
Die im Jahr 1990 gegründete Robert-Havemann-Gesellschaft ist Träger des Archivs der DDR-Opposition. Es ist hervorgegangen aus dem Robert-Havemann-Archiv, dem Matthias-Domaschk-Archiv und dem Archiv GrauZone. Es bildet den größten erschlossenen Archivbestand zur DDR-Opposition und -Bürgerbewegung.
Die Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. wurde am 19. November 1990 in Berlin von zwanzig Mitgliedern des Neuen Forums ins Leben gerufen, unter ihnen Bärbel Bohley, Katja Havemann und Jens Reich, die bis heute im Beirat mitarbeiten. Sie hat das Ziel, das gesamte Spektrum und die verschiedenen Phasen von Opposition und Widerstand gegen die SED-Diktatur von 1945 bis 1990 zu dokumentieren, zu erforschen und zu vermitteln.
Die drei zur Robert-Havemann-Gesellschaft gehörenden Archive sind unabhängig voneinander entstanden. Im Mai 1992 wurde das Robert-Havemann-Archiv eröffnet. Zu den Gründungsbeständen gehörten u. a. der Nachlass von Robert Havemann, Materialien des Neuen Forums und die Videoaufzeichnungen der Beratungen des zentralen Runden Tisches aus dem Nachlaß des Dokumentarfilmers Klaus Freymuth.
Ein Jahr später schloss sich das aus der Berliner Umwelt-Bibliothek hervorgegangene Matthias-Domaschk-Archiv dem Verein an. Das Archiv war im Januar 1992 als eigenständiger Bestandteil in der Umwelt-Bibliothek Berlin gegründet worden, um das Wirken der DDR-Opposition und deren Bekämpfung durch das Ministerium für Staatssicherheit und anderer Repressionsorgane der DDR im öffentlichen Bewußtsein zu halten. Schwerpunkte und Sammelgebiete waren das Schriftgut zu Opposition und widerständigem Verhalten einzelner Personen und Gruppen und die Dokumentation ihrer staatlichen Verfolgung mit Kopien von MfS-Akten aus der Akteneinsicht Betroffener. Grundstock des Archivs bildete die von der Berliner Umwelt-Bibliothek übernommene Text- und Schriftensammlung aus der DDR-Oppositionsbewegung der 1980er Jahre.
Im Jahr 2003 übernahm die Robert-Havemann-Gesellschaft das Archiv "GrauZone" mit seinen Beständen zur ostdeutschen Frauenbewegung. Die persönlichen Archivbestände von in der Frauenbewegung Engagierten, Sammlungen zu verschiedenen Frauengrup-pen und die Unterlagen des Unabhängigen Frauenverbandes vervollständigten die bereits in der Gesellschaft vorhandenen Bestände. Die drei Archive ergänzen sich auf ide-ale Weise und sind organisatorisch zusammengefaßt. Die Bestände der Foto-, Plakat-, Ton- und Filmsammlungen sowie der Bibliotheken des Robert-Havemann-Archivs und des Matthias-Domaschk-Archivs wurden vereinigt, die jeweiligen Schriftgutbestände bilden einzelne Abteilungen im heutigen "Archiv der DDR-Opposition". Das erst einige Jahre später hinzugekommene Archiv "GrauZone" wurde in seiner Gesamtheit als eigene Abteilung eingeordnet.
Auf der Basis der Archivbestände gestaltet die Robert-Havemann-Gesellschaft ihre Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Mit Publikationen, Ausstellungen und Veranstaltungen zu einzelnen Aspekten und Etappen der Oppositionsgeschichte der DDR wird die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Feld innerhalb der Aufarbeitung der DDR-Diktatur gelenkt. Neben allgemeinen werden auch thematische Archivführungen für Schüler, Studenten, Lehrer und andere Multiplikatoren angeboten.
Ab dem Jahr 2003 wurde in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für Politische Bildung die Homepage www.jugendopposition.de erarbeitet - ein multimediales Angebot über Widerstand und Auflehnung von Jugendlichen in der DDR. Das Angebot der Homepage ist auf Bedürfnisse Jugendlicher zugeschnitten und soll zu einem besseren Verständnis der Geschichte des geteilten Deutschlands beitragen.
Seit 1996 gibt die Robert-Havemann-Gesellschaft die Schriftenreihe des Robert-Havemann-Archivs heraus, in der bisher elf Bände erschienen sind. Daneben wurde eine Reihe weiterer Publikationen veröffentlicht, wie beispielsweise ein bebildertes Bio-graphienlexikon über Opposition und Widerstand (Ilko-Sascha Kowalczuk/Tom Sello: Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition und Widerstand in Biographien und Fotos. Robert-Havemann-Gesellschaft e. V., Berlin 2006) und Erinnerungen an Oskar Brüsewitz (Karsten Krampitz/Lothar Tautz/Dieter Ziebarth, Hg.: Ich werde dann gehen. Erinnerungen an Oskar Brüsewitz. Ev. Verlagsanstalt Leipzig und Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin, Leipzig 2006).