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1940

Schräge Superhelden Die Unterflieger


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Der Toxic Avenger

Nachdem der stets gehänselte Hausmeister Melvin in einem Fass mit Giftmüll landet, verwandelt er sich in diesem Horrorfilm von 1984 in den Toxic Avenger. Er wird der Held seiner Kleinstadt und der Erzfeind eines korrupten Bürgermeisters.

Super, weil …der entstellte Hausmeistermutant in diesem wunderbar trashigen Streifen des Kultfilmstudios Troma Entertainment zum Helden aller Underdogs wurde.

Ging super daneben, weil …das Filmstudio Troma es sich nach dem Überraschungserfolg dieses B-Movies nicht verkneifen konnte, die originelle Grundidee in etlichen uninspirierten Fortsetzungen kommerziell auszuquetschen. Und auch das derzeit für 2013 geplante Remake wird es schwer haben, den unbeholfenen Charme des Originals zu erreichen.

Angriff der Supergurken: 1938 begann Supermans Aufstieg vom Kinderidol zum Popstar. Angelockt vom Erfolg schickten Comic-Zeichner und Filmemacher unzählige eigene Heroen ins Rennen. Viele davon mehr als schräg - und heute längst vergessen. Oder erinnern Sie sich noch an Orgazmo oder das Eichhörnchen-Girl? Von Danny Kringiel


Die Tage der Menschheit sind gezählt: Finstere Außerirdische vom Planeten Dearth wollen die Erde unterjochen. Jeder Widerstand scheint zwecklos: Allein mit Gesten wirbeln die Invasoren Schiffe in die Luft, beschwören Blitze herauf und spülen Menschen mit gigantischen Flutwellen hinweg. Doch die Rettung naht: Quer durch den interdimensionalen Raum, über Lichtjahre hinweg, rast etwas mit unvorstellbarer Geschwindigkeit dem Planeten Dearth entgegen, um sich den Aggressoren in den Weg zu stellen. Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist… Funnyman!

Der alberne Kerl mit Clownsschuhen, Pluderhosen und roter Knollennase zeigt keine Gnade mit den Angreifern aus dem All: Er streckt ihnen die Hand zum Schütteln hin - und setzt sie dann mit einem versteckten Elektroschocker unter Strom. Er steckt ihnen explodierende Scherzzigarren in den Mund. Und ihrem Anführer lässt er einfach an der Blume in seinem Knopfloch schnuppern - die in Wirklichkeit eine getarnte Wasserpistole ist. Nachdem er den Oberbösewicht gründlich durchnässt hat, gibt der auf und bläst den Angriff auf die Erde ab.

Im Januar 1948 trat Funnyman zum ersten Mal an, um als lustigster Superheld der Geschichte die Comic-Welt zu erobern - und irritierte die Leser: Ein Superheld, der im Clownskostüm auf Sprungfedern Verbrechern hinterher hopste und sie mit Wasserbomben ausschaltete? Die Herzen der Leser schlugen für kugelsichere, Eisenbahnschienen mit bloßen Händen verbiegende Muskelprotze wie Superman. Dagegen wirkte Funnyman wie ein schlechter Scherz. Wer dachte sich bloß solchen Unsinn aus?

Die Namen der Funnyman-Erfinder Jerry Siegel und Joe Shuster kannte kaum jemand. Ihre berühmteste Schöpfung hingegen schon: Superman. 1933 hatten sie als Schüler den Superhelden geschaffen, der die Comic-Welt für immer verändern sollte. Für nur 130 Dollar hatten sie fünf Jahre später die Superman-Rechte an den Verlag National Allied Publications verkauft, aus dem später DC Comics hervorging, und mussten anschließend mit ansehen, wie ihre Schöpfung ohne sie Karriere machte.

Ein Clown kämpft gegen das Verbrechen

Der Ausstieg aus dem Großkonzern bedeutete für Siegel und Shuster aber auch neue künstlerische Freiheit. Funnyman erschien bei dem Kleinverlag Magazine Enterprises, der von dem ehemaligen DC-Mitarbeiter Vin Sullivan gegründet worden war. Sullivan hatte die mangelnde Bereitschaft der großen Comic-Verlage, sich auf ungewöhnlichere, riskantere Konzepte einzulassen, satt gehabt.

Siegel und Shuster ließen ihrer Phantasie nun freien Lauf. Entsprechend schrullig wurde ihr neuer Superheld, der ab Januar 1948 mit Frack und falscher Nase gegen das Böse kämpfte: Er war das Gegenteil einer typischen Kämpferfigur. Vorbild des Superhelden-Clowns war der Fernsehkomiker Danny Kaye. Wie Kaye verdiente Funnyman, der eigentlich Larry Davis hieß, sein Geld damit, Witze zu reißen.

Entsprechend überwältigte er ausgebrochene Häftlinge mit einer Spritzpistole, verfolgte flüchtende Diebe auf Rollschuhen und vereitelte Mordversuche, indem er den Attentätern mit einem Magneten in seiner Gürtelschnalle die Waffen entriss. Dabei lehnte er Gewaltanwendung strikt ab: Selbst als ein muskelbepackter Hüne mit einer Axt auf ihn losging, setzte er ihn nur mit Lachgas außer Gefecht.

Superhelden von der Stange

Kommerziell blieb der große Erfolg von Funnyman aus: Nach nur sechs Ausgaben wurde die Serie schon im August 1948 wieder eingestampft. Vielleicht lag es daran, dass die Autoren nach einer Klage von DC nicht mit ihrer früheren Erfolgsidee Superman für den neuen Helden werben durften. Das erste Funnyman-Heft hatten sie noch mit dem Hinweis "von den Schöpfern von Superman" untertitelt, doch ihr ehemaliger Arbeitgeber DC hatte sie vor Gericht gezerrt und erwirkt, dass sie in keiner Form mehr Bezug auf Superman nehmen durften.

Wahrscheinlich lag der Misserfolg von Funnyman aber auch daran, dass der kalauernde Superclown einfach zu exzentrisch für die breite Käufermasse war. Genau dafür schlossen ihn später eingeschworene Fans ins Herz: So schmuggelten 1977 Comic-Autor E. Nelson Bridwell und die Zeichnerin Ramona Fradon, pikanterweise Angestellte von DC, in einen Comic einen Fernsehkomiker namens Larry Davis ein - als nostalgische Verneigung vor Funnyman und seinen Schöpfern. 1990 plante der amerikanische Komiker Richard Belzer gar eine Hollywood-Verfilmung des Comicstrips.

Während Siegel und Shuster mit neuen Ideen experimentierten, brachte der kometenhafte Aufstieg von Superman ganze Armeen neuer Superhelden auf den Plan: Captain Marvel rettete als eine Art Superman in Rotweiß Amerika, Wonder Woman gab das weibliche Pendant dazu, Green Lantern wurde als intergalaktischer Polizist ins Rennen geschickt, Batman als finsterer Rächer und Horden anderer Gesetzeshüter mit übermenschlichen Kräften wie Hawkman, The Flash oder Captain America folgten auf dem Fuß. Superheldengeschichten hatten sich aus der Schmuddelecke der Schundmagazine herausgearbeitet und als profitables Geschäftsfeld erwiesen.

Halb Mensch, halb Flipperautomat

Ironischerweise führte gerade der steigende Konkurrenzdruck unter den Horden der Neubewerber im Superheldengeschäft dazu, dass auch die großen Verlage immer abstrusere Helden auf den Markt warfen - schließlich musste sich jeder Held ja irgendwie von seinen zahlreichen Konkurrenten unterscheiden.

So kam es zu den abwegigsten Figuren - wie dem Teenager Robby Reed, der in der DC-Comicreihe "Dial H For Hero" 1966 als "originellster Charakter der Comic-Geschichte" vorgestellt wurde. Robby fand in einer Höhle eine magische Telefonwählscheibe, mit der er sich in Hunderte bizarre Superhelden verwandeln konnte: Als Howzis verwandelte er sich in einen lebenden Flipperautomaten, als Plastic Man wurde er zu lebendem Kunststoff, als Squid zu einem fliegenden Tintenfisch und als King Kandy jagte er im bonbonbunten Kostüm mit Lakritz-Lasso, Lolli-Bomben und Zuckerstangenkletterhaken nach Bösewichtern. In kurzer Zeit entwickelte sich Robby Reed zum Star der "House of Mystery"-Hefte, in deren Reihe er erschien. Fast zwanzig Jahre, nachdem Jerry Siegel und Joe Shuster 1948 mit ihrem Funnyman gescheitert waren, waren die Leser offenbar aufgeschlossener geworden für ungewöhnliche Superhelden.

Längst ist die Anzahl der Superhelden in Comics und Filmen, Fernsehserien und Videospielen kaum noch zu überblicken. Alleine bei DC Comics feierten seit dem ersten Auftritt von Superman über 700 verschiedene Superhelden ihren Auftritt, und Blockbuster wie "Spider-Man", "Hulk" oder "Iron Man" füllen rund um die Welt die Kinosäle. Der Superheldenmarkt hat sich in so viele Arten von traditionellen, ironischen, gebrochenen Helden aufgefächert, dass auch im Portfolio der großen Verlagshäuser Platz für künstlerische Freiheiten ist, von denen Shuster und Siegel 1948 nur träumen konnten.

Superheld mit Killer-Baguette

So trat im September 1997 bei DC Comics erstmals ein Superheldenteam namens Section 8 auf, das an Exzentrik kaum zu überbieten war: Angeführt von Sixpack, einem ständig betrunkenen Superman-Verschnitt mit Bierbauch, kämpften bei Section 8 die seltsamsten Gestalten: Etwa der in Schwarzenegger-Zitaten redende Defenestrator, der ein Fenster mit sich herumtrug, durch das er Schurken warf. Oder sein Kollege Friendly Fire, der zwar tödliche Energiestrahlen mit den Händen verschießen konnte - damit jedoch ausschließlich Verbündete traf. Ein Franzose namens Jean de Baton-Baton verprügelte Bösewichter mit Baguettebroten und blendete sie mit Zwiebelringen. Und Superheld Dogwelder kämpfte für die gerechte Sache, indem er Ganoven tote Hunde ins Gesicht schweißte.

Alles ist inzwischen möglich in der Superheldenindustrie, keine Idee zu abwegig, keine Superkraft zu schräg. Und so sind über die Jahre im Schatten der großen Helden wie Superman Dutzende von unfassbar exzentrischen Figuren entstanden, die oft nur ein kleines Liebhaberpublikum kennt. einestages präsentiert die seltsamsten, eigenwilligsten und erfolglosesten von ihnen - vom atomar verseuchten Hausmeister bis zum Superhelden mit Toastbrotgesicht.


Debatte

insgesamt 8 Beiträge zur Debatte
Denis Brown am 11. Oktober 2011, 15:59
Hier fehlt mir noch eindeutig Supersonic Man (auch bekannt als Sonicman). Der Film war so grottig und der Superheld ebenfalls. War ne spanisch-italienische Produktion von 1979. Ein...

Peter Brülls am 11. Oktober 2011, 09:27
Noch einen Nachtrag zu Condernab:

http://www.youtube.com/watch?v=9C5-bpnCkDc




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