Über einestages

1902

Gummistiefel

zurück vor 1  /  17
Getty Images

zurück vor

Album bewerten

3,2 (1136 Bewertungen bisher)


Einen Trend losgetreten: Nachdem das britische Supermodel Kate Moss im Juni 2005 in Hotpants und Gummistiefeln durch den Matsch des Glastonbury Music Festivals lief, um den Auftritt ihres (damaligen) Freunds, des "Babyshambles"-Sängers Pete Doherty, zu sehen, wollten alle sie haben - der Trend zum Gummistiefel war geboren.

Eingereicht von

versenden

Fetisch für die Füße

Vom Gärtner-Outfit zum Hippster-Accessoire: Flippige Gummistiefel liegen voll im Trend. Für trockene Füße können sich Fashion Victims bei Charles Goodyear bedanken, der herausfand, wie man widerspenstiges Kautschuk zu elastischem Gummi macht - und neben Regentretern auch gleich das Kondom erfand. Von Lydia Leipert


Debatte

Letzter Beitrag:

Max van Org 1. Apr 2008, 01:25
„Flippige Gummistiefel liegen voll im Trend“ heißt es in dem... mehr...

In Berlin ist die Liebe zum Gummi entbrannt. Nein, es geht nicht um Sex, sondern um wasserfeste Schuhbekleidung: Gummistiefel. Im KaDeWe gibt es die bunte Luxusvariante, im Gartenfachhandel den dunkelgrünen Klassiker und in verschiedenen Szene-Läden auch deutlich ausgefallenere Varianten - letztere haben selbst im Winter Hochsaison.

In dem kleinen Laden "Konsumfilter" im Prenzlauer Berg findet man sie in grellen Farben, mit schrägen Mustern, Deko-Schnürsenkeln und Reflektorenstreifen. "Sie sind hippe Accessoires", sagt Stefan Preuss und hebt einen der vielen bunten Stiefel aus dem Regal. "Je ausgefallener das Design, desto besser werden sie verkauft", sagt er.

Leopardenmuster und Gartenzwerge

Der Trend kommt aus New York und London. In Manhattan bietet sogar das Modelabel "Issey Miyake" Gummistiefel an - für mehr als 600 Dollar. In London, auf dem Flohmarkt in Camden, wo sich die Hippsten unter den Briten rumtreiben, warten die knallig bedruckten Stiefel auf Käufer.

Und mittlerweile sind sie auch in Deutschland in: Mit Schotten-, Blumen- oder Leopardenmuster, mit Tigern, Gartenzwergen oder Kühen drauf. Die knallige Vielfalt in Gummi kommt an. "Natürlich haben wir viele Hobby-Gärtner oder Hundebesitzer, die die Stiefel kaufen", erklärt Preuss. Daher der "Gassi-Boot" oder das Modell mit fröhlichen Möpsen drauf. "Aber wir hatten auch schon einen langhaarigen Musiker da, der die Boots mit dem Piratenschädel unbedingt für seinen Auftritt brauchte."

Wer die Wurzeln des neuen Trends sucht, muss tief graben: Angeblich stellte bereits die Urbevölkerung Südamerikas einen Vorläufer des Stiefels her. Stoffschuhe wurden mit latexhaltigem Pflanzensaft getränkt und hielten so beim Waten durch den Sumpf die Füße trocken.

Ein Leben für das Gummi

In anderen Teilen der Erde hat es weit länger gedauert, bis man Geschmack an Gummi-Klamotten fand. Der Großvater des Gummistiefels ist der Amerikaner Charles Goodyear: Er fertigte Anfang des 19.Jahrhunderts erstmals Anzüge und sogar einen Gehstock aus Gummi. Das brachte allerdings so seine Probleme mit sich. Denn das Material schmolz, wenn es zu heiß wurde. Und wurde brüchig, wenn es zu kalt war. Deshalb experimentierte der im Jahr 1800 geborene Hobby-Chemiker pausenlos in der heimischen Küche und testete neue Gummirezepte.

1839 gelang dann der Durchbruch: Goodyear erfand die sogenannte Vulkanisierung. Ein Prozess, bei dem er rohen Kautschuk, Schwefel und Füllstoffe mischte und dann das Ganze erhitze. Auf einmal hatte er eine Masse, die elastisch und haltbar war. Goodyear gründete eine Firma, die Gummihandschuhe und Zelte herstellte, letztere waren damals zur Goldgräberzeit heiß begehrt.

So konnte Goodyear seine Kautschuk-Visionen ausleben: 1851 präsentierte er auf der Weltausstellung in London Möbel, die komplett aus Gummi waren. 1855 stellte er das erste Kondom her, das 15 Jahre später serienmäßig in Produktion ging. Goodyears Name ist trotz allem aus einem anderen Grund bekannt: Eine Reifenfirma setzte dem Erfinder mit ihrem Firmennamen ein Denkmal. Denn Charles Goodyear selbst war eher Tüftler als Geschäftsmann und ließ seine Erfindung zu spät patentieren. Davon profitierte ein anderer Amerikaner: Hiram Hutchinson.


Kennen Sie auch ein Kleidungsstück mit einer spannenden Geschichte? Erzählen Sie sie auf einestages!

Unbequeme Wunderschuhe

Der amerikanische Ingenieur wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem frisch von Goodyear erworbenen Gummi-Patent in der Tasche nach Montargis in Frankreich aus. Dort, so dachte er sich, arbeiteten viele bei Wind und Wetter in der Landwirtschaft. Die Fischer und Bauern der Region waren zunächst verblüfft und dann begeistert von den Wunderschuhen, die er ihnen brachte. Damit konnten sie tatsächlich ohne nasse Füsse zu bekommen durchs Wasser laufen. Seitdem hat der Erfolgskurs der Schuhe angehalten. Gummistiefel sind heute sogar gut fürs Image: Gerhard Schröder etwa, hat einem Paar Gummistiefeln, mit denen er beim Oderhochwasser vor Ort den volksnahen Kanzler gab, seine zweite Wahlperiode zu verdanken.

Heute macht die knallbunte Version des Gummistiefels die Mädels in Berlin-Mitte glücklich. Aber was macht die Stiefel eigentlich so trendig? Selbst Gummistiefelfachmann Stefan Preuss kann sich die Begeisterung nicht so richtig erklären: "Sie sind nichts für Schweißfüsse, denn trotz der Baumwollbeschichtung innen schwitzt man natürlich enorm. Und sie sind auch nicht besonders bequem. Lange durch die Stadt laufen, kann man damit nicht - aber die Leute lieben sie trotzdem."

Und wie trägt man die Stiefel? "Frauen tragen sie entweder zum Rock oder mit Leggins drunter. Jeans reinstecken funktioniert nicht, da ist der Schaft zu dünn", so der Verkäufer. Und der Trend für die, die schon bunte Stiefel haben? "Halbhohe Gummistiefel sind im Kommen", sagt Preuss. "Die gehen knapp über den Knöchel und sehen etwas unförmiger aus als die längeren." Außerdem kommen in der Sommersaison auch Stiefel mit Deko-Schnalle und Schnürungen bis ganz obenhin. Goodyear hätte sicher seine helle Freude daran gehabt.



Weitere interessante Themen finden Sie auf der Homepage von einestages! mehr...




Löschung des Berichts beantragen

2000er Jahre, Bundesrepublik, Erfindungen, Mode




» Album bearbeiten


» Album-Metadaten bearbeiten


» Produktionsansicht