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1989-1990

Maggie Thatcher und die Wiedervereinigung "Die Deutschen sind wieder da!"


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Politisch Verbündete: Die britische Premierministerin Margaret Thatcher und den deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl verbanden über Jahre eine herzliche persönliche Abneigung - nach außen hin gaben sich die beidem Konservativen wie bei diesem Treffen im September 1986 in Bonn als harmonisches Paar. Die politischen Manöver, mit denen Thatcher gut drei Jahre später die Teilung Deutschlands aufrecht zu halten versuchte, irritierten Kohl dennoch schwer.

Margaret Thatcher war erbitterte Gegnerin der deutschen Wiedervereinigung, und das vertrat sie offensiv: "Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da", erklärte die britische Premierministerin nach dem Mauerfall. Jetzt belegen bislang geheim gehaltene Dokumente, wie isoliert die Eiserne Lady damit war. Von Carsten Volkery, London


Die Feindseligkeit hat Helmut Kohl nie vergessen, die ihm am 8. Dezember 1989 beim EG-Gipfel in Straßburg entgegenschlug. Zehn Tage zuvor hatte er seinen Zehn-Punkte-Plan zur deutschen Wiedervereinigung vorgelegt, und die anderen europäischen Regierungschefs reagierten mit unverhohlenem Misstrauen auf den deutschen Alleingang. In seinen Memoiren beschreibt der frühere Bundeskanzler, wie die britische Premierministerin Margaret Thatcher beim Abendessen der damals noch zwölf Regierungschefs den berühmten Satz sprach: "Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da".

Dass Thatcher eine erbitterte Gegnerin der deutschen Wiedervereinigung war, ist kein Geheimnis. Neue Dokumente, die am Donnerstag vom britischen Außenministerium in Buchform veröffentlicht wurden, zeigen, wie sie ihre Regierung nach dem Mauerfall zum hinhaltenden Widerstand verdonnerte. Mehrfach pfiff sie ihren Außenminister Douglas Hurd und den deutschfreundlichen britischen Botschafter in Bonn, Christopher Mallaby, zurück, der bereits am Tag des Mauerfalls Zustimmung zur Wiedervereinigung signalisieren wollte.

"In unserem eigenen Interesse" solle Hurd sich bei seinem anstehenden Deutschlandbesuch positiv zur deutschen Frage äußern, schrieb Mallaby am 9. November 1989 an den Außenminister. Als Hurd einige Tage später Berlin besuchte, erklärte er jedoch brav im Einklang mit Thatchers Linie, die Frage der Wiedervereinigung stehe "nicht auf der Tagesordnung".

Rückkehr der "bösen Deutschen"?

Die 500 Seiten Akten aus der Zeit zwischen April 1989 und November 1990 enthüllen auch, wie Frankreichs Präsident Francois Mitterrand die britische Premierministerin bei vertraulichen Gesprächen in ihrem Argwohn gegen die Deutschen noch bestärkte. Bei einem Mittagessen im Elysee-Palast am 20. Januar 1990 warnte er Thatcher, die Wiedervereinigung werde dazu führen, dass Deutschland mehr Einfluss in Europa gewinne als Hitler je hatte. Düster prognostizierte Mitterrand eine Rückkehr der "bösen Deutschen". Dies geht aus bisher geheimen Aufzeichnungen des außenpolitischen Beraters Thatchers, Charles Powell, hervor.

Mitterrand hatte sich im Januar 1990 bereits mit der Wiedervereinigung abgefunden, er sah sie als unaufhaltsam an. Er hielt es jedoch offensichtlich für nützlich, wenn jemand wie Thatcher in der Öffentlichkeit noch Widerstand leistete. Das würde es einfacher machen, den Deutschen bei der europäischen Einigung Zugeständnisse abzuringen.

Thatcher hingegen glaubte bis Februar 1990 daran, den Prozess zumindest verlangsamen zu können. Ihr ging alles viel zu schnell. Sie fürchtete, dass der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow durch die Wiedervereinigung destabilisiert würde - was sich im Nachhinein als nicht falsch herausstellte. Sie wollte eine fünfjährige Übergangslösung mit zwei deutschen Staaten. Sie teilte auch nicht Mitterrands Optimismus, die Deutschen durch eine stärkere Einbindung in europäische Institutionen zähmen zu können. "Die Probleme werden durch eine Stärkung der Europäischen Gemeinschaft nicht gelöst", schrieb sie am 2. Februar 1990 in einem internen Vermerk. "Deutschlands Ehrgeiz würde dann der dominante und aktive Faktor werden".

Mrs. Thatchers Bauchgefühl

In der Öffentlichkeit fiel Thatcher durch schrille Warnungen vor deutschem Großmachtstreben auf. So behauptete sie in einem SPIEGEL-Gespräch am 26. März 1990, dass Kohl ihr gegenüber gesagt habe, er erkenne die Oder-Neiße-Grenze zu Polen nicht an. Kohl reagierte empört und bestritt das ihm zugeschriebene Zitat.

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist das britische Außenministerium nun um die Ehrenrettung der damaligen britischen Akteure bemüht. Die veröffentlichten Dokumente sollen beweisen, dass die Diplomaten im Außenministerium wesentlich weitsichtiger waren als Thatcher, die sich mehr von ihrem Bauchgefühl gegen Deutschland leiten ließ.

Die britische Regierung habe auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung eine viel konstruktivere Rolle gespielt als bisher angenommen, heißt es im Außenministerium. Nur eine Person habe erhebliche Bedenken gehabt - Margaret Thatcher.

Selbst die eiserne Lady gab ihren Widerstand jedoch allmählich auf, als der Rahmen für die Zwei-plus-Vier-Verhandlungen geklärt war. Nach einer Sitzung auf Chequers, dem Landsitz der britischen Premierminister, am 27. Januar stellte Außenminister Hurd eine Veränderung an der Regierungschefin fest. "Die üblichen Tiraden gegen den Eigennutz der Deutschen, aber das Verlangen, die Wiedervereinigung zu stoppen, kommt jetzt seltener", notierte er in sein Tagebuch.

Am 23. Februar mahnte Hurd in einem Gespräch mit Thatcher: "Wir dürfen nicht so wirken, als stünden wir ständig auf der Bremse. Wir sollten vielmehr eigene positive Ideen vorstellen". Die Autoren des Buches sprechen von einem "Abnutzungskrieg" des Außenministeriums, der Thatcher langsam zermürbt habe. Die Tatsache, dass Frankreich, die Sowjetunion und die USA die Wiedervereinigung unterstützten, tat ihr Übriges. Nach und nach bewegte Thatcher sich in den deutschlandpolitischen Mainstream. Ihren Argwohn gegen die Deutschen verlor sie jedoch nie.

Im März 1990 lud sie Historiker und Politiker zur Diskussion nach Chequers ein. Das Thema: Wie gefährlich sind die Deutschen? Am Ende des Seminars, notierte ihr Berater Powell, sei man sich einig gewesen: "Wir sollten nett sein zu den Deutschen".



Debatte

insgesamt 9 Beiträge zur Debatte
Andreas Meier am 9. April 2013, 12:14
Damit müssen die Rückzahlungen der Reparationen an die Russen gemeint sein, die der Osten alleine tragen mußte, obwohl Deutschland den Krieg begonnen und verloren...

Martin Bitdinger am 5. Januar 2013, 11:24
Schade, daß Frau Thatcher sich nicht dursetzen konnte. Uns in Westdeutschland wäre vieles erspart geblieben ! Im wahrsten Sinne des Wortes.


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