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Spielfilmverderber

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Killerfilm: David Mills (Brad Pitt) und William Somerset (Morgan Freeman) sind einem grausamen Killer auf der Spur, der seine Opfer nach dem Muster der sieben Todsünden grausam hinrichtet.

Wer seinen Freunden den Spaß an David Finchers "Sieben" so richtig verderben möchte, …

Was ist mit Norman Bates' Mutter los? Und wer zum Henker ist dieser Rosebud? Es gibt Filme, die bis zum Schluss Rätsel aufgeben - und fiese Spoiler, die alles schon vorher verraten. einestages stellt die größten Überraschungen der Kinogeschichte vor. Und verrät die Auflösungen. Wenn Sie wollen. Von Benjamin Maack


Es gibt Heckspoiler, Frontspoiler - und Filmspoiler. Während die beiden ersten dazu dienen, ein Auto sicherer auf der Straße zu halten, sorgt letzterer mitunter dafür, dass Filmfans vor Wut in die Luft gehen. "To spoil" bedeutet übersetzt "stören" oder gar "verderben" und meint, dass jemand das Ende oder eine besonders spannende Wendung eines Films verrät. Manchmal ist das nicht ungefährlich.

Auch wenn es den Begriff damals noch nicht gab, führte etwa 1961 ein Spoiler in Deutschland zu einer regelrechten Massenhysterie. Damals lief im WDR "Das Halstuch". Der Fernsehsechsteiler entstand nach einem Krimi des britischen Autors Francis Durbridge. Schon die beiden ersten Durbridge-Sechsteiler "Der Andere" und "Es ist soweit" waren gigantische Erfolge - bereits die erste Filmreihe prägte den Begriff "Straßenfeger", weil sich Bundesdeutschland damals nahezu kollektiv vor den Fernsehgeräten versammelte. Trotzdem sprengte die Produktion "Das Halstuch" noch einmal alle Rekorde.

Zwischen dem 3. und 17. Januar wurden die sechs Teile gesendet - und die gesamte Republik befand sich im Ausnahmezustand. Die Einschaltquote lag bei 89 Prozent, wer selbst keinen Fernseher hatte, schaute bei den Nachbarn. Kinos, Theater, Volkshochschulen und Wahlkampfveranstaltungen blieben leer. Der Programmbeirat des Fernsehens stellte in trockenem Amtsdeutsch fest: "Das deutsche Kulturleben ist zum Erliegen gebracht worden." Zwei Wochen lang beherrschte nur ein Thema die Gespräche: Wer ist der Halstuchmörder?

Dann kam Wolfgang Neuss.

Zwei Tage vor der letzten Folge von "Das Halstuch" veröffentlichte der Berliner Kabarettist in einer Zeitungsannonce für seinen Kinofilm "Genosse Münchhausen" die Identität des Mörders. Eigentlich wollte er nur mehr Leute in seinen Film bewegen. Stattdessen brachte er ganz Deutschland gegen sich auf. Neuss erhielt Morddrohungen, die "Bild-Zeitung" beschimpfte ihn als Vaterlandsverräter. Doch wie war der Kabarettist an die hochbrisante Information gekommen? Er hatte einfach seine Mutter angerufen - und die hatte tatsächlich den richtigen kriminalistischen Riecher gehabt.

"Seien Sie nicht teuflisch"

Im Internet gibt es heute diverse Foren und Websites, die das Spoilen zum Sport gemacht haben. Auf Seiten wie Spollywood.com oder Ruinedendings.com werden lustvoll die Auflösungen von tausenden Filmen gesammelt. Zwei Web-Comedians haben es sogar geschafft, in einem You-Tube-Video hundert Filmplots in nur fünf Minuten zu verraten.

Der Begriff "spoilen" ist aber keine Erfindung des Internet. Bereits 1971 machte sich das US-Satire-Magazin "National Lampoon" einen Heidenspaß daraus, die Enden diverser Filme zu verraten und nannte den Artikel "Spoilers". Vermutlich war dies das erste Mal, dass dieses Wort in dem Zusammenhang in einem Magazin verwendet wurde. Die Angst vor dem Filmspoiler ist allerdings viel älter.


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1960 etwa weigerte Alfred Hitchcock sich für "Psycho" vorab Pressevorführungen zu geben - aus Angst, die Kritiker könnten die beiden überraschenden Wendungen des Films ausplaudern. Fünf Jahre zuvor ging der französische Regisseur Henri-Georges Clouzot ("Der Lohn der Angst") sogar noch einen Schritt weiter. Am Ende seines Thrillers "Die Teuflischen" erschien eine Schrifttafel mit folgender Botschaft: "Seien Sie nicht teuflisch. Zerstören Sie nicht das Interesse Ihrer Freunde an diesem Film. Erzählen Sie Ihnen nicht, was Sie gesehen haben. Wir bedanken uns in ihrem Namen."

Augen zu - und klick!

Clouzots Bitte ist die wahrscheinlich erste Spoiler-Warnung der Filmgeschichte. Heute nutzen im Internet viele Filmseiten diesen Ausdruck, um zu signalisieren, dass ein Artikel die Geheimnisse des besprochenen Films lüftet. Doch nicht nur netzaffine Kinogänger kennen Spoiler-Warnungen. Mancher Fußballfan wird sich noch daran erinnern können, dass die Sportschau in der ARD früher eine Zeit lang die Bundesliga-Ergebnisse nur als Texttafel einblendete und Zuschauer, die das Ergebnis noch nicht wissen wollten, bat, sich kurz die Augen zuzuhalten.

Gerade in den vergangenen 20 Jahren ist es einigen Regisseuren auf brilliante Art gelungen, ganz bewusst mit dem Zauber der überraschenden Wendung zu spielen. So hauen Filme wie M. Night Shyamalans "The Sixth Sense", Bryan Singers "Die üblichen Verdächtigen" oder Christopher Nolans "The Prestige" den Zuschauer mit einem genialen Dreh der Geschichte aus den Socken - und sorgen gleichzeitig dafür, dass man die erzählerischen Kunstwerke beim zweiten Mal mit völlig anderen Augen ansieht.

einestages stellt die Filme mit den spannendsten Wendungen der Kinogeschichte vor - und verrät ihre Geheimnisse. Natürlich selbstverständlich mit eingebauter Spoiler-Warnung. Während das erste Bild zum Film nur Unverfängliches über Handlung und Hintergrund verrät, steht beim jeweils zweiten Filmmotiv der Spoiler. Wenn Sie also Werke wie "12 Monkeys", "Jacob's Ladder" oder Clouzots "Die Teuflischen" noch nicht kennen - Augen zu und die Maustaste zweimal drücken. Viel Spaß beim Klicken und Gucken!


Debatte

insgesamt 19 Beiträge zur Debatte
Philipp Sellheim am 3. Januar 2012, 12:30
Ich vermisse in der - sehr guten - Auflistung doch zwei ganz entscheidende Filme: "Der Clou" und "Lucky Number Slevin".

Javier Mendez am 20. August 2010, 17:48
Frau Cammisar, Herr Albrecht,

ich finde, dass Herr Maack richtig lag in seiner Beschreibung der Twists.
Es existiert eine Maschine die eine Kopie erschafft, keine...


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