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1925

Amazonas-Expedition 1925

Lost im Regenwald


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Percy Fawcett: Der Abenteurer und Ethnologe war zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder zu Forschungsreisen in Südamerika unterwegs. 1925 brach er zu seiner letzten Expedition auf, um im Amazonasgebiet die geheimnisvolle Stadt Z zu finden. Der Forscher kehrte von dieser Reise nie zurück.

Er machte sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Stadt Z - und kehrte nie zurück. Vor gut 80 Jahren verschwand der Geograf Percy Fawcett im brasilianischen Urwald. Kürzlich entdeckte Dokumente lassen nun vermuten: Er kam seinem Ziel näher als bislang gedacht. Frank Thadeusz


Ein Jahr vor seiner letzten Mission ist der große Abenteurer so gut wie erledigt. Percy Harrison Fawcett, Oberst der britischen Armee, ist so abgebrannt, dass er mit seiner Familie in eine Hütte ohne Strom und fließend Wasser umziehen muss. Berühmt als Held vergangener Expeditionen in Brasiliens Dschungel, erwägt er nun zur Stabilisierung der Haushaltskasse den Verkauf von Mobiliar. Seinen Mitgliedsbeitrag von drei Pfund für die Royal Geographical Society bleibt er schuldig.

Umso eifernder verfolgt der Urwaldveteran jenen Plan, der ihm Rettung aus dem ehrabschneidenden Dasein verheißt: Fawcett will die geheimnisvolle Stadt Z finden, eine angebliche Hochkultur mitten im lebensfeindlichen Amazonasgebiet. Begleitet von seinem Sohn Jack und dessen bestem Freund zieht der knorrige Asket im Frühjahr 1925 los. Auf mehr als eine Handvoll vager Hinweise auf die mysteriöse Dschungelmetropole kann er sich nicht stützen.

Die Letzten, die den Trupp wenige Wochen nach Expeditionsbeginn zu Gesicht bekommen, sind ein paar Indianer. Dann verschwindet die Mannschaft für immer im Dickicht des Urwalds. Seitdem rätseln Archäologen, Geografen und Hobbyforscher: Welches Schicksal hat das Trio in der unwirtlichen Fremde ereilt?

Außer aberwitzigen Spekulationen förderten die Fawcett-Fans bislang wenig zutage. Jetzt jedoch werfen gleich mehrere Funde ein neues Licht auf den Mythos. So akribisch wie keiner vor ihm recherchierte der US-Autor David Grann die Geschichte Fawcetts. Er stieß dabei auf bislang unbekannte Dokumente und Aufzeichnungen des Abenteurers, die eine Enkelin des Verschollenen im Wohnzimmerschrank gehortet hatte. Soeben erst erschienen, gingen die Rechte an der Biografie schon an den Hollywood-Darsteller Brad Pitt. (David Grann: The Lost City of Z". Simon & Schuster, London, 340 Seiten)

Unterdessen gelang dem US-Anthropologen Michael Heckenberger ein Fund, der Fawcetts vermeintlich fixe Idee von der Stadt Z im Rückblick geradezu visionär erscheinen lässt. Der Forscher von der University of Florida traute seinen Augen kaum, als er mitten im Dschungel diverse ringartige Mulden von über einem Kilometer Durchmesser entdeckte, in denen allerhand kunstvoll bemalte Überbleibsel altertümlicher Tongefäße verstreut lagen.
Bei näherer Inspektion erwiesen sich die Erdlöcher als fachmännisch ausgehobene Festungsgräben, die einst gar mit Palisaden umgeben gewesen waren. Zudem sichtete Heckenberger unter wucherndem Gestrüpp Spuren eines komplizierten Straßennetzes, das die einzelnen Wehranlagen miteinander verbunden hatte.

Offenkundig kultivierten Indianerstämme bereits vor etwa tausend Jahren den Urwald mit einem vergleichsweise hoch entwickelten System von Siedlungen, das nach Ansicht Heckenbergers den Vergleich mit den gleichzeitig errichteten Anlagen des mittelalterlichen Europa nicht zu scheuen braucht.

Fawcett war allem Anschein nach auf bestem Wege dorthin. Bislang gingen die Exegeten davon aus, dass der zunehmend starrsinnige Eigenbrötler am Ende heil- und planlos durch die Finsternis irrlichterte. Seit Jahrzehnten scheitern nachfolgende Expeditionen denn auch an dem Versuch, jene Route aufzuspüren, die der Dschungelkämpe auf seiner letzten Odyssee durch die Wildnis genommen hatte. Erst jetzt wird klar, warum.

Fawcett hatte bewusst falsche Fährten gelegt, um mögliche Nachahmer und Konkurrenten in die Irre zu führen, wie Grann herausfand. Der Haudegen verabredete mit seiner Frau Nina gar einen Zifferncode, um die Standorte seiner Dschungelcamps geheim zu halten.

Inzwischen scheint gesichert, dass Fawcett sich ziemlich direkt auf jenen Ort zubewegte, an dem Forscher Heckenberger Jahrzehnte später nun die Überreste altertümlicher Wohnanlagen entdeckt hat. Womöglich ist der Abenteurer gar an seinem Ziel vorbeigestolpert. Die imposanten Ruinen der Maya und Inka im Hinterkopf, erwartete Fawcett grandiose Pyramiden, zumindest aber staunenswerte Dschungelarchitektur.

Denkbar, dass der archäologisch eher unbedarfte Draufgänger die auf den ersten Blick unscheinbaren Zeichen der vergangenen Hochkultur am Boden gar nicht erkannte.

Welches Schicksal das kleine Kommando letztlich genommen hat, bleibt einstweilen unklar. Den Männern drohten ohne Zweifel allerlei Gefahren; der auf schmerzhafte Weise in den Penis eindringende Harnröhrenwels mag davon noch nicht mal die schlimmste gewesen sein. Grauslicher noch wütete die Dschungelkrankheit Espundia, die ihren Opfern das Fleisch um Oberlippe und Nase vom Knochen frisst. Besonders bedrohlich aber waren jene reizbaren Indianerstämme, die Eindringlinge mit kurzen Holzknüppeln totzuprügeln pflegten.

Bestenfalls entging Fawcett all diesen Schrecken und endete genau so, wie er vom belgischen Zeichner Hergé in Band 5 der Serie "Tim und Struppi" dargestellt wird: als zivilisationsmüder Greis mit weißen Haaren und Rauschebart.

Frank Thadeusz




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insgesamt 2 Beiträge zur Debatte
Michael Redeker am 23. August 2009, 19:56
"Harnröhrenwels"! Mann Gottes. Da ist auch der Wikipedia-Hinweis, das Fischlein stürbe schnell ab, nicht wirklich tröstlich.

Man sollte sich im...

Ralf Bülow am 23. August 2009, 19:09
Die Forschungen von Herrn Heckenberger ändern nichts daran, dass Fawcetts Ende mehr oder weniger gesichert ist: Mit seinen Kräften am Ende wurde er von Indianern...


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