| Logo des Norddeutschen Llyod: Markenzeichen der Reederei Norddeutscher Lloyd ist der Bremer Schlüssel, das Wappen der Hansestadt, gekreuzt mit einem blauen Anker. |
Vor 150 Jahren gründeten zwei Kaufleute in Bremen die Reederei Norddeutscher Lloyd. Mit regelmäßigen Touren zwischen der Hansestadt und den USA legten sie den Grundstein für die transatlantische Schifffahrt. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte - mit tragischen Rückschlägen.
Die Erfolgsgeschichte der Reederei Norddeutscher Lloyd (NDL) begann mit der Gründung 1857 in Bremen. Gründer der Aktiengesellschaft waren die Kaufleute Hermann Heinrich Meier und Eduard Crüsemann. Der Name Lloyd war in der Schifffahrt ein Begriff, da sich in Lloyds Kaffeehaus in der Londoner Börse die Schiffs- und Assekuranzmakler versammelten, um Geschäfte abzuschließen.
Die beiden Gründungsväter wollten nicht nur eine regelmäßige Verbindung zwischen Bremen, Nordamerika und anderen überseeischen Orten aufbauen, sondern auch die Passagier- und Frachtdampfschifffahrt auf der Weser, die dazugehörigen Schleppdienste und ein begleitendes Versicherungswesen entwickeln. Das gelang ihnen - der Name Lloyd wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Synonym für die Handelsschifffahrt. Bevor die Schiffe jedoch für transatlantische Fahrten eingesetzt wurden, schipperten sie zunächst nach England. Das erste Seeschiff, das regelmäßig Passagiere nach England brachte, war 1857 die "Adler". Ein Jahr später wurde ein regelmäßiger Linienbetrieb zwischen Bremerhaven und New York eingerichtet, erstes Schiff dieser Strecke war der Dampfer "Bremen I". In den folgenden Jahren kamen Passagierverbindungen nach Baltimore, New Orleans und Südamerika hinzu.
*Das Geschäft mit den Auswanderern*
Zehn Jahre nach der Gründung ging der Norddeutsche Lloyd 1867 eine Partnerschaft mit der Baltimore and Ohio Railroad ein. Das war die Verzahnung von Schifffahrt und Eisenbahn in einer integrierten Transportkette - ein wesentlicher Aspekt des Gesamtgeschäftes des NDL. Der schnelle Aufstieg gelang nicht zuletzt durch das Geschäft mit der Auswanderung, da ab 1830 die Auswanderungszahlen in Bremerhaven in die Höhe gingen. Im Jahr 1885 gewann der NDL die Ausschreibung einer Reichspostdampflinie nach Australien und Ostasien. Diese Linie diente der Postbeförderung und wurde von der Regierung des Deutschen Reiches subventioniert. So verringerte sich das Risiko für den Norddeutschen Lloyd bei der Errichtung und Erhaltung von Linien vor allem im ostasiatischen Raum. Der Linienausbau nach Australien und Ostasien bedeutete einen weiteren Meilenstein in der Expansion der Reederei.
Mit der Einführung der Doppelschrauben-Schnelldampfer kam es zu einer weiteren herausragenden Entwicklung im transatlantischen Passagierverkehr. Zwei dieser Schiffe errangen sogar das "Blaue Band" für die schnellste Atlantiküberquerung: 1898 die "Kaiser Wilhelm der Große" sowie 1902 die "Kronprinz Wilhelm".
*Neue Ära der Passagierdampfer*
Mit dem Ersten Weltkrieg kam ein großer Einschnitt für die bis dahin erfolgreiche Reederei. Durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919 musste der NDL einen großen Teil seiner Flotte abgeben. Es wurde unausweichlich, dass man sich von dem größten Teil der Beschäftigten trennen musste. Nach einer kurzen Durststrecke wurde das traditionelle Liniennetz aber wieder weitestgehend eingerichtet, und es wurden nun verstärkt Kreuzfahrten angeboten. Eines dieser Kreuzfahrtschiffe war die "Bremen IV", die 1928 bei der AG Weser in Bremen vom Stapel lief. Auf ihrer legendären Jungfernfahrt von Bremerhaven nach New York am 16. Juli 1929 erkämpfte sie das "Blaue Band". In vier Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten erreichte sie New York. Ein vollkommen neues Aussehen brach mit dem bisherigen NDL-Erscheinungsbild und eröffnete mit modernem Design und luxuriöser Innenausstattung eine neue Ära der Passagierdampfer. Mit einer Kapazität von über 2200 Passagieren war die "Bremen IV" zu ihrer Zeit eines der größten Schiffe auf dem Atlantik.
Nur zehn Jahre später kam es jedoch zu einem erneuten Rückschlag für den NDL: Der Börsenkrach und der "Schwarze Freitag" in den USA wirkten sich auch auf die Reederei aus. 1932 geriet der NDL in die roten Zahlen und war wieder gezwungen, einen Großteil des Personals zu entlassen. Die Fahrpläne wurden ausgedünnt, an Neubauten war in dieser Zeit nicht zu denken.
*Von Kreuzfahrten zur Kriegsmarine*
Der Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 bedeutete für den Norddeutschen Lloyd eine Umstellung auf Kriegswirtschaft. Dies hatte zur Folge, dass viele Fracht- und Passagierschiffe als Transporter, Sperrbrecher oder Lazarettschiffe zur Kriegsmarine eingezogen wurden. So auch die "Bremen IV", die bei Kriegsausbruch im September 1939 ohne Passagiere an Bord den New Yorker Hafen in Richtung Murmansk verließ. Sie erreichte ihren Heimathafen Bremerhaven über mehrere Zwischenstationen einige Monate später. Ihrer Bestimmung als Truppentransporter für die geplante England-Invasion konnte sie nicht mehr entsprechen. 1941 brannte sie vollkommen aus und wurde 1946 verschrottet. Ihre Reste wurden in der Weser versenkt und sind heute noch bei starkem Niedrigwasser zu sehen.
1945 war für den NDL eine Stunde des Neuanfangs gekommen. Der größte Teil der Flotte war ausgebrannt, versenkt oder beschlagnahmt oder musste in Kürze den Siegern ausgeliefert werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es dann zu einer engen Zusammenarbeit mit der Hapag (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft), mit der bereits in Zeiten wirtschaftlicher Krisen Geschäfte gemacht wurden. 1970 führte diese Zusammenarbeit dann schließlich zur Fusion der beiden großen Reedereien zur Hapag-Lloyd AG. Diese wurde 1997 eine Tochter des Preussag-Konzerns, der seit 2002 zur TUI AG gehört. Der Norddeutsche Lloyd feiert im Jahr 2007 sein 150-jähriges Gründungsjubiläum.
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