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| Nachkriegspropaganda: Der Film "Your Job in Germany" gehört zu einer Reihe von Schulungsfilmen, die der Oscar-prämierte US-amerikanische Regisseur Frank Capra ("Ist das Leben nicht schön?", "Arsen und Spitzenhäubchen") für die US-Armee drehte. Der Film sollte die in Deutschland als Besatzungsmacht eingesetzten GIs davor warnen, Deutschen zu vertrauen. Bald nachdem der Film im April 1945 fertiggestellt worden war, war der Krieg zu Ende. Viele der in Deutschland längere Zeit stationierten US-Soldaten wollten Capras These von der Gesamtschuld aller Deutschen nicht akzeptieren. |
Er suchte eine Antwort auf die Inszenierung des "Teufels": Im Auftrag der US-Regierung arbeitete Hollywood-Regisseur Frank Capra in den vierziger Jahren an einem "Gegengift" zur Nazi-Propaganda. Die Wirkung seiner Filme auf die GIs in Deutschland verpuffte - dafür hält sie in den USA bis heute an. Von Harald Leder
Die Nationalsozialisten erkannten früh den enormen Wert des Mediums Film: Gleich nach ihrer Machtergreifung im Januar 1933 schufen die Nazis ihr eigenes Propagandaministerium, das jeden Aspekt der deutschen Filmproduktion kontrollierte. Mit ihrem Werk "Triumph des Willens" wurde Leni Riefenstahl zum Star der Nazipropagandamaschine. Die Antwort aus Amerika ließ nicht lange auf sich warten lassen. Bald schon arbeitete der erfolgreiche Hollywood-Regisseur Frank Capra an einem "Gegengift gegen die giftigen Ideen einer Herrenrasse".
Capra, Sohn eines Obstpflückers, war 1903 als Sechsjähriger mit seiner Familie aus Italien nach Los Angeles gekommen, seit 1922 arbeitete er in der Filmindustrie. Als Regisseur hatte er 1926 erste Erfolge in Hollywood, der Durchbruch gelang ihm in den Dreißigern, als er mehrfach die begehrte Oscar-Trophäe gewann. Seine Filme basierten auf populistischen Motiven: Ein kleiner, aber aufrechter Mann setzt sich erfolgreich gegen korrupte Politiker oder andere Bösewichte zur Wehr und trägt letzten Endes den Sieg davon, so in "Mr. Smith Goes to Washington" - der Film, der James Stewart 1939 zum Star machte.
Während des Zweiten Weltkriegs sollte Capra selbst zur Schlüsselfigur werden - beim Versuch der US-Regierung, den Kampfeswillen der seit 1940 eingezogenen Wehrpflichtigen zu mobilisieren.
"Inszenierung des Teufels"
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 war es um die Moral der US-Streitkräfte schlecht bestellt. George Marshall, Oberbefehlshaber der US-Truppen, betraute Capra, der sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte, persönlich 1942 mit der Mission, dieses Defizit zu beheben. Er sollte Filme drehen, die den Soldaten klarmachten, gegen wen und vor allem warum sie kämpften. Capra hatte Leni Riefenstahls "Triumph des Willens" gesehen und erkannte in dem "Superspektakel, das der Teufel selbst nicht besser inszenieren hätte können" das enorme Potential für die psychologische Kriegführung. Riefenstahls These - "Wir, das Herrenvolk, sind die neuen unbesiegbaren Götter!" - empfand er als "stumpf und brutal wie ein Bleirohr", er suchte nach einer überzeugenden Antwort.
Der Filmemacher hatte eine geniale Idee. Die Nationalsozialisten und ihre Verbündeten selbst hatten mit ihren Filmen und Wochenschauen das beste Material zu ihrer Verurteilung geliefert. Der Feind entlarvte seine Absichten durch seine eigene Propaganda.
Capra fand das Filmmaterial bei einem "Verwalter ausländischen Eigentums" im amerikanischen Finanzministerium. Mit Hilfe dieses aufgeschlossenen Beamten konnte er es gerade noch rechtzeitig und nicht ganz legal dem Zugriff der Militärbürokratie entziehen. Nach und nach vervollständigte er die Sammlung mit Wochenschauen, die er aus besetzten Gebieten herausschmuggeln ließ. Gleichzeitig folgten seine Kameramänner den GIs, wo immer sie operierten, und sammelten umfangreiches Material von allen Kriegsschauplätzen. Den Leitspruch für die Filmserie fand er bei George Marshall und in der Bibel: "Ihr sollt die Wahrheit wissen und die Wahrheit soll Euch freimachen." 1942 begannen die Dreharbeiten für die Dokumentarfilmserie "Why We Fight", die bis Kriegsende auf sieben Folgen anwuchs. Alle Einheiten der US-Army und der Alliierten bekamen sie zu sehen.
"Your Job in Germany"
Schon vor der Invasion Frankreichs im Juni 1944 machten sich Capra und seine Mitarbeiter daran, einen Film zu drehen, der die Soldaten auf ihre Aufgaben nach dem Krieg vorbereiten sollte. Die deutsche Ardennenoffensive verzögerte das Erscheinen des Films, der im Herbst 1944 fertig geworden war. Die Entdeckung der Konzentrationslager in Deutschland Anfang 1945 machte die Einbeziehung der neuen, bislang unvorstellbar grausamen Bilder notwendig. Das Ergebnis hieß: "Your Job in Germany". Die endgültige Fassung des Propaganda-Streifens kam im April 1945 heraus.
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