| "Die Bourne Verschwörung": Plötzlich ging das Licht aus - im Januar 2004 versank das winterliche Berlin-Mitte mehrere Stunden lang im Dunkeln. Grund dafür: Die Dreharbeiten zur "Bourne Verschwörung", dem zweiten Teil der "Bourne"-Trilogie mit Matt Damon und Franka Potente. Um eine nächtliche Verfolgungsjagd entlang des Spreeufers auszuleuchten, wurden von der Filmcrew 50 Meter hohe, grell leuchtende Scheinwerfermasten aufgestellt. Doch anstatt das Set mit Licht zu fluten, war es urplötzlich zappenduster. Der enorme Energieverbrauch der gigantischen Leuchter hatte einen Kurzschluss ausgelöst. |
Ungeplante Explosionen, Schauspieler auf Drogen und ein grabschender Affe: Die spektakulärsten Szenen bei Filmdreharbeiten bekommt der Zuschauer selten zu sehen. Jetzt schon! einestages zeigt 20 Set-Pannen, bei denen jeder gern dabei gewesen wäre. Von John Hanus und Benjamin Maack
Johnny Depp ist in Bestform. Der smarte Hollywood-Star spielt seine Rolle lässig, selbstironisch - und zum Schreien komisch. "Was hast du dir dabei gedacht? Hä? Was hast du dir dabei gedacht?", brüllt er hysterisch in das Gesicht seines Gegenübers. Sein Gegenüber ist ein Fisch, den er Augenblicke zuvor angewidert aus seiner nassen Kleidung geschüttelt hat. Nun hält er ihn in beiden Händen, lässt ihn albern hin- und herschlackern.
"Und ... Schnitt", ruft Regisseur Terry Gilliam und lacht über das ganze Gesicht, freut sich wie ein kleiner Junge. Der Filmemacher ("12 Monkeys"), einst Mitglied der britischen Komikertruppe Monty Python, sitzt auf seinem Regiestuhl am Set von "The Man Who Killed Don Quixote". Die Verfilmung des Romanklassikers von Cervantes ist Gilliams absolutes Traumprojekt. Zehn Jahre lang hat er an seinem Script gefeilt, bevor der Dreh beginnen konnte. Doch die grandiose Szene mit Hauptdarsteller Johnny Depp ist einer der wenigen Filmschnipsel, die Gilliam im Kasten hat, bevor die Dreharbeiten in einer Reihe von Katastrophen enden.
Schon am ersten Tag werden die Aufnahmen in den Bardenas Reales, einer Wüstenlandschaft in Spanien, unsanft unterbrochen - durch den ohrenbetäubenden Lärm von F-16-Düsenjägern, die im Minutentakt über das Filmset donnern. Teile der Wüste werden von der Nato als Übungsplatz für Tiefflüge und Bombenabwürfe genutzt. Die Kampfjets dröhnen so laut, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen kann. Der Dreh muss trotzdem weitergehen. Unter dem Dauerkrach der Düsentriebwerke sagen die Schauspieler ihre Dialoge auf. Die Szenen sollen später im Studio nachsynchronisiert werden.
Don Quijote kann nicht mehr reiten
Auch am zweiten Tag werden die Arbeiten durch ein Grollen am Horizont unterbrochen, doch dieses Mal ist es ein Unwetter. Seit Wochen hatte es in der Wüste nicht geregnet, und auch für die Drehtage hatte der Wetterbericht strahlenden Sonnenschein prophezeit. Nun gehen wahre Wassermassen und Hagel über dem Set nieder. Vom Auto aus wird die Crew Zeuge, wie das notdürftig gesicherte Filmequipment von einer Welle aus Wasser und Schlamm davongespült wird. Doch es kommt noch schlimmer: Nach dem Regenguss erblüht die Wüste, die Gilliam zuvor wegen ihrer Kargheit ausgewählt hatte. Die Landschaft hat sich völlig verändert. Alle bis dahin entstandenen Aufnahmen sind hinfällig.
All diese kleinen und mittelgroßen Katastrophen hätten Gilliam sicher nicht davon abhalten können, seinen Traum zu verwirklichen. Dann aber folgte der Schlag, der das Projekt zu einem der tragischsten Reinfälle der Filmgeschichte macht: Don Quijote kann plötzlich nicht mehr reiten. Der 70-jährige Hauptdarsteller Jean Rochefort, der extra für den Film Englisch gelernt hatte, erleidet einen schweren Bandscheibenvorfall. Einen Tag noch quält sich der französische Filmstar im Sattel, dann ist Schluss. Rochefort ist für Monate außer Gefecht, die Investoren ziehen ihr Geld zurück und die Filmrechte gehören der Versicherung, die für das Multimillionen-Desaster aufkommen muss. "Don Quixote" ist tot.
Zurück bleibt eine Dokumentation über das Desaster. "Lost In La Mancha" sollte eigentlich ein Making-of werden, nun ist sie ein beeindruckendes Zeugnis über die Nichtentstehung eines potentiellen Meisterwerks. "Ich habe den Film so oft in meinem Kopf gedreht, ich habe ihn so oft vor meinem geistigen Auge gesehen", sagt ein niedergeschlagener Terry Gilliam am Ende der Dokumentation über seinen "Don Quixote", "vielleicht ist es besser, ihn einfach dort zu lassen."
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