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1929

Filmklassiker

Deutsche Mondlandung 1929


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Gestrandet in der Mondwüste: Fritz Lang hatte in seinem Film "Frau im Mond" bereits 1929 einige Probleme thematisiert, mit denen sich 1969 auch die Astronauten der Apollo-Mission befassten. Beispielsweise die Befürchtung, die Raumkapsel könne - einmal auf der Mondoberfläche gelandet - vielleicht nicht wieder starten. Daran dass es auf dem Mond jedoch keine Atmosphäre und damit auch keinen Sauerstoff gibt, hatte er aber offensichtlich nicht gedacht.

"Ein Wunder wird Wirklichkeit", schwärmte die Presse. 40 Jahre vor den USA eroberten die Deutschen den Mond - in einem Stummfilm von Fritz Lang. Das Erstaunlichste: Der Regisseur sah in seiner Vision nicht nur einige Probleme der Nasa voraus, sondern erfand auch noch den Countdown. Von Olaf Brill


Tausend Lämpchen erzeugten einen glitzernden Sternenhimmel. Die Fassade des Berliner Ufa-Palastes am Zoo war futuristisch geschmückt. Als Fritz Langs neuer Science-Fiction-Film "Frau im Mond" im Oktober 1929 seine Premiere feierte, war das ein Großereignis. Albert Einstein war unter den Gästen, die gesamte Berliner Prominenz und Vertreter von Regierung und Industrie. Die Presse überschlug sich vor Begeisterung: "Ein großer Wurf", "atemberaubend der Abschuss des Raketenschiffes", "eine Sensation!" - das Publikum sei fiebernd mitgegangen, am Ende hätte es rasenden Beifall gegeben. Das Fazit der Journalisten: "Ein Wunder wird Wirklichkeit!"

Was das Premierenpublikum da beklatschte, war eine technisch-wissenschaftliche Utopie, mit der der Regisseur Lang so realistisch wie möglich eine Reise zum Mond darstellen wollte. Als wissenschaftliche Fachberater engagierte er deutsche Physiker, die damals tatsächlich an Weltraumraketen arbeiteten: Hermann Oberth und Willy Ley waren überzeugt, dass ein Mondflug wie er im Film gezeigt wird schon in unmittelbarer Zukunft realisiert werden könne: "Es ist nicht 'Kientopp', was hier gespielt wird", schrieb Ley zur Uraufführung, "es ist eine, wenn auch praktisch noch nicht vollkommen erreichte Wahrheit."

Die Erfindung des Countdowns

Fritz Langs Mondrakete wurde, anders als später in Wirklichkeit, aus einem Wasserbassin abgeschossen. Aber sie bestand, genau wie die spätere Saturn-V-Rakete des amerikanischen Apollo-Programms, aus mehreren Stufen, die nach dem Start abgeworfen wurden. Dann verließ das Raumschiff das Schwerefeld der Erde und machte sich durch den Abgrund des Weltraums auf den Weg zum Erdtrabanten, der 36 Stunden später erreicht wurde. In der Schwerelosigkeit erlaubten sich die Reisenden einen ersten sehnsüchtigen Blick zurück auf ihren Heimatplaneten. Dann ging es um den Mond herum, in einem fantastischen Flug über die Rückseite des Mondes.



Schließlich setzten sie auf dem Mondboden auf, in der Hoffnung, sich davon später wieder erheben zu können und zur Erde zurückzukehren. Wie wir heute wissen, wäre Armstrong und Aldrin die Rückkehr 1969 beinahe nicht gelungen. Auch vierzig Jahre zuvor hatten Langs Astronauten damit erhebliche Schwierigkeiten.

Und noch ein Detail, das uns später bei den Mondflügen wieder begegnen sollte, "erfand" Lang im Jahr 1929 für seinen Film: den Countdown. "Als ich das Abheben der Rakete drehte", so Lang später, "sagte ich: Wenn ich eins, zwei, drei, vier, zehn, fünfzig, hundert zähle, weiß das Publikum nicht, wann die losgeht. Aber wenn ich rückwärts zähle - zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, NULL! - dann verstehen sie."

Explosive Liebesgeschichte

Fritz Lang war damals schon längst ein weltbekannter Regisseur, der in den zwanziger Jahren einen Monumentalfilm nach dem anderen herausgebracht hatte, gekrönt im Januar 1927 von seinem gigantischen Science-Fiction-Film "Metropolis", der neben der ultimativen Version einer Stadt der Zukunft auch eine schwülstige Liebesgeschichte erzählte, in der sich ein Arbeitermädchen und ein Industriellensohn verlieben und so Arbeit und Kapital miteinander vereinen. H. G. Wells hat "Metropolis" daher den "dümmsten aller Filme" genannt.

Im Jahr darauf kam bereits Langs nächster großer Film heraus, der Spionagethriller "Spione" mit Willy Fritsch als Geheimagent und Gerda Maurus in ihrer ersten Filmrolle als russische Spionin. Diese Beiden waren es schließlich, die auch das Liebespaar in "Frau im Mond" spielten: er den Abenteurer, der sich auf die Reise zum Mond macht, sie die "Frau im Mond", die ihn begleitet, aber schon mit einem anderen verlobt ist, der die Mondreise als Ingenieur ebenfalls mitmacht. Des weiteren an Bord der Rakete: ein Astronomieprofessor, der glaubt, dass sich auf dem Mond riesige Goldvorkommen befinden, die Maus Josephine, der Spion einer Wirtschaftsmacht, die das Mondgold unter ihre Kontrolle bringen will, und ein abenteuerlustiger Junge, der sich als blinder Passagier an Bord geschlichen hat.

Genügend Sprengstoff war also nicht nur in den Tanks der Mondrakete vorhanden, sondern auch in den menschlichen Beziehungen an Bord. Werden die Liebenden zueinander finden? Wird das Raumschiff wieder zur Erde zurückkehren? Und wer muss auf dem Mond bleiben, wenn der Sauerstoff in den Tanks der Rakete nicht ausreicht? Wie der Film ausgeht, soll hier natürlich nicht verraten werden. Sie können es sich selber ansehen.

"Frau im Mond" ist 2001 auf der Berlinale in einer fast dreistündigen, neu rekonstruierten Fassung wiederaufgeführt worden. Seitdem wird der Film immer mal wieder im Kino gezeigt und ist inzwischen auch auf DVD erschienen.



Debatte

insgesamt 5 Beiträge zur Debatte
Olaf Brill am 20. Juli 2009, 14:03
Danke für die intelligenten und informativen Diskussionsbeiträge.

@ Eugen Cluster: Mein Schluss-Absatz des eingereichten Artikels wurde von der Redaktion gestrichen....

Dirk Kaemper am 20. Juli 2009, 12:39
Der Film war nicht nur visionär, sondern hatte auch sehr reale Auswirkungen: Herman Oberth, technischer Berater Fritz Langs, sollte nach dem Willen der Filmproduzenten zur...


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