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Verhaftung politischer Gegner: SA-Männer verhaften im März 1933 Kommunisten in Berlin. Es ist gut möglich, dass diese Gefangenen später in dem unterirdischen Foltergefängnis der SA gelandet sind. Ziel dieser Aktionen war es, den Widerstand zu brechen.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 102-02920A |
In der Gewalt von Sadisten: 1933 richtete Hitlers SA in Berlin Tempelhof ein Gefängnis ein, um politische Gegner zu brechen. In den Kellern einer Kaserne wurden Andersdenkende mit grausamen Methoden gequält, einige starben. Der ehemalige Folterknast soll nun zu einer Gedenkstätte werden. Von Sandra Sperber
Als er in einen Keller voller Blutspritzer getrieben wird, ahnt Georg Doehring erstmals, wie grausam das neue nationalsozialistische Regime seine Gegner behandelt. Er hört Schreie von gefolterten Häftlingen, sieht, wie ein jüdischer Arzt zu Tode geprügelt wird. Doehring, ein Berliner Betriebsrat, wird im März 1933 in ein unterirdisches Gefängnis der SA gesperrt.
Eigentlich ist es eher ein kalter, dunkler Keller unter einer Kaserne, in dem Hitlers brauner Terrortrupp zu Beginn der Nazi-Herrschaft eine Folterkammer eingerichtet hat.
Heute hat ein Förderverein die Räume in Berlin-Tempelhof wieder zugänglich gemacht. Sie zählen zu den wenigen Orten, die den frühen NS-Terror in der Hauptstadt dokumentieren. Keine vergitterten Zellen, sondern kahle Kellerräume - wie ein typisches Gefängnis sehen die unterirdischen Gänge nicht aus. Doch eine Reihe alter Waschbecken lässt erahnen, wie die SA-Männer ihre Opfer quälten. Ehemalige Insassen berichten von Methoden, die heute als "Waterboarding" gelten würden. Dabei versetzten die Wärter Gefangene in Todesangst, indem sie ihren Kopf für eine gefühlte Ewigkeit unter Wasser tauchen.
Georg Doehring beschreibt die SA-Leute als "entmenschte Mörderbande". Sie hatten ihn gemeinsam mit zehn weiteren Betriebsräten in seiner Firma überfallen. "Mit gezogenen Pistolen wurde uns das Verlassen des Raumes verboten, mit erhobenen Händen mussten wir uns an die Wand stellen", erinnerte er sich 20 Jahre später in einem Bericht. "Sodann wurden wir mit Gummiknüppeln die Treppen heruntergetrieben und auf einen bereitstehenden Lastwagen verladen."
"Hose runter, Schwanz raus!"
Die einen Tag nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 erlassene Verordnung "Zum Schutz von Volk und Staat" gab solchen Aktionen den Anschein von Legalität. Sie setzte die Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft, politische Gefangene konnten ohne gerichtliche Prüfung und auf unbestimmte Zeit festgehalten werden. Einer von ihnen: der Betriebsrat Georg Doehring. Schon zuvor hatte das neue Regime Zehntausende SA-Männer in den Rang von Hilfspolizisten erhoben. Nun nehmen sie innerhalb weniger Monate mehr als hunderttausend Menschen fest, sperren sie in Kasernen, verlassene Fabrikgebäude, Kellerräume. Die ersten Konzentrationslager entstehen.
In den Zellen des SA-Gefängnisses in Berlin-Tempelhof sind zu der Zeit durchschnittlich 200 Menschen gleichzeitig eingepfercht und werden gefoltert. Es sind Oppositionelle, Juden, Ärzte, auch ein Hellseher ist unter ihnen. Einige sind hier gelandet, weil ein Nachbar sie angeschwärzt hat; andere standen schon lange auf den Listen der Nazis. Manche bleiben nur ein paar Tage, andere werden Monate gequält. Für mindestens 30 Gefangene endet die Inhaftierung tödlich.
Gerhard Gosser hat das Kellergefängnis überlebt. Seine Tochter berichtet heute Besuchern, wie ihr Vater mit anderen Männern in einen Raum mit einer dampfenden Flüssigkeit geführt wurde. "Hose runter, Schwanz raus!", schrie dann einer der Wärter. Sie injizierten den Häftlingen Säure in die Harnröhre. Mindestens einer der Gefolterten starb an den Folgen, Gerhard Gosser hatte ein Leben lang gesundheitliche Probleme.
"Man wollte den Widerstand kleinkriegen"
Die Folter sollte Geständnisse erzwingen und hatte noch ein zweites Ziel, meint der Historiker Matthias Heisig. Ganz bewusst sollten Freigelassene den Schrecken des Folterkellers nach draußen tragen. "Man wollte den Widerstand kleinkriegen. Dementsprechend waren Meldungen erwünscht, dass es hier ganz schlimm war."
Auch wenn der Kasernenkeller nicht offiziell als Gefängnis bekannt war, haben zumindest einige Anwohner davon gewusst. So sollen Nachbarn sich über den Lärm beschwert haben. Sie hatten offenbar Schreie von Gefolterten gehört - daraufhin wurden auch sie inhaftiert. Bis Dezember 1933 kamen mindestens 2000 Häftlinge in den SA-Knast in Berlin-Tempelhof. Dann verlegte die Einheit ihren Standort in die Nähe des Alexanderplatzes.
Der Folterkeller gerät zunächst in Vergessenheit. Ende der achtziger Jahre beginnen Anwohner, darunter Historiker Heisig, nach dem Standort des SA-Gefängnisses zu suchen. 1992 bekommen sie einen Hinweis von einem Würstchen-Verkäufer aus der Nachbarschaft. Es stellt sich heraus, dass die Zellen ausgerechnet im Keller jenes Hauses liegen, in dem damals auch Heisig selbst wohnt. Kaum etwas erinnert noch an die Gräueltaten, nur einige von Hand eingeritzte Hakenkreuze an den Wänden zeugen von den SA-Schergen.
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