Veröffentlicht: 28.02.2011 Eingereicht von: Ralf Klee
Es ist ein Zeitdokument, das zunächst einmal harmlos wirkt: Zwei graue Busse stehen vor einer Gastwirtschaft, eine kleine Gruppe von Personen scheint auf die Abfahrt zu warten. Eine Szene, wie sie sich scheinbar überall in Deutschland hätte abspielen können. Doch die Aufnahme ist während der NS-Zeit, circa 1942, entstanden und der Ort heißt Dachau. Vergrößert man die Fotografie, fallen einige verstörende Details ins Auge: Unter den Personen erkennt man zwei Uniformierte im Gespräch und die Anzeige des linken Busses kündigt die Haltestellen "Lager - Bahnhof - Stadt" an. Das Nummerschild ist nur unvollständig zu erkennen (20286), dafür sieht man hinter dem Motorblock eine aufgemalte "1" in einem runden Kreis. Busse des gleichen Typs fuhren Transporte in die "Tötungsanstalt Hartheim" bei Linz, in der Tausende Menschen mit Kohlenmonoxid ermordet wurden.
Wer weiß etwas über die Buslinie?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Busse fuer Gefangene mit einem Schild "Lager-Bahnhof-Stadt" ausgestattet waren. Eher glaub ich, dass es sich um eine vom Lager eingerichtete Dienstbuslinie für die Verwaltung und Bewacher des Lagers handeln koennte. Sowas gab und gibt es oft bei militärischen und ähnlichen Einrichtungen, die Busse sind meist Militärfahrzeuge und bringen die nicht in der Kaserne wohnenden Kräfte morgens an den "Arbeitsplatz" und abends wieder zurück. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die grauen Busse ausserhalb des Linieneinsatzes auch Gefangene transportierten, dann aber vermutlich ohne Schild.
Das war auch meine Vermutung. Ein Foto von einem Gefangenenbus befindet sich übrigens in dem Wikipedia-Beitrag über das Lager - gleicher Typ, natürlich ohne Schild.