Es sind Zeitdokumente aus den Pioniertagen der Farbfotografie: Mit viel Aufwand ließ ein Berliner Verlag ab 1906 Farbbilder von Schlössern, Städten und Naturlandschaften produzieren. Sie zeigen Deutschland in einer idyllischen Pracht, die heute unwiederbringlich verloren ist.
Als sie veröffentlicht wurden, waren die Bilder eine Sensation. Bunte Stadtansichten von Köln und Dresden, Farbfotos von schlesischen Dörfern und Menschen in farbenfrohen Traditionstrachten - schon im Jahr 1906 brachte der Berliner Verlag C. A. Weller auf großformatigen schwarzen Kartontafeln Fotodrucke in Farbe heraus. Und das in einer Qualität, die damals durch Nachkolorierung von Schwarzweiß-Bildern nicht annähernd zu erreichen war.
Die Fotografen verwendeten ein kompliziertes Verfahren, für das drei Aufnahmen pro Motiv notwendig waren. Landschaften und Stadtpanoramen wurden nacheinander mit einem roten, grünen und blauen Filter aufgenommen, um aus den verschiedenen Mischungsverhältnissen der drei Grundfarben die tatsächlichen Farben darstellen zu können.
So war der Preis für's Bunte eine aufwendige Technik, die massive Nachteile gegenüber Schwarzweiß-Aufnahmen hatte. Bewegte Objekte wie Menschen, Wolken oder Wasserfälle ließen sich kaum einfangen, und die Ausrüstung mit einer klobigen Naturfarbenkamera der Firma Bermpohl und diversen Platten wog häufig mehr als einen Zentner. Meist zogen die Fotopioniere zu zweit los, den eigentlichen Fotografen begleitete dann ein Fotochemiker.
Vergessene Pioniere der Farbfotografie
Ihre Tätigkeit galt als ziemlich technische Angelegenheit, die mit Kunst nach damaligem Verständnis wenig zu tun hatte. Häufig fehlten in den Bildsammlungen des Weller-Verlags Angaben über die Urheber, und für die Prachtbände engagierte Fotografen wie Julius Hollos, Rudolf Hacke, J. und A. Bahr und Franz de Grousilliers gerieten in Vergessenheit.
Trotzdem sind ihre postkartentauglichen "Farbenphotos" lebensnahe Dokumente einer Zeit, die in der kollektiven Wahrnehmung weitestgehend nur noch in Schwarzweiß existiert. Viele zeigen Gebäude, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden - Schlösser in Berlin und Potsdam oder das Geburtshaus von Brahms in Hamburg. Sie dokumentieren die einstmals märchenhafte Schönheit von Orten wie Breslau, Ravensburg oder einem Dörfchen namens Milz bei Römhild, die durch Fortschritt und Modernisierung zum Gutteil unwiederbringlich verloren ging.
So beweisen viele der 1400 Bilder, die jetzt auf der CD-Rom "Deutschland in frühen Farbfotografien" in digitaler Form neu veröffentlicht worden sind, wie stark die Bauten der Nachkriegszeit manche Orte veränderten: Die Ufer des Starnberger Sees sind unbebaut, keine charakterlosen Bürogebäude aus Beton oder Musicaltempel umgeben den Kölner Dom, und der Düsseldorfer Hafen ist Arbeiter- statt Szeneviertel.
Die gedämpften Farben lassen manche Bilder von Hacke, Bahr und Co. wie Gemälde erscheinen, auch bei Bildkomposition und Motivauswahl ließen sie sich sichtbar von Meisterwerken des 18. und 19. Jahrhunderts inspirieren. Außer idyllischen Stadtszenen, Burgen, Schlössern und Naturlandschaften hielten sie auch den industriellen Fortschritt für die Nachwelt fest, bildeten Kohlezechen in Essen und Werften in Hamburg ab.
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Zum Weiterschauen
"Deutschland in frühen Farbfotografien". CD-Rom, Directmedia Publishing, ISBN 978-3-89853-619-6, www.directmedia.de
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