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1945

Britische Kriegspropaganda Krieg der bunten Bilder


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The National Archives
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Kein dummes Blondchen: "Halt den Mund, sie ist nicht so blöd" - dieses Plakat stammt aus der "Careless talk cost lives"-Kampagne und forderte die Soldaten dazu auf, sich vor Spionen - zumal weiblichen - zu hüten. Der Topos der weiblichen Spionin geht auf die niederländische Nackttänzerin Mata Hari zurück, die 1917 wegen vermeintlicher Militärspionage für das Deutsche Reich von den Franzosen hingerichtet wurde.

Blutrünstige Hunnen, Wölfe im Schafspelz, entmannte Versager: Auch Pinsel und Zeichenstift wurden im Zweiten Weltkrieg zur scharfen Waffe - nicht nur bei den Nazis. einestages zeigt selten gesehene Propagandaplakate aus dem britischen Nationalarchiv. Von Katja Iken



Klicken Sie hier, um durch die Plakate zu blättern.

Propaganda ist ein Krieg der Worte und der Bilder. Aber ausgetragen wird der mediale Schlagabtausch kaum weniger enthemmt als das blutige Handwerk auf dem echten Schlachtfeld. Und wenn es um Meinungsmache für die eigene Sache geht, zumal im Krieg, ziehen nicht nur totalitäre Diktaturen die Samthandschuhe aus. Auch Demokratien geben dann verbal kein Pardon.

Was sie den Hitlers und Mussolinis voraus hatten, war der gelegentliche Schuss Humor - eine Waffe, der Tyrannen zutiefst misstrauten. Noch heute kennt jeder in Großbritannien das Kriegs-Liedchen vom halb enteierten Hitler und dem ganz und gar entmannten Goebbels. "Hitler hat nur einen Hoden", heißt es da, "Göring zwei, sehr kleine, Himmler etwas Ähnliches - und der arme, alte Goebbels, der hat gar keine." Bewusst reißt die Propaganda alle Tabus nieder und macht den Gegner zum Monster, besser noch zur Schießbudenfigur. Und trifft ihn dabei - wie in dem Lied - auch gern in seiner Männlichkeit.

Einfache, glasklare für jedermann verständliche Botschaften mit einem Ziel: Meinungsmache: Darum geht es bei Propaganda, seit Menschen über andere Menschen herrschen, die ihre Macht sichern und andere für die eigene Sache gewinnen wollen - sei es die Religion oder die Revolution: Die Päpste propagieren den katholischen Glauben seit 1622 über die "Sancta congregatio de propaganda fide", die von den Jakobinern gegründeten Geheimgesellschaft "Club de la propagande" war etwas kurzlebiger.

Werber entdeckten ihr Talent im Krieg

Richtig zum Zug aber kommt die Propaganda in Kriegszeiten. Um den Gegner zu demoralisieren, die eigenen Truppen anzuheizen, die Heimatfront zum Durchhalten anzuspornen - dazu wurden alle medialen Register gezogen. Dank Erfindung der Dampfmaschine und der Einführung der Elektrizität liefen bald die Druckerpressen heiß; die Errichtung telegraphischer Netze machten es möglich, Nachrichten immer problemloser, schneller und günstiger von A nach B zu transportieren - Errungenschaften, die erstmals massiv im Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 zur Meinungsmache eingesetzt wurden.

Im Ersten Weltkrieg dann nutzten die Kriegsgegner alle verfügbaren Massenmedien - inklusive Film - in großem Stil zur Verbreitung ihrer Botschaften. Männer wie Walter Lippmann oder Edward Bernays, die später zu Legenden der PR-Industrie wurden, lernten ihr Handwerkszeug als Propaganda-Macher in der "Creel Commission", mit der Präsident Woodrow Wilson die Bevölkerung für den Kriegseintritt bewegen wollte.

Propaganda als der Waffe gleichwertig

Im Zweiten Weltkrieg perfektionierten die einzelnen Nationen ihre Polit-PR weiter. "Der Propagandakrieg wird als wesentliches, dem Waffenkrieg gleichrangiges Kriegsmittel anerkannt", vereinbarten im Winter 1938/39 Nazi-Oberpropagandist Josef Goebbels und der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, General Wilhelm Keitel. Das Wort war endgültig als Waffe anerkannt, auch von den Militärs. Kaum im Amt, erweiterte Goebbels sein "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" von 250 auf 2000 Mitarbeiter, verteilt auf nicht weniger als 22 Gebäude in Berlin.

Die Nationalsozialisten, voran Goebbels, trieben die zweifelhafte Kunst der politischen Beeinflussung so auf die Spitze - doch auch die Alliierten investierten jede Menge Manpower und finanzielle Mittel in ein ihnen genehmes Meinungsklima. Schon zwischen 1914 und 1918 hatten die Briten gezielt Schriftsteller, Politiker und Journalisten zur Meinungsmache eingesetzt - eine Strategie, die sie während des Zweiten Weltkrieges noch ausgebauten. Zu den Künstlern, die im Auftrag des 1939 gegründeten "Ministery of Information" (MoI) die öffentliche Meinung beeinflussten, gehörten Autoren wie George Orwell oder der Bloomsbury-Literat David Garnett (dessen Roman "Aspects of Love" Andrew Lloyd Webber als Musical adaptierte), aber auch Kreative wie der junge Zeichner Ronald Carl Giles, der nach 1945 als Karikaturist Karriere machte und im April 2000 zu "Großbritanniens beliebtesten Cartoonisten des 20. Jahrhunderts" gekürt wurde.

"Mr. Hitler möchte es wissen!"

1942 investierten die Briten bereits vier Millionen Pfund in Propaganda, ein Drittel mehr als noch im Jahr zuvor. Und kaum ein Lebensbereichen blieb von den Maßregelungen der Regierung verschont: "Niest nicht unbedacht und steckt andere damit an!" - "Werft Eure Zeitungen nicht einfach weg - Papier ist ein wichtiger Rohstoff!" - "Näht Uniformen für Eure Männer an der Front!" - "Plappert kein unbedachtes Zeug, es könnte sein, dass ihr gerade einem Spion auf den Leim geht!" - solche Botschaften schrien grelle Plakate überall in Städten und Dörfern, auf Bahnhöfen und in Bussen, in Pubs und Kinos heraus.

Eine besondere Rolle innerhalb der Plakatpropaganda spielte in Großbritannien die "Anti-Plapper"-Kampagne ("Careless Talk Cost Lives"), das Gegenstück zur deutschen "Feind-Hört-Mit!"-Propaganda. Sie spielte hemmungslos mit den gängigen, in England besonders beliebten Spionage-Klischees - auf den Plakaten räkelt sich mal ein verführerisches Frauenzimmer à la Mata Hari zu dem Slogan "Du vergisst, aber die behält es" ("You forget - but she remembers"), mal verschließt ein Soldat seinen Mund kurzerhand mit einem Reißverschluss ("Zipp it"), mal taucht Hitler mit einem riesigen Ohr auf: "Mr Hitler möchte es wissen!" ("Mr. Hitler wants to know!").

Konterfeis der eigenen Staatsmänner und Militärs - allen voran Winston Churchill -, ruhmreiche Szenen der Marine, Luftwaffe und Armee und die Solidarität mit den Verbündeten waren andere Sujets der Propaganda, die besonders gerne in heroischen Motiven zelebriert wurden. Und natürlich ließen sich auch Feindbilder per Plakat vortrefflich transportieren. der deutsche Gegner als blutrünstiger Hunne, als Wolf im Schafspelz oder eben als entsexualisiertes Männchen.

Ob Propaganda am Ende wirklich Kriege entscheidet? Wer weiß. Eins jedenfalls ist sicher: Wenn die Waffen schweigen, wirken die Propaganda-Bilder noch lange weiter - eine Art intellektuelle Atomstrahlung mit ziemlich hoher Halbwertzeit.


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Debatte

insgesamt 7 Beiträge zur Debatte
Jörg Scheffler am 18. April 2013, 09:00
Gute Güte.

Vielleicht sollte das nächste mal ein des englischen Kundiger die Übersetzung vornehmen. Das ist ja sowas von peinlich und dumm... "Luftgewehre...

Ingmar Geiss am 17. Februar 2008, 16:55
Der Schlussabschnitt, der impliziert, dass das beschriebene Bild des Nazi-Deutschen bis in die heutige Zeit nachwirkt ist eine unfundierte Behauptung. Ich arbeite seit 1,5 Jahren...


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