| Der die Patrone reitet: Die Filme aus der "Nackten Kanone"-Reihe um den Polizisten Frank Drebin waren ein wilder Ritt durch alle Arten von Gags, Slapstick, Wortwitze und Genre-Parodien. Beliebtes Stilmittel: die langsame Eskalation von Aufzählungen und Handlungen ins Absurde oder auch gezieltes Sich-Falsch-Verstehen. |
Drei Pointen pro Minute: Ende der Achtziger versetzte eine Spezialeinheit das Kinopublikum in schallendes Gelächter. Leslie Nielsen mischte in seiner Rolle als Polizeiinspektor Drebin mit flachen Gags und absurdem Humor das Verständnis von Komik gründlich auf - davon hat sich das Kino bis heute nicht erholt. Von Kai Kolwitz
"Superhero Movie" kann wehmütig machen. Warum? So besonders ist der Film zwar nicht. Aber er trägt in sich die Gene einer Filmreihe, die in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern neu definierte, was man im Kino unter Humor verstand.
"Die nackte Kanone" hieß die Trilogie, und besondere Ansprüche an den Intellekt stellte sie nicht. Dafür aber an die Konzentrationsfähigkeit. Eine derartige Gag-Dichte hatte es bis dahin im Kino kaum jemals gegeben - ein einziger "Nackte Kanone"-Film dürfte mehr Pointen in sich tragen als das Gesamtschaffen von Dieter Hallervorden.
Mindestens drei Lacher pro Minute hatten sich die Macher vorgenommen - und um dieses Ziel zu erreichen, war ihnen jedes Mittel recht: Slapstick, Wortwitze ("1,80, Schnurrbart" - "Das muss aber ein großer Schnurrbart sein"), Genre-Parodien, die langsame Eskalation von Aufzählungen und Handlungen ins Absurde oder auch gerne gezieltes Sich-Falsch-Verstehen: "Haben Sie nicht Angst, dass Ihre Kanone einmal losgehen könnte?" "Nein, jetzt nicht mehr. Jetzt denke ich an Baseball." Selbst in die Deko wurden unzählige Pointen implantiert - und sei es, indem man die Opfer eines Bombenattentats auf immer absurdere Weise in der Gegend herumliegen ließ. Nicht allen gefiel das: Schon vorher hatte der Fernsehsender ABC die Vorläuferserie "Police Squad" schnell wieder aus dem Programm genommen - die Pointendichte überfordere das Publikum.
Subversive Botschaften
Dabei war "Die nackte Kanone" schon an sich eine Parodie. Denn der Grundplot der Geschichte war der Arbeitsalltag der Spezialeinheit der Polizei von San Francisco. Und zwar genau so, wie man es aus den alten Polizeiserien der Fünfziger kannte: Harte Jungs mit breitkrempigen Hüten, sparsamer Mimik, Vorliebe für Whiskey - und mit kaputten Ehen. Sie sprachen wenig und ließen dafür umso mehr Fäuste und Pistolen sprechen. Der Härteste von allen: Frank Drebin. Der führte sich schon dadurch ein, dass er im Alleingang (und im Urlaub) ein geheimes Treffen von Khomeini, Gaddhafi, Fidel Castro, Gorbatschow und anderen von den USA als Bösewichter wahrgenommenen Staatschefs aufmischte - nicht ohne dem Russen das Muttermal von der Glatze zu reiben, kommentiert mit den Worten: "Hab' ich doch gewusst, dass das nicht echt ist."
Leider war Drebin aber auch mit einer schon fast episch zu nennenden Begriffsstutzigkeit geschlagen. Außerdem konnte er mit einem einzigen Griff - sagen wir: an einen Füllfederhalter - eine Kettenreaktion von Katastrophen herbeiführen, die in der kompletten Zerstörung eines Bürogebäudes endete. Perfekt besetzt war die Rolle mit Leslie Nielsen, einem altgedienten B-Film-Schauspieler, der hier auf seine alten Tage noch sein komisches Talent demonstrieren konnte - einfach, indem er all das durch den Kakao zog, was er jahrzehntelang ernsthaft gespielt hatte. Seinen Assistenten Nordberg gab übrigens US-Football-Legende O. J. Simpson - kurz bevor er wegen Mordes an seiner Frau im echten Leben unter Anklage gestellt wurde.
Wenn man wollte, konnte man in den Filmen sogar regelrecht subversive Botschaften finden - vor allem im zweiten Teil, in dem Drebin gegen die vereinigte US-Energielobby antrat. Denn die hatte einen Wissenschaftler gekidnappt und durch einen Doppelgänger ersetzt, um zu verhindern, dass dieser die Regierung zum Umsteuern auf alternative Energien bewegte. Auch immer ein Thema war der Blick der USA auf Ausländer, die eigentlich immer nur Bösewichter sein konnten - Superschurken in "Die nackte Kanone" trugen Namen wie Vincent Ludwig oder Quentin Hapsburg.
Richtig gute schlechte Witze
Für diejenigen, die sich die Filme ausgedacht und in Szene gesetzt hatten, markierten sie den logischen Höhepunkt einer Entwicklung, die schon seit den späten Sechzigern lief: Pat Proft war ein gestandener Drehbuchautor, der schon bei "Police Academy" dabei war. Die Brüder David und Jerry Zucker hatten zuvor mit Jim Abrahams das "Kentucky Fried Theatre" gegründet - eine Comedybühne, die es zu so großem Erfolg brachte, dass 1977 der Film "Kentucky Fried Movie" entstand. Während beim Erstling allerdings noch Blues-Brothers-Schöpfer John Landis die Regie führte, erledigte das Trio danach alles in Eigenregie: sowohl die Katastrophenfilm-Parodie "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" als auch den Agenten-Klamauk "Top Secret". Bei Insidern mit Sinn für gute schlechte Witze erreichten die Filme Kultstatus, das breite Publikum zog seinerzeit allerdings noch nicht mit.
Bei "Die nackte Kanone" wurde das anders. Ganz anders: Wie unvorbereitet die Filme das deutsche Publikum trafen, lässt sich am besten an den Besucherzahlen ablesen: Während Teil eins einen relativ mauen Start hinlegte und erst über die lange Laufzeit rund 2,6 Millionen Menschen in die Kinos zog, hatte Teil zwei die Million schon nach der ersten Woche geschafft, insgesamt zog er 4,1 Millionen Zuschauer. Selbst der deutlich schlechtere Teil drei schaffte noch gute drei Millionen, bevor auch die Macher einsahen, dass die Luft raus war.
Zusammengearbeitet hat das Trio Zucker-Abrahams-Zucker seitdem leider nie wieder. Schon im zweiten Teil von "Die nackte Kanone" waren Jerry Zucker und Jim Abrahams nicht mehr dabei.
Und was das alles mit "Superhero Movie" zu tun hat? Der kann den Klassikern zwar nicht das Wasser reichen, aber die Machart ist genau die gleiche. Selbst einige Gags wurden fast eins zu eins aus den alten Filmen übernommen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass irgendjemand die Macher von "Superhero Movie" dafür verklagen wird. Denn hinter dem Film steht David Zucker. Und Leslie Nielsen ist auch wieder dabei.
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