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1952

James Bond Jagd auf 007


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Agent 007: Der britische Schauspieler Sean Connery zielt in dem Film "James Bond 007 - Sag niemals nie" (USA 1983) mit seiner Pistole. Geistiger Vater des Agenten ist Ian Fleming, dessen literarische Feindbildprojektion zwar auf sowjetische KGB-Agenten und andere fremdartige Unholde fixiert war, der jedoch seinen charmanten Mr. Bond auch als Lebemann mit einem Faible für Sarkasmus und Selbstironie entwarf.

Der berühmteste Held des Kalten Krieges war eine literarische Erfindung. Gegen James Bond wurden in Osteuropa fiktive "Kundschafter des Friedens" ins Feld geschickt. Von Peter Münder


Das Sortiment teuflischer Tötungswerkzeuge reicht von raffinierter Nahkampfausrüstung bis zur handlichen Massenvernichtungswaffe - von zwei spitzen Dolchen, die auf Metallschienen aus den Spitzen schwarzer Damen-Stiefeletten ausfahren, bis zum silbrigen Zylinder einer Atombombe, der unscheinbar in einer grünen Munitionskiste mit Sowjetsternen und kyrillischer Aufschrift ruht.

Die Exponate der großen Londoner James-Bond-Ausstellung "For Your Eyes Only" im Imperial War Museum (noch bis 1. März 2009) erinnern an den populärsten Supermann des Kalten Krieges. Die Vita des Bond-Erfinders Ian Fleming (1908 bis 1964) zeigt, wie der Autor aus eigenen Erfahrungen als britischer Offizier schöpfte und wie eng auch in der Fiktion der Kalte Krieg an den vorausgegangenen Weltkrieg anschloss.

Als Angehöriger des Marine-Geheimdienstes erbeutete Fleming im Zweiten Weltkrieg in der Normandie eine deutsche Radaranlage, in Kiel kurz vor Kriegsende ein deutsches Einmann-U-Boot. Er war in Tanger, Algier und Lissabon im Einsatz und half in den USA, Pläne für den Aufbau des CIA-Vorläufers OSS zu entwickeln. Fleming schmiedete tollkühne Pläne, etwa den Absturz eines deutschen Kampfbombers im Ärmelkanal zu simulieren, um von den deutschen Rettern den Code für die Enigma-Chiffriermaschine zu erbeuten.

Flemings literarische Feindbildprojektion war zwar auf sowjetische KGB-Agenten und andere fremdartige Unholde fixiert. Der Entertainer Fleming entwarf seinen charmanten Flegel 007 aber auch als Lebemann mit einem Faible für Sarkasmus und Selbstironie. Solch spielerische Aspekte konnten die meisten Apparatschiks im Ostblock indes nicht goutieren. Nach dem weltweiten Siegeszug von 007 mobilisierten sie gegen den dekadenten "Bondismus" und Flemings satirische Überzeichnung brutaler KGB-Dumpfbacken.

Der in den Westen übergelaufene KGB-Agent Oleg Gordiewsky behauptete aber auch, dass seine Ex-Kollegen mit Neid und Frust auf die Sportwagen und Spezialwaffen reagierten, über die 007 verfügte. Der Ruf der Ost-Geheimen nach neuester Technik à la 007 wurde immer lauter. Das KGB soll deshalb vier Spezialabteilungen zur Entwicklung von Waffentechnik, Spezialgiften, Geheimschriften und Überwachungstechnik gegründet und alles darangesetzt haben, mit Bonds Hightech-Hexenmeister "Q" Schritt zu halten.

Die vom ostdeutschen Fernsehen 1973 als Gegenoffensive gegen 007 gestartete 16-teilige Serie "Das unsichtbare Visier" erwies sich in der DDR als Straßenfeger. Armin Mueller-Stahl glänzte in der Rolle des Stasi-Agenten Werner Bredebusch. Als "Kundschafter des Friedens" soll er eine von der BRD und der CIA unterstützte Organisation ausspionieren, die ehemalige Nazi-Größen nach Südamerika schleust, wo sie den Aufbau neuer Streitkräfte planen. Kundschafter Bredebusch bewältigt seine Mission mit untadeliger sozialistischer Moral.

Erfolgreichster Schöpfer kommunistischer Anti-Bond-Figuren war der russische Autor Julian Semjonow (1931 bis 1993). In "Die Würfel fallen in Moskau" agiert der clevere Agent Slawin im fiktiven südafrikanischen Staat Nagonia, wo Putschisten von der CIA unterstützt werden. Natürlich deckt Slawin die Machenschaften auf und entlarvt die kapitalistischen Drahtzieher. Semjonow schreibt spannend und unterhaltsam, sogar eine Prise Selbstironie hat er seinem Slawin gegönnt.

Verbiestert reagierten dagegen bulgarische Funktionäre auf den James-Bond-Kult. Sie setzten den linientreuen Auftragsschreiber Andrej Guljaschki (1914 bis 1995) auf 007 an. Wütend waren sie vor allem darüber, dass bulgarische Geheimdienstagenten in verschiedenen Bond-Thrillern als besonders tolpatschig karikiert wurden.

In "Zakhov gegen 07" soll der bulgarische Schlapphut einen sowjetischen Physiker beschützen, dem 07 wertvolles Forschungsmaterial abjagen will. Im Duell mit 07 erfüllt er seinen Auftrag, doch edelmütig, wie der Bulgare eben ist, lässt er den hoffnungslos unterlegenen West-Rivalen überleben. Übrigens war dem Autor im Kampf gegen 007 eine Null abhandengekommen, weil die Fleming-Erben juristisch gegen die 007-Vereinnahmung vorgegangen waren.

Leider tendiert die Spannung bei der Lektüre gegen null. Die zweifelhafte Gabe, Romane im Geist des Stalinismus und im Stil des romantisch verschwurbelten Heidedichters Hermann Löns zu verfassen, hatte Guljaschki schon mit dem 1953 auf Deutsch erschienenen Werk "MT-Station" demonstriert, das vom Klassenkampf handelt. Das Lob einer DDR-Rezension gipfelte in der Empfehlung: "Vor allem für die bäuerliche Bevölkerung und für alle politischen Funktionäre geeignet."



"Der Kalte Krieg - Wie die Welt das Wettrüsten überlebte"

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insgesamt 2 Beiträge zur Debatte
Olaf Nyksund am 6. August 2008, 10:23
Naja, so ganz einseitig und öde war der "Ostblock" (war ja auch nicht wirklich ein "Block") auch nicht, wenngleich es sich um ein verbrecherisches System...

Ralf Bülow am 6. August 2008, 10:14
Apropos Straßenfeger: Das war auch der DEFA-Agentenfilm "For Eyes Only" von 1963, in dem Alfred Müller als DDR-Bond einen Tresor mit Geheimakten aus einer...


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