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Eine neue Zeitrechnung: Am 16. Juli 1945 um 05:29:45 Uhr (lokaler Zeit) begann auf dem Raketentestgelände White Sands im "Jornada-del-Muerto"-Tal in New Mexico das atomare Zeitalter - die erste Atombombe, "The Gadget" genannt, wurde gezündet. Eine ähnliche Bombe explodierte einige Wochen später über Nagasaki.
Zuvor äußerten zwar einige der Beteiligten die Befürchtung, die Explosion könnte die Erdatmosphäre entflammen und alles Leben auf dem Planeten vernichten, oder zumindest New Mexico vollständig einäschern. Trotz dieser Bedenken wurde der Test schließlich durchgeführt. "The Gadget" wurde dafür auf einem etwa 30 Meter hohen Turm platziert, von dem nach dem Test nichts mehr übrig blieb. Die Sprengkraft der Detonation entsprach einer Explosion von 18 Kilotonnen TNT und hinterließ einen drei Meter tiefen, 330 Meter breiten Bombenkrater. In einem Umkreis von 1,5 Kilometern war die Gegend vollständig verwüstet, während 730 Meter um das Zentrum der Explosion herum der Sand zu grünem radioaktivem Glas geschmolzen war, der auch als Trinitit bezeichnet wird. Während der Explosion entstanden ein zwölf Kilometer hoher Atompilz und eine Druckwelle, die noch in 160 Kilometer Entfernung zu spüren war. Der gewaltige Knall war noch 320 Kilometer weit weg zu hören. Der … |
Kinder werden missgebildet geboren, an Landwirtschaft ist nicht zu denken: Nicht nur rund um Tschernobyl und Fukushima sind ganze Regionen unbewohnbar geworden - Nuklearunfälle und Atomtests haben auf fast allen Kontinenten tödliche Spuren hinterlassen. Ein Blick auf die Strahlenwüsten dieser Welt. Von Michail Hengstenberg, Gesche Sager und Philine Gebhardt
Es ist Mittwoch, der 28. März 1979, und im Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania beginnt der Alptraum der Atomphysik. Um vier Uhr früh bemerken Mitarbeiter in der Schaltzentrale den Ausfall einer Pumpe im Kühlkreislauf des Reaktors. Der schaltet sich zwar, wie vorgesehen, automatisch ab - aber die Nachzerfallswärme treibt den Druck im Kühlkreislauf in die Höhe.
Ein Sicherheitsventil öffnet, der Druck entweicht; das heiße Wasser schießt heraus. Dann bleibt das Ventil einfach offen stehen. Pro Minute rauscht nun eine Tonne Kühlwasser aus dem Reaktor, ohne dass die Schichtleiter es bemerken - die Anzeige auf der Schalttafel zeigt fälschlicherweise an, dass das System übervoll mit Kühlungsmittel sei.
Gegen sechs Uhr ist der obere Teil des Reaktorkerns statt von Kühlwasser nur noch von Dampf umgeben. Die gigantische Hitze kann nicht entweichen. Die Brennstäbe beginnen, sich zu zersetzen - die Kernschmelze setzt ein. Endlich bemerkt ein Techniker das offene Sicherheitsventil im Kühlkreislauf. Gerade noch rechtzeitig schließt er ein Notventil und verhindert so den Super-GAU.
Minimale Konstruktionsfehler, Personal, das nicht optimal auf den Störfall reagierte: Es waren im Prinzip Lappalien, die vor mehr als 30 Jahren zur Katastrophe in Harrisburg führten. Die Wirkung war verheerend: Während des Störfalls war sowohl radioaktives Gas in die Atmosphäre - als auch verseuchtes Kühlwasser in den nahegelegenen Fluss gelangt. Steigende Krebsraten in der Bevölkerung waren die Folge. Außerdem waren weite Teile des Reaktors und des Kraftwerksgeländes verseucht. 14 Jahre dauerte der Rückbau in Harrisburg, bei dem vor allem mehr als 8 Millionen Liter verseuchtes Trinkwasser dekontaminiert werden mussten. Umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro verschlang das alles. Bis heute strahlt der Rest der Reaktorruine weiter.
Nun, da die Welt mit dem GAU von Fukushima eine weitere nukleare Katastrophe erfährt, erlebt die Debatte um die Sicherheit von Atomkraft eine neue Blüte. Und spätestens, seitdem das hochgiftige Plutonium aus einem der zerstörten Meiler entwich und das Gelände von Fukushima auf Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte verseucht ist, rückt plötzlich die Unverhältnismäßigkeit von Risiko und Ertrag dieser ehemaligen Wundertechnik ins Blickfeld: Wie kann überhaupt etwas als beherrschbar gelten, was doch so schnell zu einer Apokalypse mutieren kann, die ganze Landstriche für Generationen von Menschen unbewohnbar macht?
Dabei hätte doch ein Blick zurück schon gereicht. Nach Harrisburg. Oder auch nach Tschernobyl. Oder nach Mururoa. Überall dorthin eben, wo die Kraft des Atoms, ob mit Absicht oder nicht, ihre Fesseln gesprengt hat. Überall dorthin, wo die Kernenergie die Welt unbewohnbar gemacht hat für den Menschen. Mit Fukushima gibt es nun ein neues atomares Niemandsland - dabei ist die Welt schon voll mit Gegenden verbrannter Erde, deren Anblick jedem sofort klarmachen, wie hoch der Preis ist.
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