Veröffentlicht: 22.12.2009 Eingereicht von: Peter Wacker
Im Nachlass meines Vaters gab es einige Negativfilme, die er mir nie gezeigt hatte.
Das Wenige, das er über seine Militärzeit erzählte, war folgendes: Nach der HJ wurde er mit 16 Jahren in den Reichsarbeitsdienst 6-280 in Tannfeld eingezogen, mit 17 Jahren ging's nach Berlin-Ebensfeld zur Stereoskopie-Ausbildung an einem Fliegerabwehrgeschütz, danach 1944 wurde er nach Graslör(?) in Belgien verlegt. Wie er sagte, seien es fest eingebaute Stellungen mit zwölf Geschützen gewesen. An jedem hätten vier bis fünf Soldaten gearbeitet, und man habe eine Schusshöhe von bis zu 12.500 Meter erreichen können.
War das Flak oder Artillerie? Und wo genau könnte es gewesen sein? Wer kann mir außerdem sagen, um was für eine Maschine es sich im Bild-Hintergrund handelt?
Guten Abend Herr Wacker,
bei Ihrer "Höllenmaschiene" könnte es sich um ein schweres Flakgeschütz (12,8cm) vom einem Flak-Turm handeln. Siehe: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/38/Bundesarchiv_Bild_101I-656-6103-09%2C_Reichsgebiet.-_Flak-Turm_mit_schwerer_Flak.jpg
Ich gehe davon aus, dass das Foto auf einem der Berliner Flaktürme aufgenommen wurde und nicht in Belgien. Die Flakstellungen in Belgien waren meist nur mit kleinen Geschützen bestückt. Ab Mitte 1942 wurden z.B. auf dem Flakturm Berlin Humboldthain auch neuentwickelte Geschütz 12,8 cm Flakzwilling 40 installiert ( http://berliner-unterwelten.de/geschichte-der-berliner-flaktuerme.63.0.html )
Hallo Herr Wacker,
das müsste eine 12,8 cm Flak sein.
Ein solches Geschütz ist auch in der Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz ausgestellt. Allerdings ist beim Koblenzer Exponat die Ladeschale auf der linken Seite und die Richtinstrumente rechts.
Die 12,8 cm Flak wurde auch als Zwillingsgeschütz eingesetzt und dann wäre das hier gezeigte Geschütz die linke Hälfte. Ob soche Einheiten auch einzeln und getrennt voneinander verwendet wurden weiß ich nicht.
Wenn Ihr Großvater eine Stereoskopieausbildung durchlaufen hat, war er vielleicht an einem Kommandogerät eingesetzt. An einem solchen Gerät waren mehrer Soldaten postiert, die ein Ziel nach Entfernung, Höhe und Geschwindigkeit anviesert und verfolgt haben.
Die so ermittelten Werte wurden umgerechnet und an die Flakgeschütze der Batterie übermittelt. Die Richtkanoniere haben dann die Richthandräder solange bewegt bis der Zeiger ihrer Kontrollgeräte mit dem übertragenen Wert übereinstimmte (Folgezeigersystem).
Für die Arbeit am Kommandogerät war die Fähigkeit des räumlichen Sehens unbedingt notwendig.
Link zur Flak in Koblenz:
http://www.panzer-modell.de/specials/ontour/koblenz/Bild081.jpg
Komandogerät:
http://www.dzwi.de/Kommandoger.htm
Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.
Gruß
Christian Kachel
Herr Rühleman, Herr Kachel
Danke für die Hinweise!
Ich habe nochmals gestöbert und bin auf andere Fotos gestossen, die ich hier unter Dokumente aufladen möchte.
Zusätzlich habe ich noch herausgefunden, dass mein Vater Albert 1944 Nähe Lüttich/Belgien stationiert war. Es gab 3 Flak-Batterien mit je vier 10.5 cm Geschützen, also total 12 Stück.
Auf dem einen Foto zähle ich 7 Geschütze, es könnte also stimmen. Der Batteriekommandant hies Oberleutnant Zepf. Seine Gruppe hatte 8 bestätigte Abschüsse, er sei Kannonier gewesen. Kurz vor D-Day im Juni 1944 wurde mein Vater zur 282. Heeresflak in Prag (Bezirk 10) einberufen und erhielt dank guter Qualifikation eine Ausbildung in Stereo-Telemetrie. In den Februarbombardements 1945 musste er Leichen ausgraben, danach gings nach Greifenberg an die Ostfront.
Sind die Fotos von Lüttich?