Über einestages

1950

Historische Parkplatzbilder Galerie der Abgestellten


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Shea Stadium: 1965 gaben die Beatles Baseballarena in Queens, New York, das größte Live-Konzert ihrer Karriere - die Autos mussten draußen bleiben.

Parkplätze sind trist und langweilig? Vielleicht im Hier und Jetzt. Auf historischen Fotos verwandeln sich die Abstellflächen in Sehnsuchtsorte - und Museen für Autombildesign. einestages hat ein paar besonders schöne Exemplare gesammelt. Von Benjamin Maack


Was träumen eigentlich Autos? Das fragt man sich, wenn man den alten Schnappschuss von einem Parkplatz betrachtet. Still stehen sie aufgereiht, praktische Familienkutschen und protzige Statussymbole, an einem sonnigen Nachmittag in Miami Beach, Florida. Ein bunter Teppich aus Blech und Lack, in dessen Rundungen sich der Himmel bricht.

Seinen Wagen zu parken, gehört zu den Nebensächlichkeiten des Lebens. Einen Parkplatz suchen - kann nerven. In eine enge Lücke hineinzumanövrieren - mitunter frustrierend. Aber ist die Autotür erst mal zugeknallt, der Wagen abgeschlossen, ist das alles nicht mehr wichtig. Man geht in den Supermarkt, zu einem Fußballspiel oder an den Strand. Und auf dem Parkplatz schläft der PKW, ein Auto unter vielen, verlassen und vergessen.

Parkplätze sind Unorte, Deponien für einen Gebrauchsgegenstand, den wir gerade nicht brauchen - bis jemand kommt und auf den Auslöser seines Fotoapparats drückt. Dann werden sie zu Skulpturenparks des Industriezeitalters.

Kokett und geheimnisvoll wie Hollywood-Diven

Schaut man sich alte Bilder von Parkplätzen an, faszinieren die Reihen der Autos mit ihren Formen aus einer anderen Zeit. Längst vergessene Modelle stehen neben heißbegehrten Klassikern der Automobilgeschichte. Und manche Fotos sind spektakulär unspektakulär. Etwa Bild eines staubigen Parkplatzes irgendwo im Spanien der siebziger Jahre. Wie auf Verabredung haben sich dort etliche französische Fahrzeuge versammelt und sehen aus wie Veteranen des Alltags.

Oder einige hundert Kilometer nördlich und zwei Jahrzehnte früher, auf einem Platz neben dem Hamburger Hauptbahnhof, genau dort, wo heute der größte Elektromarkt Europas steht, parken die pragmatisch geschnittenen deutschen Wagen. Diese oft grauen, beigefarbenen oder schwarzen Fabrikate des Wirtschaftswunders, die brav in Reihe geparkt ein wenig aussehen, als könnte man mit ihnen nur zur Arbeit fahren.

Hartgesottenen Autofans wird auch dieses Museum historischer Vernunftlimousinen Freude bereiten. Alle anderen werden verstehen, warum ausgerechnet in den USA das Parkplatzfoto zu einem beliebten Motiv für Postkarten avanciert ist. Die amerikanischen PS-Leviathane mit ihren üppigen Rundungen, ausladenden Heckflossen, endlosen Flanken, raumgreifenden Motorhauben lösen einfach eine besondere Sehnsucht aus. Vor Motels baden sie im Zwielicht von Neonreklamen, an Stränden lassen sie ihre Bonbonfarben strahlen, und manchmal ruhen sie zu Hunderten vor einem Baseballstadion - schön, kokett und geheimnisvoll wie Hollywood-Diven.

Doch ob in Spanien, Deutschland oder den USA - alle Parkplatzbilder mit ihren schlummernden Motorkutschen teilen eines: Sie wecken den leisen Wunsch, in einen der Wagen einzusteigen, das Aroma vom sonnenwarmen Leder der Sitzbezüge zu inhalieren, den alten Motor aufheulen zu lassen. Und dann rollt man vom Parkplatz. Ganz ohne Servolenkung, ESP und Airbag. Lenkt um die nächste Straßenecke und erkundet diese ferne Welt - durch die Windschutzscheibe eines Traumwagens aus einer anderen Zeit.


Debatte

insgesamt 4 Beiträge zur Debatte
Sabine Klees am 29. März 2011, 09:12
Dazu gibt es ein wirklich schönes Buch im Jonas Verlag:
http://www.jonas-verlag.de/shop-frame.htm
Parkhäuser -- Architekturgeschichte einer ungeliebten Notwendigkeit /...

Thomas Fischbach am 25. März 2011, 19:12
Die Brooklyn Dodgers und die New York Giants haben nie im Shea Stadium gespielt. Als letzteres fertiggestellt wurde (1964), waren die beiden Teams schon nach Los Angeles bzw. San...


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