Klackernde Kugeln, alberne Äffchen oder piepsende Plastik-Eier: Jede Zeit hat ihre Kultspielzeuge. Und alle wollen sie nur das Eine. Von Gesche Sager
Welchem Hype sind Sie in Ihrer Kindheit verfallen? Zeigen Sie Ihre Spielzeugfotos auf einestages!
Es gibt die Klassiker: Teddys, Playmobil, Lego, Barbie. Jedes Kind kennt, will oder hat sie. Bis auf einige Ausfälle durch Rückrufaktionen hält sich der Verkauf konstant. Aber wie alles andere auch unterliegt Spielzeug dem Diktat der Mode: Auch unter Kindern gibt es Statussymbole.
So wurden in den späten Fünfzigern und Sechzigern Kinder (und auch so mancher Erwachsene) vom Hula-Hoop-Fieber gepackt. Weltweit drehten sich die Plastikreifen um Hüften, Arme, Beine, Hälse und wurden in unendlichen Figuren wild umher geschleudert. Es gab Wettkämpfe und Shows, in denen die besten "Hooper" zur Freude des Publikums auftraten. So mancher Schulhof war in den großen Pausen vom Sirren der Plastikreifen und Wippen der Petticoats erfüllt.
In den Siebzigern ertönte ein anderes Geräusch: klick-klack, klick-klack. Zwei harte Holz- oder Plastikkugeln an einem Gummiband wurden durch Schütteln dazu gebracht, gegeneinander zu schlagen, eroberten die Kinderherzen und verursachten blaue Flecken an Unterarmen und Handrücken. Heute kann man die beliebten Klickerkugeln wieder kaufen: als "Entspannungsspiel mit zwei Kugeln". Mittlerweile werden sie aus Kunststoff hergestellt, sind sehr viel leichter - und man braucht sich kein Handtuch mehr um den Unterarm zu wickeln, um schmerzhafte Blessuren zu verhindern.
Affenähnliche und Zauberwürfel
In den Achtzigern waren bei kleineren Kindern Monchichis sehr beliebte affenähnliche Kreaturen des japanischen Puppenherstellers Mr. Sekiguchi, aus deren braunem Pelz Plastikhände und -füße herausragten. Das beste: Sie konnten am Daumen nuckeln. Bald gab es passende Kleiderkollektionen und Zubehör für die kleinen Kitschlinge. Ihre Aufgabe war es der Website Monchichi-World zufolge, den Kindern der Welt "die Schönheit der Liebe" zu zeigen. Noch heute erfreuen sich Monchichis großer Beliebtheit bei Sammlern und Nostalgikern.
Ein weiteres wichtiges Relikt der Achtziger war das Jo-Jo: eine Holz- oder Plastikscheibe, die an einem Band auf- und abrollen konnte. Wer lange genug übte, schaffte mit seinem Jo-Jo die waghalsigsten Kunststücke mit abenteuerlichen Namen wie "Affenschaukel", "Loop the Loop" und "Around the World". Bis heute gibt es Meisterschaften, bei denen sich die Jo-Jo-Helden mit ihren kühnen Figuren messen. Dazu reicht selbstverständlich nicht das 25-Cent-Jo-Jo aus dem Kaugummiautomaten - Profi-Jo-Jos werden in Fachgeschäften für über 100 Euro gehandelt.
In den Neunzigern wurden die Kinderzimmer eindeutig "japanisiert". Was in den Siebzigern und Achtzigern zaghaft mit den Monchichis und der mundlosen Comic-Katze "Hello Kitty" begonnen hatte, fand seine volle Entfaltung in Tamagotchis, Gameboys und Pokémons. Für die meisten Eltern war es völlig unverständlich, wenn ihre Kleinen plötzlich meinten, kleine Plastik-Eier mit einem unerbittlichen Computerinnenleben versorgen zu müssen.
Puzzeln und Suchen
Tamagotchis lassen sich nicht abstellen - in regelmäßigen Abständen piepsen sie um Aufmerksamkeit und Essen, müssen saubergemacht oder zum Spielen gebracht werden. Bekommen die elektronischen Quälgeister nicht was sie brauchen, werden sie verzogen und "fett" und können am Ende sogar sterben. Unter Tamagotchi-Eltern scheint es jedoch recht viel Nachlässigkeit zu geben - betrachtet man den eigens eingerichteten Tamagotchi-Friedhof im Internet, auf dem Hinterbliebene ihren Lieblingen einen virtuellen Grabstein setzen können.
Das in der Anfangszeit doch recht einsame Spiel ist inzwischen kommunikativ geworden: Tamagotchis der neuen Generation können mit einem Kabel verbunden werden, so dass die Kinder miteinander spielen können. Je nachdem, wie die "digitalen Lebewesen" erzogen werden, ergeben sich jetzt auch verschiedene Karrieremöglichkeiten - wenn man sie bis ins Erwachsenenalter durchbringt.
Weit mehr Spielmöglichkeiten bot der ab 1990 in Europa erhältliche Nintendo Game Boy. Zunächst gab es nur das russische Puzzlespiel "Tetris" für den kleinen Taschenspieler, aber mit der Zeit kamen noch Hunderte von weiteren Spielen hinzu. Allein der Game Boy wurde über 120 Millionen Mal verkauft.
Eines dieser Spiele ist "Pokémon", das es mittlerweile in mehreren Versionen und auch für jede andere Spielkonsole von Nintendo gibt. In einer Phantasiewelt muss der Spieler kleine Monster - die Pokémons - finden, sammeln, trainieren und im Wettkampf gegeneinander antreten lassen. Das Spiel war nur der Anfang eines gigantischen Merchandising-Erfolgs. Die mal mehr, mal weniger niedlichen Taschen-Monster, allen voran den gelbe Manga-Zwerg Pikachu mit den riesigen Ohren, gibt es inzwischen als Kuscheltiere, auf Becher, Handtücher und Bettwäsche gedruckt, als Sammelkarten - und in Japan sogar auf Flugzeuge gemalt. Es gibt eine Fernsehserie, einen Kinofilm und regelmäßig stattfindende Meisterschaften, in denen die Pokémon-Trainer ihre Schützlinge gegeneinander antreten lassen.
Barbies trashige Konkurrentin
Bei dem schon länger anhaltenden Boom der Computer- und Videospiele ist zu beobachten, dass nicht mehr nur Jungs sondern auch immer mehr Mädchen zum Spielen und Kaufen animiert werden sollen. Inzwischen kann man sich nicht mehr nur auf virtuellen Kriegsschauplätzen herumtreiben, sondern auch durch rosa Barbiewelten und über sonnenlichtdurchflutete Ponyhöfe wandeln. Mädchen wurden als verlässliche Konsumenten der elektronischen Spielwelt entdeckt. Inzwischen gibt es für dieses Segment sogar ein eigenes Videospielmagazin. In Play Vanilla wird über Killerbunnies, Koch- und Karaokespiele genauso geschrieben wie über Kriegs-, Krimi- und Kampfspiele - nur vor pastellfarbenem Hintergrund.
Dass Klischees trotz allem nicht aussterben - dafür sorgen die Spielzeugkonzerne weiterhin. Die nächste auf Mädchenzimmer zurollende Welle ist ein direkter Angriff auf Barbie: die in den USA bereits heiß begehrten Plastik-Girlies "Bratz". Stark geschminkt, in Minirock und bauchfreiem Top trippeln die Püppchen nun in High-Heels auf Europa zu.
Auf der offiziellen Bratz-Website für Deutschland gibt es nicht nur Schminktipps, Horoskope und Test ("Bist Du Zucker oder Feuer?"), es lässt sich zu jeder Bratz-Puppe auch eine genaue Typbeschreibung nachlesen, inklusive Lieblingsessen, -farbe, -film, -körperteil und Einkaufsstil. Dazu läuft im Fernsehen bereits eine Zeichentrickserie, und es erscheint eine Zeitschrift. Das gesamte Potential der Merchandising-Macht wird ausgeschöpft.
Und der nächste Kinderzimmer-Hype kommt bestimmt.
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