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Ansammlung von Gehöften: Zwischen dem 9. April 2007 und dem 30. November 2010 haben die sechs Aufklärungstornados der Bundeswehr insgesamt rund 50.000 Luftbilder in Afghanistan gemacht. Die Tornados gehörten zum einzigen deutschen Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" in der Krisenregion. Jetzt werden erstmals 58 der Schwarzweiß-Bilder in der Ausstellung "Adlerauge über Afghanistan" im Stadtmuseum Schleswig gezeigt.
Mehr Informationen dazu unter www.stadtmuseum-schleswig.de. |
Bombenkrater, Staudämme, verlassene Straßen, einsame Gehöfte: Die sechs "Tornado"-Flieger der Luftwaffe haben in zweieinhalb Jahren rund 50.000 Aufklärungsbilder von Afghanistan aufgenommen. Ein Museum zeigt nun 58 der gestochen scharfen Fotos - für die Bundeswehr ist das auch ein wenig Werbung für den Krieg. Von Christoph Scheuermann
Adleraugen über Afghanistan", das ist der Titel der Ausstellung. Oberfeldwebel Noormann trägt Brille und einen Kinnbart und erinnert damit erst mal weniger an einen Adler. Martin Noormann, 27 Jahre alt, "der Friese" für seine Kameraden, durchsucht als Luftbildauswerter der Bundeswehr den Hindukusch nach verdächtigen Dingen. Es ist ein Guck-Job. Einer, bei dem man auch im Dunkeln Sachen erkennen muss. Man braucht viel Ruhe und Geduld.
Privat sitzt Noormann gern vor Google Earth. Sein Blick auf die Dinge ist der eines wachsamen, tendenziell aber vorsichtigen Vogels. Eines Uhus vielleicht. Er bleibt im Stadtmuseum Schleswig, eine halbe Autostunde nordwestlich von Kiel, vor einer Luftaufnahme stehen. Auf dem Foto bohrt sich ein Bombenkrater in den Boden, und darunter klebt ein Zettel: "21.04.2008, Kandahar".
Noormanns Vorgesetzte waren in der Öffentlichkeit bislang zurückhaltend mit solchen Luftaufnahmen. Ähnliche Bilder hatten es zu einiger Berühmtheit gebracht, nachdem ein Bundeswehr-Oberst einen Bombenangriff auf zwei Tanklaster bei Kunduz befohlen hatte, bei dem vor allem Zivilisten ihr Leben verloren hatten. Das war im September 2009.
Seitdem ist einiges passiert. Es gab zwei neue Verteidigungsminister. Die Wehrpflicht wurde so gut wie abgeschafft. Die Bundeswehr sucht Nachwuchs, sie braucht das öffentliche Interesse, jedenfalls das wohlwollende, im Moment so dringend wie noch nie. Auch dem Stadtmuseum war es wichtig, die Bilder aus Afghanistan rasch aufzuhängen. Der Museumsleiter sagt: "Es ging darum, schnell zu sein, bevor das Thema wieder aus den Schlagzeilen ist." Er wirkt beinahe froh, dass der Krieg noch nicht vorbei ist.
58 Aufnahmen darf das Museum zeigen, und über eines der Bilder schiebt sich nun ein Finger. Er gehört Oberfeldwebel Noormann, der auf einen schwarzen, fusselgroßen Fleck in der Bildmitte hinweist: "Ein typisches Fahrzeug der afghanischen Polizei." Noormann strahlt. Sein Chef hatte zuvor von der "Schönheit der afghanischen Landschaft" geschwärmt und erzählt, dass auch Fotografien aus der Luft kleine Kunstwerke seien. Man habe fast 50.000 Bilder aufgenommen.
Ein Teil des Aufklärungsgeschwaders "Immelmann" ist in Ausgehuniform angetreten und hält Orangensaftgläser in den Händen. Die Stimmung ist fast heiter. Anders als sonst schwappt die Begeisterung an diesem Abend nicht den "Tornado"-Piloten entgegen, den Adlern, die die Bilder aus dem Himmel holen. Diese Ausstellung gehört nicht den Helden. Sie gehört den Luftbildauswertern. Den Uhus.

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