Vom Gärtner-Outfit zum Hippster-Accessoire: Flippige Gummistiefel liegen voll im Trend. Für trockene Füße können sich Fashion Victims bei Charles Goodyear bedanken, der herausfand, wie man widerspenstiges Kautschuk zu elastischem Gummi macht - und neben Regentretern auch gleich das Kondom erfand. Von Lydia Leipert
Max van Org
1. Apr 2008, 01:25
„Flippige Gummistiefel liegen voll im Trend“ heißt es in dem...
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In Berlin ist die Liebe zum Gummi entbrannt. Nein, es geht nicht um Sex, sondern um wasserfeste Schuhbekleidung: Gummistiefel. Im KaDeWe gibt es die bunte Luxusvariante, im Gartenfachhandel den dunkelgrünen Klassiker und in verschiedenen Szene-Läden auch deutlich ausgefallenere Varianten - letztere haben selbst im Winter Hochsaison.
In dem kleinen Laden "Konsumfilter" im Prenzlauer Berg findet man sie in grellen Farben, mit schrägen Mustern, Deko-Schnürsenkeln und Reflektorenstreifen. "Sie sind hippe Accessoires", sagt Stefan Preuss und hebt einen der vielen bunten Stiefel aus dem Regal. "Je ausgefallener das Design, desto besser werden sie verkauft", sagt er.
Leopardenmuster und Gartenzwerge
Der Trend kommt aus New York und London. In Manhattan bietet sogar das Modelabel "Issey Miyake" Gummistiefel an - für mehr als 600 Dollar. In London, auf dem Flohmarkt in Camden, wo sich die Hippsten unter den Briten rumtreiben, warten die knallig bedruckten Stiefel auf Käufer.
Und mittlerweile sind sie auch in Deutschland in: Mit Schotten-, Blumen- oder Leopardenmuster, mit Tigern, Gartenzwergen oder Kühen drauf. Die knallige Vielfalt in Gummi kommt an. "Natürlich haben wir viele Hobby-Gärtner oder Hundebesitzer, die die Stiefel kaufen", erklärt Preuss. Daher der "Gassi-Boot" oder das Modell mit fröhlichen Möpsen drauf. "Aber wir hatten auch schon einen langhaarigen Musiker da, der die Boots mit dem Piratenschädel unbedingt für seinen Auftritt brauchte."
Wer die Wurzeln des neuen Trends sucht, muss tief graben: Angeblich stellte bereits die Urbevölkerung Südamerikas einen Vorläufer des Stiefels her. Stoffschuhe wurden mit latexhaltigem Pflanzensaft getränkt und hielten so beim Waten durch den Sumpf die Füße trocken.
Ein Leben für das Gummi
In anderen Teilen der Erde hat es weit länger gedauert, bis man Geschmack an Gummi-Klamotten fand. Der Großvater des Gummistiefels ist der Amerikaner Charles Goodyear: Er fertigte Anfang des 19.Jahrhunderts erstmals Anzüge und sogar einen Gehstock aus Gummi. Das brachte allerdings so seine Probleme mit sich. Denn das Material schmolz, wenn es zu heiß wurde. Und wurde brüchig, wenn es zu kalt war. Deshalb experimentierte der im Jahr 1800 geborene Hobby-Chemiker pausenlos in der heimischen Küche und testete neue Gummirezepte.
1839 gelang dann der Durchbruch: Goodyear erfand die sogenannte Vulkanisierung. Ein Prozess, bei dem er rohen Kautschuk, Schwefel und Füllstoffe mischte und dann das Ganze erhitze. Auf einmal hatte er eine Masse, die elastisch und haltbar war. Goodyear gründete eine Firma, die Gummihandschuhe und Zelte herstellte, letztere waren damals zur Goldgräberzeit heiß begehrt.
So konnte Goodyear seine Kautschuk-Visionen ausleben: 1851 präsentierte er auf der Weltausstellung in London Möbel, die komplett aus Gummi waren. 1855 stellte er das erste Kondom her, das 15 Jahre später serienmäßig in Produktion ging. Goodyears Name ist trotz allem aus einem anderen Grund bekannt: Eine Reifenfirma setzte dem Erfinder mit ihrem Firmennamen ein Denkmal. Denn Charles Goodyear selbst war eher Tüftler als Geschäftsmann und ließ seine Erfindung zu spät patentieren. Davon profitierte ein anderer Amerikaner: Hiram Hutchinson.

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