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1996

Erfindung des Palm Pilot Der Siegeszug von Businessmans Liebling


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Apple Newton: Der 1993 von Apple vorgestellte Newton ist zweifellos der Ahn der Palms - war aber zu schwer, zu groß, zu lahm und zu teuer, um Erfolg zu haben.

1996 machte Palm Computing mit dem Pilot-PDA stiftbasierte Taschencomputer massentauglich. Die US-Firma schuf damit ein vollkommen neues, enorm erfolgreiches jedoch letztlich kurzlebiges Computersegment. - Heute hat es seine Fortsetzung in Smartphones gefunden.


Anfang der Neunziger Jahre sprach alle Welt vom Pen Computing. Allgegenwärtig sollten sie werden, die neuen Taschen-Rechner, ihren Anwendern jederzeit Zugriff auf wichtige Daten gewähren und ganz einfach mit einem Stift bedienbar sein. Tastatur adé, PC adé.

Den Anfang machte, wie so oft, Apple. Der Newton MessagePad sollte 1993 den Umgang mit Computerdaten revolutionieren. Doch das Kalkül ging nicht auf, der Newton hatte mit einigen Unzulänglichkeiten zu kämpfen. Mit rund einem Pfund Gewicht und der Größe eines Taschenbuchs war er viel zu groß und zu schwer, um zum ständigen Begleiter zu taugen. Sein klobiges Batteriepack lieferte nur für wenige Stunden Strom. Zudem taten sich viele Anwender mit der Schrifterkennung schwer, die jedermanns Handschrift entziffern können sollte. Der wenig massentaugliche Preis von 1000 US-Dollar tat ein Übriges, um ihn zum geschäftlichen Flop werden zu lassen.

Zur gleichen Zeit versuchten die Gründer der Firma Palm Computing, Jeff Hawkins, Donna Dubinsky und Ed Colligan, ein Konkurrenzprodukt zum Newton auf den Markt zu bringen. Gemeinsam mit Casio und Tandy entwickelten sie den Zoomer. Genau wie Apple versuchten auch sie, die gesamte Funktionalität eines Desktop-PCs auf der Größe eines Taschenbuchs zusammenzufassen. Mit der damaligen Technologie ein aussichtslosen Unterfangen, das unweigerlich zum Scheitern verurteilt war.

Statt jedoch aufzugeben, beschloss Hawkins, es in eigener Regie noch einmal zu versuchen. Diesmal jedoch legte er vorher eine vollkommen neue Ausrichtung fest. "Weniger ist mehr" wurde zu seinem Leitmotiv und wurde später zum bestimmenden Motto der Firma. Statt zu versuchen, einen ganzen PC in klein nachzubilden, wollte er ein wirklich tragbares Gerät entwickeln, dass sich auf die wichtigsten Funktionen beschränkt. Allerdings war Eile geboten. Das Geld der Investoren reichte noch für knapp 18 Monate. In dieser Zeit mussten es die 27 Palm-Mitarbeiter schaffen, ein neues Produkt zur Marktreife zu entwickeln.

Entwicklung geschafft, Geld verbraucht

Knapp schafften sie es, rechtzeitig fertig zu werden. Allerdings fehlte nun für Produktion und Marketing das Geld. Auf der Suche nach einem neuen Investor, der diese Lücke füllen würde, stieß man auf den Modem-Hersteller US Robotics, der freilich nicht investieren, sondern Palm Computing gleich komplett schlucken wollte. Palm ließ sich auf den Deal ein, wurde eine unabhängige Abteilung innerhalb von US Robotics und stellte schließlich im März 1996 den "Palm Pilot" vor.

Anders als alle seine Vorgänger passte der Pilot nicht nur auf eine Handfläche, sondern auch in eine Hemdtasche. Zudem wurde er mit einer Software geliefert, die den einfachen Datenabgleich mit einem PC ermöglichte. Statt Kontakte und Termine mühsam am Display einzugeben, konnten sie bequem am Desktop gepflegt und per Knopfdruck auf den Pen-Computer übertragen. Das entsprach Hawkins' Vorgaben, der Pilot solle den PC ergänzen, nicht ersetzen.

Besonders beeindruckt zeigten sich die ersten Tester von der Batterielaufzeit: Bei normaler Nutzung sollte der Strom aus zwei AAA-Batterien bis zu drei Monate lang Energie liefern. Eines der wichtigsten Argumente für den Pilot war jedoch sein Preis: Mit 299 US-Dollar war er günstig genug, dass ihn sich nicht nur Geschäftsführer leisten konnten.

Das Resultat: Bereits im ersten Jahr räumte Palms Handheld-PC dutzende Preise ab und erreichte in den USA mühelos einen Marktanteil von 70 Prozent. Innerhalb von nur 18 Monaten -derselben Zeit, die die Entwicklung des Palm Pilot gedauert hatte - wurde bereits die erste Million der digitalen Gedächtnisstützen über den Handel abgesetzt.

Wechselhafte Geschichte

In den folgenden Jahren erlebte Palm einen Boom und beherrschte fast unangefochten den Markt der nunmehr PDA, also "Personal Digital Assistant" genannten Geräteklasse. Bis heute konnte der Hersteller mehr als 34 Millionen Geräte verkaufen. Allerdings verlief dabei nicht immer alles schnurgerade und schon gar nicht nach Plan.

So wurde US Robotics bereits 1997 samt Palm Computing von der 3COM Corporation aufgekauft. Sofort kam es zu Reibereien zwischen den Firmengründern und den neuen Hausherren, die schließlich dazu führten, dass Dubinsky, Hawkins und Colligan 1998 die Firma verließen, um unter dem Namen Handspring einen Neuanfang zu versuchen. Die Lizenz zur Nutzung des Palm-Betriebssystems hatte Jeff Hawkins vor seinem Ausstieg noch selber genehmigt, heißt es. Auf Handsprings Konto geht vor allem die Entwicklung des Treo, des ersten erfolgreichen Hybrids aus Palm-PDA und Handy.

Während der folgenden Jahre trennte Palm Hardware- und Software-Entwicklung in zwei unabhängige Abteilungen auf, die künftig Palm Solutions und PalmSource hießen. Im Jahr 2003 schließlich machte die Firma gleich mehrere Transformationen durch. Um den steigenden Markterfolg der Windows-basierten Handhelds etwas entgegenzusetzen und vor allem, um den Einstieg in das Smartphone-Segment zu schaffen, übernahm Palm Handspring. Die Software-Abteilung PalmSource wurde gleichzeitig ausgegliedert und zur eigenständigen Firma. In der Folge wurde Palm kurzzeitig in palmOne umbenannt, bis die Firma 2005 sämtliche Namensrechte von PalmSource erwarb und heute wieder als Palm Inc. auftritt.

Der Windows-Palm

Mittlerweile konzentriert die Firma ihre Entwicklungsarbeit vor allem auf die Treo Smartphones, von denen bisher rund drei Millionen Stück abgesetzt werden konnten. Digitale Organizer bilden aber weiterhin das Rückgrat des Unternehmens.

Vor allem die mit Preisen ab 99 Euro sehr günstige Zire-Serie hilft Palm, verlorenes Terrain von der Windows-Fraktion zurückzuerobern. Nach einer aktuellen Studie der GFK (GfK - SOS Market Germany 2005), ist Palm im Jahr 2005 nach verkauften Geräten in der Kategorie Handheld und Smartphone wieder der führende Anbieter mobiler Lösungen in Deutschland.

Diese Führung will man offenbar ausbauen und schreckt dabei auch vor früher undenkbaren Allianzen nicht zurück. So arbeitet Palm seit einiger Zeit mit Microsoft zusammen und liefert seit Anfang des Jahres ein erstes Palm-Smartphone mit Windows-Mobile-Betriebssystem, den Treo 700w aus. Treue Palm-Fans müssen sich aber dennoch keine Sorgen um "ihre" Plattform machen. Vorerst gibt es den Windows-Palm nur in den USA - und ein Ende der Palm-OS-Geräte ist bisher nicht abzusehen.

Matthias Kremp

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 27.03.2006


Debatte

insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Norbert Roth am 3. Dezember 2007, 12:12
Hallo Zusammen

Ich halte den Siegeszug nicht für beendet, als User des Palm T/X halte ich die Geräte immer noch für führend (usability, SW, HW). Grundsatz -...


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