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1941

Sensationeller Foto-Fund Paris unterm Hakenkreuz - in Farbe


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André Zucca/BHVP/Roger Viollet
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Paris unterm Hakenkreuz: Die Fahnen der deutschen Besatzer wehen auf dieser Aufnahme von André Zucca von den Fassaden der Gebäude an der Rue de Rivoli, direkt gegenüber den Tuillerien.

Für die deutsche Propaganda knipste der Fotograf André Zucca das besetzte Paris in Schwarzweiß - privat dokumentierte er die Seine-Metropole in grandiosen Farbaufnahmen. Jetzt werden die Fotos zum ersten Mal in Paris gezeigt - und haben gleich massive Proteste ausgelöst.


Er war ein Flaneur mit der Kamera, der durch Paris streifte und die kleinen, alltäglichen Straßenszenen in Bildikonen mit Ewigkeitswert verwandelte. Doch anders als die berühmten Paris-Schnappschüsse von Fotografen-Legenden wie Robert Doisneau oder Henri Cartier-Bresson, die millionenfach auf Postern und Postkarten verbreitet wurden, wurden die sensationellen Bilder von André Zucca bisher nie gezeigt.

Zucca, 1897 geboren und schon in der Zwischenkriegszeit ein erfolgreicher Reportagefotograf, hielt Paris zur Zeit der deutschen Besetzung während des Zweiten Weltkriegs im Bild fest. Auf einem seiner Fotos wehen leuchtend rote Hakenkreuzfahnen von den Fassaden der Rue de Rivoli gegenüber der Tuillerien herab - auch heute noch ein fast physisch schmerzender Anblick für viele Franzosen.

Im kollektiven Gedächtnis der Pariser ist die "occupation" als graue, grimme Zeit der Unterdrückung verankert, in der die Bevölkerung in Angst und Schrecken unter dem Joch von SS und Gestapo lebte. Doch Zuccas Bilder zeigen ein irritierendes Gegenbild - ein fröhliches, beschwingtes, lebenslustiges Paris, getaucht in helles Sommerlicht: junge Frauen, die hinter modischen Sonnenbrillen in die Kamera lächeln, buntes Treiben auf der Rue de Belleville, Angler an einem Quai der Seine. Es ist Paris, wie es sich selbst versteht und gerne präsentiert, doch gebrochen durch das, was fehlt und nur gelegentlich in Gestalt grauer Wehrmachtsuniformen ins Bild und ins Bewusstsein drängt.

Nazi-Propaganda oder pralles Pariser Leben?

Die Historische Bibliothek der Stadt Paris hat rund 270 der sensationellen Farbaufnahmen Zuccas jetzt zum ersten Mal ausgestellt - und einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Schau wurde als "Nazi-Propaganda" beschimpft, der Pariser Kultur-Bürgermeister ließ die Werbung einstellen, für Besucher wurden in aller Eile eine erklärende Texttafel am Eingang aufgestellt und entsprechende Handzettel gedruckt.

Der Besucherandrang in der sonst eher beschaulichen Bibliothèque historique der Stadt im historischen Marais-Viertel ist dennoch enorm - oder gerade wegen der Kontroverse. Dass sich das Leben unter der "occupation" für die meisten Franzosen nicht so schlicht in die beiden Kategorien Kollaboration einerseits und Résistance andererseits einteilen lässt, ist für Historiker zwar keine wirklich neue Erkenntnis. Doch der Gründungsmythos der französischen Nachkriegsrepublik, die sich aus dem kollektiven Widerstand des französischen Volkes gegen die Nazi-Herrschaft geboren sieht, sitzt immer noch tief in den Köpfen und Herzen.

Am Fall des Fotografen Zucca zeigt sich das exemplarisch. Der hielt ab 1941 für das Propaganda-Blatt "Signal" auftragsgemäß das lustige Leben der Pariser unter deutscher Besatzung in ästhetisch geglättetem Schwarzweiß fest. Durch seine guten Beziehungen zu den Deutschen kam er an die raren Agfacolorfilme und konnte in seiner Freizeit Paris in Farbe festhalten. Zucca selbst sah sich dabei als unpolitisch, doch nach der Befreiung der französischen Hauptstadt durch die Alliierten wurde erim Oktober 1944 gleichwohl als Kollaborateur verhaftet. Das Leumundszeugnis eines führenden Résistance-Mitglieds sorgte für seine umgehende Freilassung, doch mit der Karriere als Fotograf war es vorbei. Zucca eröffnete ein kleines Fotogeschäft in einem Dorf bei Paris und starb 1973, weitgehend vergessen.

In der Historischen Bibliothek liegt Zuccas Nachlass seit mehr als 20 Jahren - erst jetzt kamen diese einzigartigen Dokumente an die Öffentlichkeit.

hmk



Die Ausstellung "Des Parisiens sous l'Occupation" mit den Farbfotografien von André Zucca in der Bibliothèque Historique de la Ville de Paris ist noch bis zum 1. Juli 2008 zu sehen. Der Katalog kostet 35 Euro.


Debatte

insgesamt 7 Beiträge zur Debatte
Rudolf Schäfer am 12. November 2008, 14:10
Liebe Frau Schank,
Ihre Annahme ist leider total falsch. Ich habe einiges Diamaterial aus dieser Zeit auch aus Paris, selbst gescannt und die gleiche Farbigkeit nach der digitalen...

Sina Schank am 11. November 2008, 22:01
Für mich sind diese Fotos eindeutig coloriert. Das sieht man besonders gut an Foto Nummer 4, wenn man sich mal die Häuser im Hintergrund ansieht. Mit dem Computer kann...


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