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1947

Überschallautos

Mit 1000 Sachen durch die Mauer


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Thomas Graf via F.C.W. Käsmann
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Haudegen am Steuer: Die Spirit of America mit der Craig Breedlove zwischen 1963 und 1965 fünf Landgeschwindigkeitsrekorde aufstellte, 1996 in Bonneville. Der damals 60-Jährige stieg als rüstiger Haudegen noch einmal selbst in die Pilotenkanzel seines umgebauten Kampfjets.

Tollkühne Männer in rasenden Kisten: Seit der Mensch im Flug Mach 1 erreichte, versuchen Geschwindigkeitsberauschte auch auf der Erde die Schallgrenze zu durchbrechen. Nicht mit gewöhnlichen Autos, natürlich. Am Start sind bemannte Raketen und Düsenfahrzeuge. Und der Tod fährt immer mit. Von Christopher J. Peter


In einem Abwurfschacht eines B-29 Bombers wartet Chuck Yeager - in einem knallig orangefarbenen Geschoss mit Stummelflügeln. Angespannt lauscht der gerade 24-jährige Testpilot der U.S. Air Force auf das Kommando. In sechs Kilometern Höhe wird im Cockpit ein Schalter umgelegt, das grelle Projektil wird abgeworfen - an Bord: Yeager. Einige Sekunden freier Fall, die Sonne blendet. Dann startet der Pilot das Triebwerk. Die Raketen zünden und beschleunigen die Bell X-1 mit drei Tonnen Schub in den strahlendblauen Himmel Kaliforniens. Doch plötzlich versagt das Höhenruder, immer mehr Druck baut sich vor der Nase des bemannten Projektils auf. Stoßwellen schütteln den Piloten durch, sein Helm wird von den gewaltigen Kräften an die Kabinenwand gepresst. Dann der erlösende Knall - mit 1078 Kilometern in der Stunde durchbricht Chuck Yeager 1947 als erster Mensch die Schallmauer.

Das Donnern, das an diesem Tag für einen Moment den Himmel über Kalifornien erfüllte, läutete ein neues Zeitalter ein. Mit Yeagers tollkühnem Rekord begann das Abenteuer Überschall. Und schon wartete ein neuer Traum auf die Ingenieure. Der war noch gewagter und irrsinniger: das Durchbrechen der Schallmauer zu Lande. Schon wer ihr in der Luft zu nahe kam, wusste von einem Höllenritt zu berichten. Die Steuerung versagte, Metall verformte sich, der Pilot wurde an den Rand der Bewusstlosigkeit geschüttelt.

Skeptiker fragten nicht ganz zu unrecht: Kann man überhaupt Mach 1, also die Schallgeschwindigkeit am Boden erreichen, ohne dass es das Fahrzeug zerreißt oder es in Flammen aufgeht? Durch die große Reibung bei so hohen Geschwindigkeiten herrschte ständige Brandgefahr an Bord der mit hochexplosivem Treibstoff betankten Maschinen. Jeder Fahrfehler, die kleinste Bodenwelle konnte die blitzschnellen Gefährte abheben und zerschellen lassen. Zudem mussten für den Rekord an Land - wegen der Abhängigkeit der Schallgeschwindigkeit von der Umgebungstemperatur - rund 150 Stundenkilometer mehr auf dem Tachometer stehen.


Videos zum Thema

Rekordjagd in Sechzigern: Durch die Wüste Richtung Schallgrenze
Mit gestutzten Flügeln: Ein Kampfjet auf Rädern

Mensch und Maschine an ihren Grenzen

Trotzdem fanden sich immer wieder Männer in selbst zusammengezimmerten Kisten, die auf der Suche nach Ruhm und Unsterblichkeit Mensch und Maschine an ihre Grenzen trieben. Zuerst kamen noch herkömmliche Kolbenmotoren zum Einsatz. Schon im September 1947, nur wenige Wochen vor dem Mach-1-Rekord in der Luft, erreichte der Engländer Sir John Cobb in der Salzwüste des amerikanischen Bundesstaates Utah die unglaubliche Geschwindigkeit von 634,3 Kilometern in der Stunde - noch nicht genug für den Geschwindigkeits-Junkie. Cobb sattelte auf Flugzeugdüsen um und zerschellte fünf Jahre später bei einem Weltrekordversuch zu Wasser auf dem Loch Ness in Schottland. Dieser tragische Unfall markierte fürs Erste das Ende der Rekordjagd.

Erst ab 1960 gab es neue Anläufe zu Rekordversuchen. Die Tests standen im Zeichen des Kalten Krieges. Auch die Sowjets werkelten an Rekordfahrzeugen herum. Immer wieder gab es Gerüchte über neue Höchstgeschwindigkeiten hinter dem Eisernen Vorhang.

In der Zeit nach dem Sputnik-Schock und vor der amerikanischen Mondlandung saß die Angst technischer Unterlegenheit tief bei den Amerikanern. Einen wirklichen Grund dafür gab es nicht. Zwar war der allererste Düsenwagen der Welt russisch. Der GAS-Torpedo konnte aber nicht überzeugen. Bei Tempo 300 platzten die Reifen, das Geschoss überschlug sich und der Fahrer wurde schwer verletzt. Nach diesem Misserfolg wurden die Konstrukteure des Raketenautos strafversetzt.

Jets auf Rädern

Doch der Wettstreit um das schnellste Gefährt ging weiter - jetzt zwischen Engländern und Amerikanern. Jährlich zündeten neue Superrenner auf dem Rekord-Strip, der Salzwüste in Utah, ihre Triebwerke. Mit immer neuen Wagen und Fahrern purzelten die Rekorde. In nur drei Jahren verbesserten allein US-Fahrer die Bestmarken über acht Mal. Vorne mit dabei: Craig Breedlove mit seiner Spirit of America, einem Gefährt, dass eher einem Düsenjäger als einem Rennwagen ähnelte. 1963 war er der erste Mensch, der die 400-Meilen-Grenze (655 km/h) durchbrach.

Folgerichtig startete Breedlove ein Jahr später in einem umgebauten Starfighter. Er riss die 500-Meilen-Grenze (847 km/h) und seinen Bremsfallschirm gleich mit. Mit halber Schallgeschwindigkeit schlitterte er kilometerweit durchs salzige Gelände, kappte mit einem Radausleger einen Telegrafenmast, jagte eine steile Böschung hoch und flog schließlich in hohem Bogen in einen Salzsee. Breedlove hatte Glück. Er konnte sich aus dem sinkenden Fahrzeug befreien und schwamm an Land. Vollkommen unverletzt aber geschockt vom Adrenalin rief er hysterisch lachend seinen Rettern zu: "Als nächsten Trick stecke ich mich in Brand." 1965 kratzte Breedlove dann mit 967 Stundenkilometer tatsächlich an der Schallmauer und ging als fünffacher Weltrekordler in die Annalen der Rennfahrt ein.

Erst der Schotte Richard Noble sollte die Legende fast zehn Jahre später erneut herausfordern. Mit 28 Jahren gab der Marketing-Manager seinen Job auf, schnorrte sich Autoteile zusammen und zimmerte in einem Hinterhof die Thrust 1 zusammen - ein eher wackeliges Mobil. Beim Rekordversuch 1974 kollabierte der Wagen schon bei Tempo 230 und überschlug sich dreifach. Zumindest sorgte der Auto-Freak mit seiner halsbrecherischen Aktion für genug Aufsehen, um Finanziers für eine neue Konstruktion zu finden. Mit einem vierköpfigen Team entwickelte er den Thrust 2. Mit ihm konnte er den Rekord zwar auf Tempo 1019 steigern - aber die Schallmauer hielt.

Rolls-Royce-Triebwerke mit 100.000 Pferdestärken

Doch wer einen Marketing-Job an den Nagel hängt, um Rennen in fragwürdigen Hochgeschwindigkeitsprojektilen zu fahren, der gibt nicht so schnell auf. Obwohl er seiner Frau geschworen hatte, nie wieder in ein solches Todesvehikel zu steigen, machte er weiter. Schließlich hatte er ja nicht versprochen, keins zu bauen. Ab 1992 tüftelte er an dem neuen Gefährt herum, dem futuristisch anmutenden Thrust SSC (für Supersonic Car - Überschallfahrzeug). Fünf Jahre rannte der Mann mit dem exzentrischen Hobby für dieses Projekt Sponsoren hinterher - mit Erfolg. Bei über 230 Firmen sammelte er Millionen ein.

1997 war es dann so weit. Zehn Tonnen schwer, dreieinhalb Meter breit und sechzehn Meter lang war sein Geschwindigkeitskoloss. Seitlich ragten zwei riesige Rolls-Royce-Flugzeugtriebwerke hervor, die das Gefährt wie ein fahrendes Fernglas aussehen ließen. Schon vor dem Start brüllten die Maschinen ihre Kraft von 100.000 Pferdestärken mit 170 Dezibel in die Salzwüste hinaus. Damit ihre Trommelfelle nicht platzten, trugen die Anwesenden Ohrenschützer.

Als Fahrer fungierte Andy Green. Ein 35-Jähriger Junggeselle und Tornado-Pilot. Ausgewählt wurde er aus 30 Kandidaten. Die projekteigene Zeitung "Mach 1 News" berichtete augenzwinkernd: Die Fahrer wären streng auf Ihre geistige Gesundheit hin untersucht worden - und derjenige, der am schlechtesten abgeschnitten habe, hat den Job gekriegt.

Wie eine Mondrakete

Doch es gab einen Kontrahenten. Die mittlerweile 60-jährige Rennfahrerlegende Craig Breedlove hatte sich aufgemacht, es den Jungspunden aus dem Königreich zu zeigen. Der in die Jahre gekommene Haudegen stieg sogar noch einmal selber ins Cockpit. Auch wenn sein letzter Weltrekord 22 Jahre zurücklag, der Adrenalin-Afficionado konnte es nicht lassen. Seine aufgemotzte Version der "Spirit of America" raste wie eine in der horizontalen gestartete Mondrakete durch die Salzwüste. Das Gefährt wog 4,5 Tonnen und verfügte dank des einstrahligen Düsenmotors eines Phantom-Jagdbombers über rund 48.000 PS.

Zunächst sah alles gut aus, doch bei Tempo 1090 geriet Breedlove mit seiner "Spirit of America" ins Taumeln und legte mit dem Pfeilgefährt den bisher schnellsten U-Turn der Weltgeschichte hin. Kaltblütig stabilisierte er das dahinrasende Geschoss und überlebte. Nur ein Knochen im rechten Schultergelenk splitterte ab und wurde später operativ entfernt. Das hielt Breedlove nicht davon ab weiterzumachen. Um alles in der Welt wollte er die Schallmauer durchbrechen. Bei einem weiteren Versuch flog ihm sein Triebwerk um die Ohren. Sein Team hatte eine lose Schraube übersehen. Breedlove blieb unversehrt.

Die britischen Ingenieure der Thrust SSC waren bei ihrem Rekordversuch am 25. September 1997 auf alle Eventualitäten vorbereitet. Geschmiedete Aluminiumreifen mit Spurrillen sorgten für den nötigen Halt auf dem steinharten Boden. Falls das Fahrzeug abheben sollte, würden automatisch Raketen zünden, die die Reifen wieder in das Salz der Wüste zurückdrücken. Seine 100.000 PS sollten den Wagen in wenigen Sekunden auf 1200 Kilometer in der Stunde beschleunigen, selbst einer der beiden röhrenden Rotoren hätte rein rechnerisch genug Schub für diese Geschwindigkeit erzeugt.

Andy Green nahm seinen Pilotensitz im Cockpit des Jets auf Rädern ein, fixierte sich mit einem Sechspunktgurt. Die Sonne glänzte auf der weißen Fläche der Salzwüste. Dann zündeten die Triebwerke, die Thrust SSC rauschte los. Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall. Mit 1227,9 Stundenkilometern durchbrach erstmals ein Mensch am Boden die Schallmauer. Bis heute ist dieser Rekord ungebrochen.

Nur einer konnte sich mit diesem Erfolg nicht abfinden: Craig Breedlove werkelt noch heute, um einen neuen Rekord aufzustellen. Mit einer neuen Spirit of America will er schon bald seinen Rekord zurückerobern. Nur fahren soll dieses Mal ein etwas Jüngerer.



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insgesamt 4 Beiträge zur Debatte
Heino Klingenfuß am 12. Juni 2008, 20:32
Christopher J. Peter hat eigentlich nur den Bericht in N24 nacherzählt. Den habe ich auch schon zweimal gesehen. Dann hat er das noch mit dem "einen ohrenbetäubenden...

Peter Eckes am 12. Juni 2008, 18:52
Dieser Artikel ist ja wohl ein Witz. Wenn alles hier so recherchiert wird muß ich meine lesetätigkeit nochmal überdenken. Lieber Herr Peter ich hoffe sie lesen das...


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