| Diktator Franco: Mit Hilfe der Atombombe wollte der "Caudillo" Spanien in den siebziger Jahren Großmachtstatus verschaffen, wie aus jetzt veröffentlichten CIA-Dokumenten hervorgeht. Nach Francos Tod 1975 und der Demokratisierung Spaniens unter König Juan Carlos (r., hier noch als Thronanwärter) wurden die Pläne stillschweigend fallengelassen. |
Jetzt veröffentlichte CIA-Dokumente enthüllen: Spaniens Diktator Franco strebte in den siebziger Jahren nach der Atombombe, um sich so den Traum von der Großmacht zu erfüllen. Francos amerikanische Verbündete blieben gelassen - schauten aber doch lieber ganz genau hin.
Zur Atommacht wollte Spaniens faschistischer Diktator Francisco Franco sein Land nach einem Bericht der Madrider Tageszeitung "El País" machen. Um mit anderen europäischen Mittelmächten wie Frankreich und Großbritannien gleichzuziehen, habe Franco nach nun freigegebenen Dokumenten des US-Geheimdienstes CIA aus dem Jahr 1974 ein ehrgeiziges Atomprogramm aufgelegt, um in den Besitz der Bombe zukommen, schreibt das Blatt.
Demnach habe Spanien nicht nur Uranreserven angelegt, sondern bereits über eine Pilotanlage für die Anreicherung von Uran verfügt. Getestet werden sollte die spanische Bombe in der Sahara. "Spanien ist das einzige europäische Land, das in den vor uns liegenden Jahren als möglicher Verbreiter von Atomwaffen einige Beachtung verdient", heißt es in einem von "El País" zitierten CIA-Dokument.
Franco, der das Land seit dem Sieg seiner Truppen im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) bis zu seinem Tod 1975 diktatorisch regierte, sei von der Idee geradezu besessen gewesen, sagte jetzt Donato Fuejo, ehemaliger Präsident der spanischen Atomsicherheitsbehörde der Zeitung. Zwar habe das Land seinerzeit weder über die finanziellen noch über die technischen Mittel verfügt, um tatsächlich eine funktionsfähige Nuklearwaffe zu bauen, doch "ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn die Diktatur nicht beendet worden wäre", sagte Fuejo.
Dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten, hatte Franco stets abgelehnt. Nach dem Tod des Alleinherrschers 1975 und der Demokratisierung Spaniens wurden die Pläne offenbar stillschweigend beerdigt. All zu ernst nahmen die USA die Pläne der Spanier ohnehin nicht: "Nur durch eine ungewöhnliche Kombination von Umständen", lautete die abschließende Einschätzung der CIA, "scheint es in irgend einer Weise plausibel, dass Spanien Gründe zur Entwicklung nuklearere Kapazitäten haben sollte, es sei denn, solche Waffen finden allgemeine Verbreitung."
hmk/lui/dpa/rtr
Die aus CDU, CSU und Deutscher Partei gebildete...