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1944

Stauffenberg-Film

"Ich will das nicht sehen"


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"Operation Walküre": Der Widerstand, wie ihn Hollywood sieht. Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Tom Cruise) wird von Henning von Tresckow (Kenneth Branagh) in den Kreis der Verschwörer eingeführt. Es sind Szenen wie diese, die den Historiker Detlef Graf von Schwerin stören: "Diese Menschen lebten jahrelang im Schatten der Gestapo, ein Treffen wie dieses hätte gegen alle Vorsichtsmaßnahmen verstoßen."

Gute Unterhaltung oder Geschichtsklitterung? Der umstrittene Stauffenberg-Film läuft jetzt in den deutschen Kinos an. Nachfahren von Widerständlern durften ihn vorab sehen. Die Reaktionen auf die Hollywood-Version des 20. Juli 1944 sind unterschiedlich - selbst innerhalb einer Familie. Von Thomas Thiel


Durchlaucht ist wütend. Detlef Graf von Schwerin von Schwanenfeld hat zur Hollywood-Verfilmung des gescheiterten Staatsstreichs vom 20. Juli 1944 einen klaren Standpunkt: Dieser Film wird der Gruppe nicht gerecht, die Hitler in seinem ostpreußischen Hauptquartier "Wolfschanze" mit einer Bombe töten wollte. "Die Zuschauer bekommen den Eindruck, dass die gesamte Operation Walküre erst mit Stauffenberg anfängt", bemängelt der Adelige, "und so war es historisch einfach nicht."

Das alles ist auch eine persönliche Angelegenheit für Graf von Schwerin. Sein Vater Ulrich-Wilhelm nämlich gehörte zum engsten Kreis der Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Henning von Tresckow, Carl Goerdeler oder auch Ludwig Beck. Der Reserveoffizier und Schulfreund des späteren Widerständlers Peter Graf Yorck von Wartenburg war die Schnittstelle zwischen zivilem und dem militärischen Widerstand.

"Er soll die Finger von meinem Vater lassen"

Nach dem missglückten Attentat in Ostpreußen arbeitete Schwerin vom Berliner Bendlerblock aus bis zuletzt mit daran, den Umsturzversuch doch noch zum Erfolg zu wenden. Und als der Coup endgültig gescheitert war, ereilte ihn das gleiche Schicksal wie die meisten seiner Mitstreiter. Während Stauffenberg und andere noch am gleichen Abend erschossen wurden, verurteilte der NS-"Volksgerichtshof" den Grafen zum Tod durch den Strang. Er wurde am 8. September 1944 in der Haftanstalt Berlin-Plötzensee gehenkt.

Fast 65 Jahre später konnten seine beiden Söhne Detlef und Wilhelm die Hollywood-Version der dramatischen Ereignisse noch vor der offiziellen Premiere begutachten. Der Filmverleih hatte unter anderem in Frankfurt und Berlin Vorführungen für die Nachkommen der Widerstandskämpfer organisiert - von denen viele dem Filmprojekt sehr kritisch gegenüberstanden. Als 2007 die Dreharbeiten begannen, forderte etwa Stauffenbergs Sohn Berthold in einem Interview gar von Hauptdarsteller Tom Cruise: "Er soll seine Finger von meinem Vater lassen."

Nach der Vorabpremiere ist bei den Betroffenen das Echo geteilt - auch im Hause Schwerin. Während Detlef von Schwerin kaum ein gutes Haar an dem Streifen lässt, sieht sein älterer Bruder Wilhelm die Verfilmung positiv. "Ich finde den Film gut, weil er den deutschen Widerstand gegen Hitler in Amerika bekannt macht", sagt er. Dort habe vorher kein Mensch gewusst, dass es so etwas damals in Deutschland gegeben habe, dass nicht alle Deutschen Nazis gewesen seien. Die dramaturgischen Änderungen fallen für ihn nicht so stark ins Gewicht.

"Aalen in pathetischen Hinrichtungsszenen"

Da aber widerspricht Bruder Detlef. Der promovierte Historiker versteht zwar, warum die gesamte Handlung auf Stauffenberg zentriert worden ist. "Die Filmemacher sagen aber gleichzeitig, dass sie die wahre Geschichte erzählen. An diesem Anspruch müssen sie sich messen lassen. Und dafür gibt es zu viele kardinale Fehler in der Handlung", findet Detlef Graf von Schwerin. So würde etwa ein großes Treffen Stauffenbergs mit dreißig bis vierzig Mitverschwörern gezeigt. "Die Vorstellung einer solchen Plenarversammlung der Berliner Verschwörer ist geradezu grotesk. Diese Menschen lebten jahrelang im Schatten der Gestapo, ein Treffen wie dieses hätte gegen alle Vorsichtsmaßnahmen verstoßen", moniert der historisch geschulte Verschwörer-Nachfahre.

Bei den Schlussszenen des Films sind sich dann wieder beide Brüder einig: Das minutenlange Auswalzen der Hinrichtungen im Hof des Bendlerblocks finden beide "schlimm" und "geschmacklos". "Dieses sich aalen in pathetischen Hinrichtungsszenen war unerträglich", beschreibt Detlef Graf von Schwerin. Auch die Erhängungen der von der Nazi-Justiz gnadenlos abgeurteilten Mitverschwörer in Plötzensee werden ausgiebig gezeigt, was Schwerin nur schwer ertrug: "Mein Vater ist dort gestorben, das will ich nicht sehen."


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