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Der umstrittenste der "Censored 11": Der Warner-Cartoon "Coal Black And De Sebben Dwarfs" von 1943, ist eine Parodie auf den Disney-Film "Schneewittchen und die sieben Zwerge" von 1937. Unter Trickfilm-Kennern gilt er als einer der besten Trickfilme überhaupt. Gegner kritisieren die klischierte Darstellung der schwarzen Figuren.
Bob Clampett, der Macher des Trickfilms, war jedoch gar nicht von selbst auf die Idee für "Coal Black" gekommen - es waren Duke Ellington und einige seiner Musiker. Clampett hatte damals viele Freunde in der Jazz-Szene von Los Angeles und "sie fragten, warum es bei Warner eigentlich keine Cartoons mit schwarzen Charakteren gäbe", erinnerte er sich später. "Ich hatte keine gute Antwort auf die Frage." So dachten sich Musiker und Filmemacher gemeinsam die Schneewittchenparodie aus. |
Sie lieben nichts als Glücksspiel, Jazz und Wassermelonen: In vielen Cartoons der dreißiger und vierziger Jahre gingen die Witze auf Kosten von Schwarzen. Als Bürgerrechtler protestierten, wollte Trickfilm-Gigant Warner die rassistischen Filme verschwinden lassen - und erreichte genau das Gegenteil. Von Benjamin Maack
Boooomm!!! Eine schwarze Rauchwolke füllt die gesamte Leinwand. Das Publikum in den Kinositzen biegt sich vor Lachen, weil es schon weiß, was jetzt passiert. Es kennt den Witz aus Dutzenden Cartoons, aus "Popeye", "Tom & Jerry", "Bugs Bunny" und vielen anderen. Wenn sich der Rauch von dem explodierenden Geschenk, dem Flintenschuss, dem knallenden Auspuff verzieht, wird der Seemann, der Kater, der Hase für ein paar Sekunden ein ganz schwarzes Gesicht mit riesigen rosigen Lippen haben, vielleicht noch ein paar krause schwarze Locken auf dem Kopf und er wird einen dümmlichen Akzent voller grammatikalischer Schnitzer sprechen. Für ein paar Sekunden wird sich der Trickfilmheld in die Karikatur eines Schwarzen verwandeln.
Mit der Verbreitung des Tonfilms Ende der zwanziger Jahre begann auch die goldene Ära des Cartoons. Abendfüllende Spielfilme gab es damals nur wenige, die Kinos bestritten ihre Vorführungen mit Kurzfilmprogrammen, in denen Zeichentrickfilme nicht fehlen durften. Firmen wie Disney, Warner oder die Fleischer Studios produzieren die humorigen Cartoons wie am Fließband. Die populärsten Serien, die damals entstanden, wurden später ans Fernsehen verkauft und laufen bis heute im Kinderprogramm vieler Sender. Den Witz mit dem schwarzen Gesicht sieht man bei "Betty Boop" und Co. allerdings nicht mehr. Er wurde aus den Cartoons getilgt - und er ist bei Weitem nicht der einzige.
Noch bis in die späten vierziger Jahre waren Pointen auf Kosten von Afroamerikanern gang und gäbe in Cartoons. Dutzendfach bevölkerten dümmlich-servile Onkel Toms, würfelspiel-, jazz- und allgemein vergnügungssüchtige Harlem-Hipcats in grellen Anzügen und Wilde mit Baströckchen und Appetit auf Menschenfleisch die Trickfilme. Sie pflückten Baumwolle, verputzten haufenweise Wassermelonen, vollführten Stammestänze oder sprangen mit ihrem Riesennasenring Seil. Die meisten dieser Darstellungen wurden nach und nach aus den Filmen geschnitten, viele Cartoons der Goldenen Ära wurden später von den Firmen unauffällig aus dem Verkehr gezogen und gerieten samt ihrer Schwarzen-Witze ganz in Vergessenheit. Nur bei elf Filmen wollte dies einfach nicht gelingen.
"Jeder, auch die Schwarzen, hatte Spaß an den Cartoons"
Die "Censored 11" sind elf berüchtigte Cartoons, die in den dreißiger und vierziger Jahren von den Warner Brothers produziert wurden. Bei ihnen war es mit dem Herausschneiden einzelner Passagen nicht getan. Filme wie die Kannibalenposse "Jungle Jitters" oder "Sunday Go To Meetin' Time", in dem ein fauler Schwarzer lieber Würfel spielt, als zur Kirche zu gehen, zogen ihren Witz allein aus den gängigen Vorurteilen gegenüber Afroamerikanern. 1968 verbannten die damaligen Rechteinhaber Universal die Filme aus Fernsehen, Kinos und Homevideo-Editionen - und schufen damit einen Mythos.
Denn obwohl die zensierten Elf bis heute offiziell im Warner-Brothers-Giftschrank weggesperrt sind, gab es immer wieder Veröffentlichungen auf inoffiziellen Video- und DVD-Anthologien. Und es entspann sich eine Debatte über die Werke: Während Bürgerrechtler sie verteufeln, verteidigten Zensurgegner sie als zeitgeschichtliche Dokumente. Für Zeichentrick-Kenner gehört einer der elf sogar zu den besten Cartoons, die je produziert wurden.
Die Entstehungsgeschichte des Jazz-Märchens "Coal Black And De Sebben Dwarfs" (1943), einer Neuinterpretation von "Schneewittchen und die sieben Zwerge", ist ähnlich widersprüchlich wie sein heutiger Ruf. Die Cartoon-Legende Bob Clampett, der unter anderem Schweinchen Dick erfand und entscheidend an der Entwicklung von Bugs Bunny mitwirkte, war nämlich gar nicht von selbst auf die Idee für den Musikfilm gekommen - es waren Jazz-Gigant Duke Ellington und einige seiner Musiker. Clampett hatte damals viele Freunde in der Jazzszene von Los Angeles und "sie fragten, warum es bei Warner eigentlich keine Cartoons mit schwarzen Charakteren gäbe", erinnerte er sich später. "Ich hatte keine gute Antwort auf die Frage." So dachten sich Musiker und Filmemacher gemeinsam die Schneewittchenparodie aus. Laut Clampett synchronisierten die Jazzer den Film sogar. Doch aufgrund eines Vertrags zwischen Warner und dem Synchronisator Mel Blanc, der damals die meisten der Warner-Trickfilme sprach, musste er trotzdem den Credit für die Stimmen bekommen. "Jeder, auch die Schwarzen, hatte Spaß an den Cartoons, als sie herauskamen", meint Clampett.
Bürgerrechtler gegen Trickfilmer
Nicht ganz. In den vierziger Jahren begannen die schwarzen Bürgerrechtler, sich für die Filme zu interessieren, die zuvor einfach nur als minderwertige Unterhaltungsform galten und deren Geschichten man keine Aufmerksamkeit schenken musste. Die NAACP, die Nationale Gesellschaft zur Förderung farbiger Bürger, eine der einflussreichsten Bürgerrechtsorganisationen der USA, ging auf die Barrikaden als "Coal Black And De Sebben Dwarfs" herauskam. Verhindern konnten sie die Veröffentlichung nicht. Doch ihr Protest gab den Anstoß zu einer grundlegenden Veränderung der Cartoon-Branche.
Der Woody-Woodpecker-Erfinder Walter Lantz etwa erhielt 1942 noch eine Oscar-Nominierung für seinen Musikcartoon "Boogie Woogie Bugle Boy Of Company B". Der Film handelt von einem schwarzen Jazz-Trompeter, der mit seinem Instrument und dem Boogie die Begeisterung in eine schwarze Truppe brachte. Doch drei Jahre später verkündete der Trickfilmmacher auf der Titelseite des "Motion Picture Herald", er werde in seinen Cartoons nur noch Tiere auftreten lassen, weil ihn bei Cartoons mit Menschen "verschiedene Patrioten, Propagandisten, Interessenverbände und Experten für nationale und internationale Beziehungen" mit ihren Ratschlägen und Forderungen zu sehr unter Druck setzen würden.
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