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Gefeierter Befreier: Ukrainische Mädchen, die als Zwangsarbeiterinnen in einer deutschen Munitionsfabrik arbeiten mussten, tragen unter freudigem Gejubel einen amerikanischen Soldaten, dem seine Rolle offenbar zusagt. Er und seine Kameraden hatten die Mädchen gerade aus ihrem Lager befreit.
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Ganze Schiffsladungen deutscher Stahlhelme, Ehrendolche und NS-Parteiabzeichen gelangten nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA: Mitbringsel heimkehrender US-Soldaten. Bei den Erben eines Ex-GIs in Louisiana stieß ein deutscher Historiker über 60 Jahre später auf seltsame Erinnerungsstücke aus Germany - und machte sich auf deren Spur. Von Gerhard Jochem
Andenken an Auslandsaufenthalte sagen immer etwas über den Besucher und das besuchte Land aus. Als emotionale Merkposten stehen sie für den Besitzer stellvertretend für seine Eindrücke. Sie sollen den Daheimgebliebenen zeigen, was man in der Fremde erlebt hat.
Solche Gedanken müssen vor gut sechzig Jahren auch einem US-Soldaten durch den Kopf gegangen sein, als er seine Erinnerungsstücke zusammenstellte, die er aus dem besiegten Deutschland mit zurück in seine Heimat nahm: Neben einem Album mit propagandistischen NS-Zigarettenbildchen waren das anonyme Fotos aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.
Die Geschichte hat sich um 1945 so oder ähnlich tausendfach zugetragen: Die siegreichen GIs - froh, den tödlichen Wahnsinn des Krieges in Europa überlebt zu haben, und mit dem beruhigenden Demobilisierungsbefehl in der Tasche - sahen sich vor der Rückkehr nach Mitbringseln um, die sie in New York, Cincinnati oder Tuscaloosa der staunenden Familie, Frau oder Freundin präsentieren konnten. Je nach Vorlieben und Stärke des Unrechtsbewusstseins fanden so ganze Schiffsladungen von deutschen Stahlhelmen, "Ehrendolchen" und goldenen Parteiabzeichen, aber auch Kunst- und Kulturgegenständen bis hin zu Teilen des Quedlinburger Domschatzes ihren Weg über den Atlantik.
In den Westen - und wieder zurück
Die Generation der Kriegsteilnehmer steht mittlerweile an der Spitze der Alterspyramide. In ihren Familien zurück bleibt nicht näher identifiziertes Strandgut aus einer fernen Zeit und einem fernen Land, mit dem die Nachkommen nicht viel anzufangen wissen.
Das oben genannte Bilderpotpourri erbte eine Immobilienmaklerin in Baton Rouge, der Hauptstadt des US-Südstaates Louisiana. Zufällig befand sich in ihrem Bekanntenkreis ein deutscher Historiker, der an der dortigen staatlichen Universität arbeitet. Die Fotos kehrten so - nunmehr digital - an ihren ursprünglichen Aufbewahrungsort zurück, um dort nach Möglichkeit räumlich und inhaltlich identifiziert zu werden.
Deutsche in zwei Weltkriegen
Was der Veteran den Lieben zuhause glaubte zeigen zu müssen, scheint heute höchstens für Militärhistoriker interessant: vier Fotos vom Geschehen an der Front des Ersten und zwei Aufnahmen von einer Rekrutenvereidigung, vermutlich gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Zu sehen sind in der älteren Abteilung professionelle Bilder von deutschen Soldaten mit Gasmasken, einem winterlichen Schützengraben in einer ungenannten bewaldeten und hügeligen Gegend, einem (wohl katholischen) Feldgottesdienst und - als makabrer optischer Höhepunkt - die irritierende Aufnahme eines abgestürzten feindlichen Piloten, Luftschiffers oder Ballonfahrers.
Eine genauere Bestimmung lässt das neben der offensichtlich drapierten Leiche abgelichtete Gewirr aus Stoffbahnen, Draht, Holzspanten und Metallstangen für den Laien nicht zu. Auffällig ist, dass sich der Schauplatz deutlich vom Umfeld des Laufgrabens und der Messfeier unterscheidet: Die Überreste des Flugapparates und seines Steuermannes liegen in einem breiten Wiesengrund, durch den sich ein Bach mit lichten Büschen und Bäumen an seinen Ufern zieht.
Die Herkunft der beiden jüngeren Fotos kann zwar etwas genauer als "irgendwo zwischen Nordfrankreich und Russland" bestimmt werden. Aber auch ein "Wahrscheinlich in der späteren US-Besatzungszone" bleibt unbefriedigend: Auf und vor dem Kasernenhof einer Garnison, vielleicht in Südwestdeutschland, hat ein Amateurfotograf mit zwei Schnappschüssen eine Vereidigungszeremonie der Wehrmacht dokumentiert, indem er den Schwur der Rekruten auf die Regimentsfahne und die auf der Straße angetretene Formation nebst Spielmannszug festhielt. Am Rednerpult im Hof hängt die Reichskriegsflagge, die erkennbaren Gesichter scheinen sehr jung. Wurde hier eines der letzten regulären Aufgebote auf "Führer, Volk und Vaterland" eingeschworen, um noch für den Wahn des "Endsieges" verheizt zu werden?
Schuhplattler und Sturmtruppen
Eine Zuweisung der Bilder zu konkreten Orten, Einheiten und Zeiten wäre wünschenswert, weshalb militär- und lokalgeschichtliche Experten eingeladen sind, bei der Identifizierung zu helfen.
Für den sprichwörtlichen "GI Joe" waren die elementaren Fragen an jede fotografische Quelle - wer, wann und wo - irrelevant. Was trieb ihn aber dann dazu, gerade diese Dokumente in seinen Tornister zu packen? Eine mögliche Antwort bietet der Schulungsfilm "Your Job in Germany", der 1945 den hier stationierten Soldaten gezeigt wurde: Eine suggestive Schnittfolge idyllischer und dramatischer Szenen, deren Wirkung durch eindringliche Kommentare und Musiksequenzen verstärkt wird.
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