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1940

Irena Sendler gestorben Der Engel des Warschauer Ghettos


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Irena Sendler: Die polnische Widertstandskämpferion, die 2500 Kinder aus dem Waschauer Getto rettete, ist am 11. Mai 2008 98-jährig in Warschau gestorben.

Die polnische Widerstandskämpferin Irena Sendler schmuggelte 2500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto. Die Gestapo fasste sie 1943 und folterte sie grausam. Der Exekution konnte sie gerade noch entkommen - jetzt ist die "Gerechte unter den Völkern" 98-jährig in Warschau gestorben. Von Hans Michael Kloth


Sie wurde gern mit Oskar Schindler verglichen, dem deutschen Unternehmer, der im Zweiten Weltkrieg Tausende von Juden auf seine berühmte Liste kriegswichtiger Arbeitskräfte setzte und sie so rettete. Tatsächlich führte auch Irena Sendler eine Liste, die Überleben bedeutete. Auf ihr standen 2500 Namen von jüdischen Kindern, die die Sozialarbeiterin und polnische Untergrundkämpferin 1942/43 aus dem Warschauer Ghetto schmuggelte, mit unverfänglichen Papieren versah und so vor dem sicheren Tod bewahrte.

Die 1910 als Tochter eines früh verstorbenen Arztes in Warschau geborene Widerstandskämpferin erlebte gleich nach der Besetzung Polens und der Einrichtung des Warschauer Ghettos 1940 die Schrecken des Nazi-Terrors. Als Krankenschwester ließ sie sich für die Bekämpfung anstreckender Krankheiten im völlig überfüllten Ghetto einteilen und schmuggelte Medikamente und Nahrungsmittel hinein, mit Dienstausweisen für ihre Sanitätskolonne ermöglichte sie Juden, zu entkommen.

Als die Deportationen in die Vernichtungslager begannen, entschloss sich Irena Sendler, wenigstens die Kinder der Todgeweihten zu retten. Für die Untergrundorganisation "Rat für die Unterstützung der Juden" (Zegota) organisierte sie einen großangelegten Kinderschmuggel - unter Mänteln, in Säcken oder Holzkisten wurden Kinder auf abenteuerlichen Wegen durch Keller und Abwasserkanäle aus dem Ghetto geschleust, nicht selten mit Schlafmitteln betäubt.

Mit falschen Papieren ausgestattet, wurden die Kleinen anschließend in die Obhut von polnischen Familien gegeben, oft auch in Klöstern oder Waisenhäusern versteckt.

Im Oktober 1943 flog Irena Sendler auf und wurde von den Deutschen verhaftet. Auf Hilfe für Juden stand die Todesstrafe. Die 33-Jährige wurde von Gestapo-Leuten bestialisch gefoltert, doch sie gestand nichts, nannte keine Namen. Nach drei Monaten in den Folterkellern der SS zum Tode verurteilt, gelang ihr in letzter Sekunde die Flucht. Ermöglicht wurde sie durch einen SS-Mann, den die Zegota bestochen hatte. Sofort nahm Irena Sendler ihre Arbeit wieder auf.

Die Liste mit den Namen "ihrer" Kinder hatte Sendler in einer Flasche unter einem Baum vergraben. Auf dem Dokument waren Geburtsname und Alias jedes ihrer Schützlinge notiert - erst dadurch wurde es nach Kriegsende möglich, den geretteten Ghetto-Kindern ihre wirkliche Identität wiederzugeben. Ohne Sendlers Liste wären sie vielleicht gerettet worden, viele aber hätten wohl nie etwas von ihrer jüdischen Geburt erfahren.

Israel machte die Polin 1965 zur einer der "Gerechten unter den Völkern". Aber in ihrer Heimat blieben ihre Taten lange unerwähnt, denn auch mit den kommunistischen Herren Polens konnte sich Irena Sendler nicht anfreunden. Erst als über 90-Jährige wurde sie auch in Polen und Deutschland geehrt. Noch im vergangenen Jahr wurde sie für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Sie selbst blieb bescheiden. "Heute bin ich mir wohl bewußt, daß ich nicht alles getan habe, was mir möglich war", sagte sie einmal. "Ich hätte noch mehr retten können. Ich habe Gewissensbisse und werde sie bis zum Ende meiner Tage haben."

Am Sonntag ist Irena Sendler im Alter von 98 Jahren gestorben.



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insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Sandro Schmidt am 12. Mai 2008, 23:50
Eine wirklich erstaunliche Frau, auf die die Geschichte stolz sein kann! Solche Menschen sollten viel stärker gewürdigt werden. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass...


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