Über einestages

1950-2012

Die irrsten Kicker-Momente Fußballa-balla


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Getty Images/David Cannon/Allsport
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Tiiiiiiinnnnnaaaaaaaaaaaa: Peter Shilton geht es im Jahre 1980 bestens. Seit zehn Jahren ist er mit seiner Frau Sue verheiratet, hat zwei prächtige Söhne, ist englischer Nationaltorwart und spielt für Nottingham Forest, mit denen er gerade zum zweiten Mal den Europapokal der Landesmeister gewonnen hat. Doch an diesem frühen Morgen des 25. September sieht die Welt ganz anders aus.

Shilton wird nur halb bekleidet und schlafend in seinem Jaguar aufgefunden, den er auf einem Feldweg hinter der Pferderennbahn abgestellt hat. Neben ihm liegt eine Frau, ebenfalls nicht mehr ganz angezogen. Es ist nicht Shiltons Ehefrau, sondern eine gewisse Tina Street. Das Problem dabei: Der Mann, der die beiden so vorfindet, ist Tinas Ehemann Colin.

Als der das schlummernde Pärchen weckt, weigern die beiden sich, die Türen zu öffnen. Stattdessen lässt Shilton den Wagen an, rast davon und kracht gegen einen Laternenpfahl. Später gibt er an, er habe "eine Dame zum Essen ausgeführt". Er erhält eine Geldbuße von 350 Pfund und 15 Monate Fahrverbot. Bei Auswärtsspielen muss er sich länger noch ein langgezogenes "Tiiiiiiiiiiinnnnaaaa!" der gegnerischen Fans anhören.
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Ein Torwart, der sein Tor abfackelt. Ein Schiedsrichter, der sich selbst Rot zeigt. Ein Trainer, der die Nationalmannschaft nach Sternzeichen aufstellt. Die Geschichte des Fußballs ist voller irrer Typen mit unglaublichen Marotten. einestages präsentiert die legendärsten und lächerlichsten. Von Christian Gödecke


Als der Schiedsrichter die erste Halbzeit abpfeift, hat Harry Redknapp genug. 45 Minuten muss sich der Assistenztrainer des englischen Erstliga-Clubs West Ham United jetzt schon die wüsten Beschimpfungen des kahlrasierten Mannes anhören, der direkt hinter der Trainerbank steht und in Richtung Spielfeld brüllt. Die Beleidigungen des Skinheads gelten West-Ham-Stürmer Lee Chapman, der wegen seiner Größe immer etwas ungelenk wirkt und mit 34 Jahren auch nicht mehr der Schnellste ist. Aber darf man ihn deshalb so wüst angehen? Redknapp findet: nein.

Das Testspiel an diesem 28. Juli 1994 könnte unbedeutender nicht sein. West Ham bereitet sich bei dem unterklassigen Oxford City FC auf die neue Saison vor. Doch das, was nach dem Halbzeitpfiff passiert, geht in die Fußballgeschichte ein.

"Kannst du so gut spielen, wie du redest?" Das fragt Redknapp, als er plötzlich vor dem Glatzkopf steht. Der Skinhead, ein 27-Jähriger namens Steve Davies, ist verwirrt. Meint der Coach seines Lieblingsclubs das jetzt ernst? Ja, tut er. Denn Redknapp verkündet gleich darauf: Heute werde Davies' Traum wahr, er dürfe seinen großkotzigen Worten Taten folgen lassen und für West Ham spielen. Dann schickt er den verdutzten Schreihals in die Umkleide. Zehn Minuten später läuft Davies im West-Ham-Trikot auf den Platz.

Eine irre Anekdote - aber nur eine unter vielen

Dort sorgt der unbekannte Kicker zunächst für Verwirrung. "Wer ist das", wird Redknapp von Journalisten gefragt. "Was, hast du etwa die WM nicht gesehen? Das ist der großartige Bulgare Tittyschew!", erwidert Redknapp und macht aus dem tätowierten Skinhead mal eben einen vermeintlichen Starspieler vom Balkan. Doch auch das ist noch nicht das Ende der unglaublichen Geschichte. Davies erweist sich nämlich tatsächlich als gar nicht schlecht - und schießt vor 2000 Zuschauern sogar ein Tor!


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Vom pöbelnden Möchtegernkicker zum Stürmer des Lieblingsclubs: Es ist eine der irrsten Kurzkarrieren in der langen Geschichte des Fußballs - und doch nur eine unter vielen. Das beweist der Autor Thomas Lötz, der rechtzeitig vor der anstehenden Europameisterschaft "Die 99 skurrilsten Momente des Fußballs" zusammengetragen hat.

Ein Trainer, der nach Sternzeichen aufstellt, ein Stürmer, der gegen drei verschiedene Torhüter trifft oder ein betrunkener Schiedsrichter, der nach 32 Minuten abpfeift - einestages präsentiert zwanzig Momente des Wahnsinns.

goe

Zum Weiterlesen:


Thomas Lötz: "Die 99 skurrilsten Momente des Fußballs". Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2012, 183 Seiten.

Das Buch erhalten Sie im SPIEGEL-Shop.


Debatte

insgesamt 4 Beiträge zur Debatte
Bernhard Klaaßen am 1. Mai 2012, 23:36
Eigentlich eine schöne Sammlung von Kuriositäten, aber Nr.15, also Maldini mit seinen sagenhaften 17 zweiten Plätzen in seiner Karriere, ist ein bisschen...

Mark Wolf am 1. Mai 2012, 13:58
Bild 15 ist auch ziemlich fragwürdig. Sicherlich nicht falsch, aber wenn man mal davon ausgeht, dass die Wikipedia-Seite nicht lügt, dann hat der gute Mann neben den 17...


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