden. Das Geld reichte zwar für den Lappen, aber nicht für einen fahrbaren Untersatz auf vier Rädern. Die Eltern hatten meist Angst um ihren mühsam zusammengesparten Opel. Nur in Ausnahmefällen durfte ich die Karre benutzen. Natürlich nicht dann, wenn man ein sehr wichtiges Treffen mit einer Person des anderen Geschlechts hatte. Peinliche Situation sowas. Einige Jahre und Autos später, ich hatte immer noch den grauen Lappen, mein Sohn war schon aus dem Krabbelalter raus, geriet ich in eine Verkehrskontrolle. Lappen raus, vorgezeigt. Polizist: "Das sind nicht sie?" Ich: "Doch." Er: "Wie wollen sie das beweisen?" Ich holte noch meinen Ausweisaus der Brieftasche.
Er: "Da sehen sie genau so aus wie aus dem Foto im Führerschein." Ich: "Eben, ist ja auch meiner." Er: "Nun werden sie mal nicht frech junger Mann, ich werde das jetzt mal überprüfen," und ging zu einem abseits stehenden VW Bulli. Auf den Fotos in den amtlichen Papieren bin ich vierzehn. Damals musste man noch zum Fotografen und bekam vier Passbilder. Die reichten jahrelang. Nach einer mündlichen Verwarnung durfte ich weiterfahren. Schien wohl alles in Ordnung. Der nächste Schrecken kam dann vor fünf Jahren. Ich brauchte einen neuen Führerschein, weil der alte graue Lappen in Neuseeland nicht anerkannt wird. Und ich wollte schließlich drei Monate reisen. Also musste so ein unpersönliches Führerscheinplastikkärtchen beantragt werden. Bei der Abholung auf dem Verkehrsamt bestand ich darauf meinen alten Lappen als Andenken zu behalten. "Selbstverständlich" sagte die wie abwesend wirkende Beamtin, nahm eine Schere, schnitt ein Loch "IN MEINEN LAPPEN" und schmierte auch noch "ungültig" rein. Ich hätte sie würgen können, aber das wäre wahrscheinlich dann eine Geschichte für das Blatt mit den großen Buchstaben geworden.



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Veröffentlicht: 27.02.2008
Eingereicht von: Redaktion einestages