| Nachbarshilfe: Ein dunkelhaariger Mann steht 1993 gerade in seiner Küche, als es an der Tür klingelt. Seine hübsche, blonde Nachbarin ist gekommen, um sich zu beschweren: "Herr..." "...Angelo", ergänzt er, sichtlich entzückt von dem Besuch. Sie fährt unbeirrt fort: "Ich glaube, ihr Auto steht auf meinem Parkplatz!" Auf Italienisch bittet er sie, sich erst einmal zu setzen - und kühlt ihr Gemüt mit einem heißen... |
Sie machte müde Männer munter, Kinder froh und wusste, was Frauen wünschen: Fernsehwerbung. 1956 lief der erste Spot im deutschen TV. Damals ahnte keiner, wie sehr die Verführer uns prägen würden - und unsere Kindheitserinnerungen. einestages zeigt die Verkaufsschlager aus 55 Jahren Werbepause. Von Danny Kringiel und Christian Gödecke
Werbung ist gemein. Denn was ist fair daran, wenn sie so kumpelhaft und sympathisch rüberkommt mit all ihren berühmten, ehrlichen, perfekten Werbefiguren? Und mit all dieser Ranschmeißerei doch nur eins erreichen will: dass wir unser Geld ausgeben?
Werbung ist nie ehrlich. Werbung schwankt immer zwischen halben Wahrheiten, Unwahrheiten und dreistem Schwindel. Schließlich kürt die Verbraucherorganisation Foodwatch jedes Jahr die dreistesten Werbelügen. "Gesunde Durstlöscher", "sportlich-leichte Zwischenmahlzeiten", "ideale Begleiter für Schule und Freizeit". So was.
In dem Werbespot für Milchschnitte schlägt Box-Weltmeisterin Susi Kentikian ganz am Anfang noch auf einen Sandsack, aber schon in der nächsten Sekunde - bamm - hat sie es mit ganz anderen Gegnern zu tun: unbequemen Pumps, nervenden Reißverschlüssen und Haaren, "die sich mit allen Mitteln wehren". Wackeln, ziehen, fönen - bei so viel Stress, findet Kentikian, "braucht man zwischendurch schon mal was, das nicht so reinhaut".
Werbung ist wirklich böse!
Die Kühlschranktür geht auf, und zwischen grünen Trauben (gesund) und einer Kanne Milch (gesund) liegen drei Milchschnitten. Aus vielen Zutaten und mit viel guter Vollmilch seien die gemacht, sagt der Werbefilm. Milchschnitte schmecke leicht, belaste nicht und sei "ideal für zwischendurch". Ein Biss, das ist die Botschaft, und schon können die nächsten Gegner kommen.
Vielen schmeckte diese Werbung überhaupt nicht - mehr als 50.000 Verbraucher kürten das Ferrero-Produkt in diesem Jahr zusammen mit Foodwatch zur dreistesten Werbelüge. Das Fazit von Foodwatch: "Mit etwa je einem Drittel Fett und Zucker haut Milchschnitte mehr rein als Schoko-Sahnetorte." Die Antwort von Ferrero: ein Pressemitteilung. Die Erkenntnisse und Erfahrungen würden keine Hinweise darauf geben, "dass die Verbraucher die Werbung für Milchschnitte als irreführend empfinden".
Foodwatch hat dafür gesorgt, dass wir den Milchschnitte-Spot mit anderen Augen sehen. Ein Gefühl macht sich breit: Werbung ist wirklich böse! Denn was kann schon gut sein an all dieser Manipulation, Übertreibung und Vereinfachung?
Hausfrauen gehören zur Werbung wie Sahne zum Apfelkuchen....
Blond, blauäugig, beliebter als Rudi Carrell: Vor 50 Jahren...
Fetthering in Südweinmarinade oder "Eg-Gü"-Schuhcreme:...