Veröffentlicht: 02.08.2010 Eingereicht von: Vera Krausse
"Knabe" ist als Fabrikat vermerkt. Ich finde nichts dazu im Netz. Ist das ein deutscher Fabrikant? Wurde der Herd mit Kohle oder Holz befeuert? Handelt es sich hier um eine "Küchenhexe" oder "Kochmaschine"?
Herde dieser Bauart wurden im 19. und 20.Jahrhundert zumeist von kleineren Hüttenwerken im Schatten großer Eisenhütten hergestellt. Es gab sehr viele regionale Hersteller, im Saarland zum Beispiel Jega, Bartz oder Goma. "Knabe" dürfte also auch ein regionaler Hersteller sein. Es gab nur wenige überregionale Marken, unter anderem Küppersbusch aus dem Ruhrgebiet und DeDietrich aus dem Elsass. Diese Küchenherde bestehen aus sehr viel Gußeisen, besonders die Kochplatte, der Rahmen und die Füße. Bei älteren Herden wurden diese Füße oft noch kunstvoll gegossen in Form von Tierpfoten oder Pranken. Die Front war aus Blech, mit Emaille beschichtet.
Beheizt wurden diese Öfen üblicherweise mit Holz, sie vertrugen aber auch Brikett, Kohle oder Koks. Geschürt wurde oben links hinter der Tür. Der Brennraum ´war mit hitzefesten Schamottsteinen ausgekleidet, die ab und an auch erneuert werden mussten. Hinter der Tür in der Mitte verbirgt sich ein Rost zur Regulierung der Luftzufuhr beim Brand. Darunter ist eine Schublade für die Asche. Hinter der großen Klappe rechts ist der Backofen, der auch zu regulieren war. Das Kochfeld oben konnte man benutzen, indem man Töpfe und Pfannen einfach darauf stellte oder aber - dafür sind die Ringe zum Herausnehmen - Töpfe und Kessel direkt übers Feuer stellte. Das Loch im Kochfeld rechts hinten ist der Anschluss für das Ofenrohr. Der abgebildete Herd stammt vielleicht aus der Zeit um die Jahrhundertwende 1900. Luxuriösere Modelle besaßen noch ein sogenanntes "Wasserschiff", einen im Kochfeld eingelassenen Behälter, aus dem man stets heißes Wasser schöpfen konnte. Darüber hinaus waren diese Exemplare dann vorne und an den Seiten mit einem umlaufenden verchromten Gestänge versehen, das davor schützen sollte, dem heißen Ofen beim Bedienen zu nahe zu kommen.
Vielen Dank für Ihre Mühen und die ausführliche Antwort! Ich freue mich, mehr darüber erfahren zu haben. Vielleicht kann man das gute Stück ja wieder herrichten lassen und als nostalgisches Teil nutzbar machen. Beste Grüße!
Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass die gesamte Herdplatte glatt poliert war, sie glänzte wie Chrom. Die Marke`" Nicco " war das Mittel der Wahl. War die herdplatte nicht blitzblank, so war man keine gute Hausfrau!
Ich musste als Kind nach dem Essen immer poliieren, ekelhafte Arbeit, denn am besten ging es, wenn die Oberfläche noch warm war. Unser herd war übrigens außen grün und hatte noch eine eingelassene Wanne (etwa 30 cm L, 15 cm B und ca. 30 cm Tief), für stets warmes Wasser.
Liebe Grüße
Das ist die klassische Küchenhexe. Ein solche steht bei uns noch in der Küche und wird benutzt. Das Feuer ist von Frühherbst bis Sommeranfang eigentlich immer im Gang. Nachts legt man ein in nasses Zeitungspapier gewickeltes Brikett auf die Glut, dann hat man am nächsten Morgen noch genug Glut zum Anfeuern.
Die Küchenhexe war in unserem Großelterlichen Haushalt noch bis weit in die 60er Jahre in Betrieb. Sie wurden bis in die vierziger Jahre noch häufig gebaut und heute noch in Kleinserien hergestellt. Erhältlich z.B. bei Manufaktum oder brit. Herstellern.