Veröffentlicht: 13.12.2011 Eingereicht von: Georg Beier
Dieses Foto ist in den dreißiger Jahren aufgenommen worden, leider kann ich die Schirmmütze und Uniform nicht zuordnen, die Suche im Internet war erfolglos. Wer kann mir helfen?
Es dürfte sich bei dieser Person um einen Angehörigen des diplomatischen Korps bzw. des auswärtigen Amtes handeln.
Joachim von Ribbentrop trug in seiner Funktion als Reichsaußenminister ebenfalls eine solche Schirmmütze mit dem charakteristischen Kappen-Adler:
http://en.wikipedia.org/wiki/File:Ante_Pavelić_und_Joachim_von_Ribbentrop_.jpg
Ich tendiere auch eher zum Diplomatischen Dienst, die Polit. Leiter hatten meines Wissens nicht so einen Adler mit geschwungenen Flügeln auf der Muetze, der war auch eher kleiner.
Hallo Herr Beier,
ich hoffe, es besteht trotz der verstrichenen Zeit noch Interesse an einer Identifizierung der gezeigten Uniform.
Bei den bisherigen Antworten wurden einzelne Elemente der Bekleidung schon korrekt identifiziert, sie treffen aber nicht den Kern der Sache. Es handelt sich hier um die (improvisierte) erste Uniform für Beamte im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete (RMfdbO). Deren Anzug hatte man auf die Schnelle aus Uniformteilen der NSDAP und des Auswärtigen Amtes zusammengestoppelt.
Herr Angerer hat schon ganz richtig erkannt, daß der Hoheitsadler auf der Mütze jener des Außenministeriums ist. Allerdings passt der Rest der Uniform nicht dazu. Uniformen des Auswärtigen Amtes waren im Dritten Reich im allgemeinen schwarz (eigentliche Diplomaten) oder
dunkelblau (allgem. Verwaltungspersonal). Farblich würde zum Photo nur eine selten verwendete feldgraue Sommeruniform des AA passen. Allerdings war bei jener das Jackett ein Zweireiher und dazu wurde eine schwarze Krawatte getragen (Angolia, 1995, S.61ff). Damit scheidet auch diese Möglichkeit aus.
Abgesehen vom Hoheitsadler trägt der Mann die (leicht modifizierte) Uniform eines sog. 'Ordensjunkers'. Dabei handelte es sich um Nachwuchsfunktionäre der NSDAP, die zu längeren Fortbildungskursen auf den NSDAP-Ordenburgen in Vogelsang (Eifel) und Crössinsee (Pommern) einberufen wurden (http://de.wikipedia.org/wiki/NS
-Ordensburg). Die Uniform entsprach weitgehend jener der politischen Leiter, hatte aber keine Kragenspiegel und zwei Schulterklappen. Eine Abbildung einer solchen Ordensjunkeruniform findet sich z.B bei Davis u. Turner (Bildtafel 13).
Früher wurde häufig die Ansicht vertreten wurde, diese Ordensjunker seien zu Beginn des Rußlandfeldzuges 1941 en gros zum gerade neu gebildeten Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete transferiert worden. Mittlerweile herrscht die Ansicht vor, daß die Ordensjunkerkurse bereits im Sept. 1939 endeten und die meisten Teilnehmer gleich zum Wehrdienst eingezogen wurden. Nur vereinzelt kamen Teilnehmer der Schulungkurse später tatsächlich beim RMfdbO unter. Dies war dann aber wohl eher Folge ihrer persönlichen Bekanntschaft mit jenen Gauleitern, die zum Spitzenpersonal des RMfdbO gehörten.
(http://www.hans-dieter-arntz.de/wurden_nazis_auf_vogelsang.html
http://www.hirnrinde.de/2007/01/29/ordensburg-vogelsang-mediale-wirrungen-um-den-taeterort/)
Die noch vorhandenen Uniformvorräte für Ordensjunker wurden dann im Herbst 1941 zur ersten Einkleidung des frischgebackenen Ministerialpersonals in Rosenbergs Ost-Ministerium verbraucht. Eine eigens für das RMfdbO entworfene Uniform wurde erst im Anschluß daran eingeführt (so z.B. Angolia, 1995, S.170,221). Der Unterschied zur Uniform der NS-Ordensjunker bestand im Hoheitsadler (AA statt NSDAP) und im Wegfall der Schulterklappen.
Quellen:
Angolia, John R.
In the Service of the Reich.
James Bender Publishing; San José; 1995
Davis; Brian L.; Turner, Pierre
Deutsche Uniformen im Dritten Reich 1933 - 1945
Heyne Verlag; München; 1980
Viele Grüße
Torsten Hauptfleisch