| Rekonstruiertes Monorad: Ein höchst ungewöhnliches Fortbewegungsmittel ist dieses einrädrige Motorrad, das um die Jahrhundertwende von Erich Edison-Puton in Paris gebaut wurde. Obwohl es voll funktionsfähig ist, hat sich das hier verwirklichte extravagante Bauprinzip nicht wirklich durchsetzen können und geriet bald in Vergessenheit. Mit einem Originalkorpus und einem Originalmotor aus Paris wurde das Fahrzeug vom Restaurator Ferdinand Schlenker rekonstruiert. Das Museumsstück fährt mit 3,5 Pferdestärken. |
Mono-Räder, Schienen-Zeppeline, fliegende Panzer: Euphorisiert von der Technikrevolution entwickelten Ingenieure in den zwanziger und dreißiger Jahren die absurdesten Fahrzeuge - viele davon für den Krieg. Spektakuläre Archivfotos dokumentieren die Wahnsinnsvehikel. Von Christopher J. Peter
In den zwanziger Jahren grassierte rund um den Globus das Technikfieber: In Amerika und England phantasierten Erfinder von Panzern in Kugelform und Einradtanks. Einrädrige Motorräder, bei denen Antrieb und Fahrer innerhalb des Reifens Platz nahmen, gab es bereits. In Deutschland experimentierte Fritz von Opel mit sprengstoffgetriebenen Raketenautos. Im Mai 1928 stellte er mit 238 Stundenkilometern einen Geschwindigkeitsrekord auf: 24 Pulverraketen und damit 120 Kilo Sprengstoff zündeten, um seinen Raketenwagen auf 238 Stundenkilometer zu beschleunigen. Nur drei Jahre später raste zwischen Hamburg und Berlin eine silberfarbene Zigarre über die Eisenbahnstrecke - der durch einen riesigen Heckpropeller vorangetriebene Schienenzeppelin. Mit Tempo 238 erreichte er schon damals die Geschwindigkeit eines ICE von heute.
"Auswüchse einer blinden Technikhörigkeit, die nach dem Ersten Weltkrieg in der Gesellschaft grassierte", diagnostiziert Wolfgang Fleischer, Historiker des Militärhistorischen Museums Dresden. Auch wenn Künstler wie Fritz Lang in Filmen wie "Metropolis" die entfesselte Technik als kulturfeindlich kritisierten, bei Ingenieuren und Militärs herrschte der Glaube vor, mittels Maschinen alles erreichen zu können.
Fliegende Panzer als Friedensgarantie
Die Vision des US-Ingenieurs J. Walter Christie allerdings war besonders abgedreht: Auf 15 Meter langen Doppeldeckerflügel sollte sein stählernes Ungetüm durch die Luft segeln, sanft wie eine Feder über feindliche Linien hinwegschweben. Dem Tüftler erschien sein gepanzerter Dumbo gar als veritabler Friedensengel. "Der fliegende Panzer ist eine Maschine, jeden Krieg zu beenden", jubilierte er in derTechnikzeitschrift "Modern Mechanics". "Alleine das Wissen um seine Existenz wird eine größere Friedensgarantie sein, als alle Verträge die die Erfindungsgabe der Menschheit aushecken kann."
Die US-Militärs waren deutlich weniger begeistert. Kein einziger von Christies rund ein Dutzend Prototypen ereichte Serienreife. Alle Modelle würden abgelehnt, schon wegen ihrer hauchdünnen Panzerung - ein unausweichlicher Tribut an die hohe Geschwindigkeit. Frustriert wandte sich der exzentrische Konstrukteur 1931 an die Europäer. Als der Panzer-Avantgardist auch die Deutschen nicht euphorisieren konnte, zog er weiter nach Osten. Bei den Sowjets rannte er offene Türen ein. Mit seiner Expertise wurde der im eigenen Land verschmähte Erfinder in den dreißiger Jahren zu einem der Mitentwickler des gefürchtetsten Panzermodells des Zweiten Weltkriegs, dem schnellen und wendigen T 34.
Aber auch an seiner fixen Ideen, gepanzerte Fahrzeuge zum Fliegen zu bringen, tüftelte Christie weiter. Schon Mitte der dreißiger Jahre entwickelte er mit russischen Ingenieuren den T 27, einen mit 2,7 Tonnen äußerst leichten Minipanzer, der, unter schwere Tupolev-Bomber geschnallt, durch die Luft transportiert und hinter feindlichen Linien dicht über dem Boden abgeworfen werden konnte. So zumindest lautete der Plan. Zwar blieb der Panzer bei solchen Sturzflügen meist relativ unbeschädigt - die Besatzung hingegen überstand die Quasi-Bruchlandungen jedoch nicht so gut.
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