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Viva Las Vegas: "Mein geliebter Führerschein, Klasse IV (später erweitert auf I + III) eröffnete mir mit 16 Jahren den freien Zugang in die motorisierte Welt. Mein erstes Moped: Eine Kreidler RS, 50 ccm, 6 PS, über 80 KM Spitze. Ständig habe ich mit meinen Freunden an dem Bike gebastelt, es 'frisiert', größere Düsen in den Vergaser eingebaut, den Auspuff aufgebohrt, coolere Lenker montiert etc. Mehr als drei Jahrzehnte steckte der graue Lappen in meiner Brieftasche - er hat mich länger durch mein Leben begleitet als meine ehemalige Frau und meine drei Kinder. Erst vor wenigen Monaten bin ich auf einen dieser gesichtslosen Plastikkarten-Führerscheine umgestiegen, aber nur weil ich das neumodische Teil brauchte, um mir in Las Vegas ein Motorrad zu mieten. Ich habe es aber dennoch nicht über das Herz gebracht, mich von meinem grauen Lappen zu trennen: Er steckt weiterhin wohlbehütet in meinem Portemonnaie."
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Was für Haare! So jung! Wie wir damals aussahen! Der Führerschein: Das einzige amtliche Dokument, das man mit 18 fürs Leben bekommt. Das bizarrste Relikt der eigenen Jugend. einestages zeigt wunderbare Exemplare - und ihre Besitzer heute. Von Katja Iken
Schließen Sie die Augen und holen Sie ihn raus, den grauen Lappen. Wie weich er sich anfühlt! Das Leben ist nicht spurlos an ihm vorüber gegangen, zum Glück. Zerknautscht und porös von diversen Schleudertouren in der Waschmaschine, ausgebleicht von der Sonne, mit Kaffeeflecken übersät: ein sinnlicher Genuss.
Dagegen wartet die 08/15-EU-Plastikfahrerlaubnis mit dem Charme einer Discount-Karte auf. Nicht ein Hauch von Sex-Appeal; glitschig flutscht sie einem aus der Hand, genormt, konturlos, langweilig. Die glatte Oberfläche des Kärtchens gleicht einem gelifteten Gesicht: Es vermag keine Geschichte zu erzählen, die Zeichen der Zeit prallen spurlos an ihm ab.
Der gute alte graue Lappen indes - unhandlich, zerfleddert, speckig - kann ein Liedchen vom Leben singen. Liebschaften kamen und gingen, der Lappen blieb, diskret in der Brieftasche versteckt oder klein zusammengefaltet in der Gesäßtasche der Jeans, doch immer ganz nah dran am Geschehen. Was für ein Tag, als man ihn das erste Mal in den Händen hielt! Endlich mobil, endlich unabhängig - endlich erwachsen. Der Papier gewordene Inbegriff der Selbstbestimmtheit und die Lizenz, um Träume wahr zu machen. Nur noch ein Tritt aufs Gaspedal, und schon ging es los, ab ins eigene Leben, weg von daheim, Richtung Rimini, Amsterdam, egal. Hauptsache raus zuhause, den alten Mief hinter sich lassen.
Licht anmachen bei Dunkelheit!
Natürlich gab es Verwegene, die sich auch ohne Fahrerlaubnis ans Steuer setzten, um sich aus dem Staub zu machen. Zum Beispiel die Gattin von Carl Benz. Kaum hatte der Ingenieur sein dreirädriges Automobil gebaut, bekam er im Jahr 1888, vor genau 120 Jahren, einen Führerschein verpasst - als weltweit erste Person überhaupt.
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