Wie in vielen deutschen Städten fanden auch in Hamburg in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 Verhaftungen jüdischer Bürger und Angriffe auf jüdische Gemeindeeinrichtungen und Geschäftshäuser statt. Das noch am helllichten Tag andauernde Zerstörungswerk war von der NSDAP-Gauleitung zur Einschüchterung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung organisiert worden. Anwohner und Passanten beteiligten sich ebenso aktiv wie Einheiten der SA, SS und der Polizei. Mehr als 1.000 jüdische Männer Hamburgs wurden in dieser Nacht und den Folgetagen verhaftet, in KZs verschleppt oder in den Selbstmord getrieben.
In der Hamburger Innenstadt, am Neuen Wall, waren die traditionsreichen Konfektions- und Modehäuser Hirschfeld, Robinsohn, Campbell und Unger von Zerstörungen und Plünderungen getroffen. Schaufensterpuppen schwammen im nahegelegenen Fleet. Das Hamburger Grindelviertel wurde durch seine Vielzahl jüdischer Gemeindeeinrichtungen und Schulen sowie vieler kleinerer Geschäfte besonderer Schauplatz fanatischer Zerstörungswut. Sogenannte Kundgebungen fanden vor Hamburger Synagogen statt. Brandanschläge trafen die Hauptsynagoge am Bornplatz, die Dammtor-Synagoge in der Beneckestraße, die Alte und Neue Klaus in der Rutschbahn sowie den Israelitischen Tempel in der Oberstraße. Überall waren Schaulustige und Anwohner zugegen - sahen und hörten die Bürger der Stadt, was geschah. Das nationalsozialistische "Hamburger Tageblatt" berichtete bereits am 10. November 38 über die Vorgänge unter der Überschrift "Überall spontane Kundgebungen - Demonstrationen gegen das Weltjudentum auch in Hamburg". Ein Jahr später, am 14.7.1939, druckte dasselbe Blatt ein Foto zum Abriss der Bornplatz-Synagoge. Die Originalbildunterschrift lautete "Die Synagoge am Bornplatz fällt endgültig. Die Synagoge am Bornplatz wird - wie bereits angekündigt - in diesen Tagen abgebrochen. Wo heute noch ein paar traurige Trümmerreste stehen, wird bald ein freundlicher Grünplatz allen Volksgenossen Freude machen."
Doch von diesen über Stunden andauernden, organisierten Ausschreitungen gibt es bislang kein bekanntes Foto. Niemand in Hamburg soll von diesen Vorgängen und ihren Resultaten ein Foto, einen Schnappschuss, gemacht haben? Da ich mich schon lange mit der Geschichte der Judenverfolgung in Hamburg beschäftige und nicht wenige Archivbestände angesehen habe, kann ich diesen Befund nicht recht glauben.
Eingereicht von:
Ursula Wamser