|
Per BMX in den siebten Himmel
1982 landete "E.T. - Der Außerirdische" in den Kinos. Mit ihm eroberte das kleine bunte Crossrad die Herzen der Jugend. Es ging um einen Jungen, der im Geräteschuppen seiner Eltern einen Außerirdischen entdeckt, ihn bei sich versteckt, das Wesen mit der Lederpelle und den Telleraugen aus den Fängen des Militärs rettet und es schließlich von seiner extraterrestrischen Familie wieder abholen lässt. Aber eigentlich ging es um Freundschaft mit einem echt coolen Wesen mit Ziehharmonikahals und Zauberzeigefinger - vor allem aber: Darum, mit dem BMX abzuheben und durch den Nachthimmel zu radeln. Das rot-weiße Rad von Elliott war übrigens von Kuwahara und eine Sonderanfertigung des japanischen Herstellers für den Film. Das "E.T."-Bike wurde dann auch sofort zum weltweiten Verkaufsschlager. Heute ist die große BMX-Welle der achtziger Jahre abgeebbt, BMX-fahren wieder ein Nischensport und der Film ein Klassiker. Doch in Australien war man von den BMX-Einlagen in "E.T." offenbar so begeistert, dass ein Film das Licht der Welt erblickte, der sich ganz und gar diesem Phänomen verschrieb. Er hieß… |
Skaten wie Michael J. Fox! BMX fahren wie bei Spielberg! Millionen stürmten die Kinos, um Filme wie "Zurück in die Zukunft" oder "E.T." zu sehen und rannten hinaus, um zu sein wie deren Helden. einestages über Kultfilme, die Jugendkulturen prägten - und Machwerke, die auf der Modewelle mitritten. Von Benjamin Maack
Wie kann es passieren, dass auf einmal Jugendliche auf der ganzen Welt in der gleichen Lederjacke herumrennen? Was führt dazu, dass Sportarten, mit denen sich bis dato nur eine Handvoll Unerschrockener auseinandergesetzt haben, plötzlich zum Massenphänomen werden? Oft ist der Grund dafür ein Virus, der sich über die Kinoleinwand überträgt. Die Skateboard-Epidemie etwa, die Mitte der achtziger Jahre unter Teenagern ausbrach, wurde durch "Zurück in die Zukunft" ausgelöst. Patient Null war Michael J. Fox, für den das rollende Brett Fortbewegungsmittel der Wahl war.
So ähnlich war es auch in den fünfziger Jahren mit "The Wild One". Das Fortbewegungsmittel war da allerdings ein Motorrad. Genauer gesagt: ein 1950er Triumph Thunderbird 6T. Die Lederjacke war eine Perfecto 613 One Star von Schott. Die Koteletten: lang. Das Gebaren: rebellisch. So trat Marlon Brando 1953 in dem Film als Anführer einer Bikergang auf. Mit seiner Aura des charismatischen Rebellen machte er den Film zu einem 79-minütigen Werbespot für Motorräder, Lederjacken - und eine neue Jugendkultur.
In der schwarzweißen Welt der fünfziger Jahre - Kommunismus böse, Amerika gut - suchten Halbstarke händeringend nach einer Blaupause für eine Rebellion gegen die Elterngeneration. In Brando, seiner Gang, dem Black Rebels Motorcycle Club und ihren Insignien wurden sie fündig. Die Verkäufe von Triumph-Motorrädern und Lederjacken der Marke Schott schossen nach der Veröffentlichung des Films durch die Decke.
Der Firma Triumph war das ganz und gar nicht recht. Das britische Traditionsunternehmen distanzierte sich von dem Film, in dem die Biker eine Kleinstadt terrorisierten, und konnte den Hype doch nicht aufhalten. Auch der Lederjackenhersteller Schott verbuchte Rekordumsätze in den USA, die allerdings kurz darauf massiv einbrachen - als Schulen im ganzen Land ihren Schülern untersagten, das Rebellen-Outfit weiterhin zu tragen. Die Kluft wurde als Symbol einer aufkeimenden Generation von Vandalen gewertet.
Aus den Kinos in die Kultur
Erst als 1955 James Dean starb, fand die Perfecto von Schott wieder reißenden Absatz. Denn auch der Schauspieler aus "…denn sie wissen nicht, was sie tun" wurde selten ohne diese Jacke gesehen - seit sein Idol Brando sie in "The Wild One" getragen hatte. Elvis Presley besorgte sich, nachdem er den Film gesehen hatte, nicht nur das Statement in schwarzem Leder, er ließ sich erst danach seine berühmten Koteletten stehen. Die Rolle Brandos war zudem Presleys Vorbild für seinen Auftritt in seinem Film "Jailhouse Rock".
So wurde "The Wild One" der Funke, der im Mainstream der Fünfziger-Jahre-Jugend Rock'n'Roll und Rebellion entflammte.
Seit Brandos Auftritt als der Wilde gab es immer wieder Filme, die zu Botschaftern von Trends und Jugendbewegungen wurden. Als 1982 Elliott in "E.T. - Der Außerirdische" plötzlich mit seinem Fahrrad abhob und durch den Nachthimmel und am Mond vorbeiradelte, war das einer der magischsten Momente der Kinogeschichte und machte das BMX-Rad für Millionen Kids zur Traummaschine. Als 1983 der Film "Wild Style" die rasant wachsende HipHop-Kultur in New York dokumentierte, inspirierte er Jugendliche zum sprühen, rappen und breakdancen.
Das Geheimnis von Filmen wie "E.T." und "Wild Style": Sie gaben dem jungen Publikum nicht nur Helden, die sie passiv in den Kinosesseln bestaunen sollten, sondern auch Rezepte, wie sie einen Hauch des Zaubers, eine Spur der Coolness von der Leinwand in ihren Alltag retten konnten. Der Film hatte dabei einen entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen Medien: Er konnte alles zeigen, was eine Jugendkultur ausmachte - die Klamotten, die Sprache, die Haltung, die Gesten.
In den vergangenen Jahrzehnten wurden etliche Trends geboren und begraben, fast vergessen und wiederbelebt. Bei weitem nicht alle Filme, die sich mit diesen Jugendphänomenen auseinandersetzten, wurden zu Erfolgen. So mancher Streifen verhedderte sich hoffnungslos in den Codes der Kulturen und vergaß dabei, eine Geschichte zu erzählen. Andere Filme waren ganz offensichtlich nur dem nachlässigen Versuch geschuldet, auf einer Modewelle mitzureiten und mit einem halbherzigen Film Geld zu scheffeln. Doch immer wieder gab es Werke, die zu zeitlosen Botschaftern einer Jugendkultur wurden, ihre Codes in die ganze Welt sandten - und bis heute unvergessen sind.
einestages zeigt Kultfilme, die ganze Generationen inspirierten - und Machwerke, die vergeblich versuchten, Trends abzuschöpften.
Vor 40 Jahren überrollte eine Sexfilmwelle die...
Den Oscar mit zehn, Kokain mit 15: Den Sprung vom süßen...
Warum brennt im Film bei Flugzeugen immer das linke...