| Wolfgang Schäuble: Der Bundesinnenminister begibt sich am 22. November 1990 in der Rehabilitationsklinik Langensteinbach bei Karlsruhe zu seiner ersten Pressekonferenz nach dem Attentat. Knapp sechs Wochen zuvor, am 12. Oktober, war er während einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in seinem Wahlkreis in Oppenau/Mittelbaden von einem geistig verwirrten Mann durch zwei Schüsse aus einem Revolver schwer verletzt worden. |
Es fielen drei Schüsse - dann wälzte sich Wolfgang Schäuble auf dem Boden. Auf einer Wahlkampfveranstaltung wurde der damalige Bundesinnenministervon einem geistig verwirrten Attentäter schwer verletzt. Seither sitzt der CDU-Politiker im Rollstuhl.
Mit blutigen Angriffen auf zwei führende Politiker bleibt der Wahlkampf zum ersten gesamtdeutschen Bundestag im Jahr 1990 in unguter Erinnerung. Im April 1990 wurde Oskar Lafontaine, SPD-Kandidat und Kohl-Herausforderer, von einer geistig verwirrten Frau mit einem Messer angegriffen und nahe der Halsschlagader verletzt, Lafontaine überlebte. Ein halbes Jahr später, am 12 Oktober 1990, schoss ein geistig verwirrter Täter auf den damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble. Seitdem sitzt Schäuble querschnittsgelähmt im Rollstuhl.
Das Attentat
Am Abend des 12. Oktober 1990 gastierte Wolfgang Schäuble auf seiner Tour zum Bundestagswahlkampf im badischen Oppenau im idyllischen Schwarzwald. Schwer würde es der Innenminister an diesem Abend nicht haben. Die knapp 300 Zuhörer im Oppenauer Gasthof "Bruder" waren fast ausnahmslos Anhänger der CDU. Der Journalist Hans-Peter Schütz hat Wolfgang Schäubles politisches Leben jahrelang begleitet und wurde zum Zeugen des Attentats: "Die waren begeistert von ihrem Mann. Er hat in diesem Wahlkreis immer weit über 50 Prozent Stimmen bekommen. Er hat eine Rede gehalten und da haben sie alle total begeistert geklatscht. Das war im Heimatwahlkreis! Das war für ihn keine besonders riskante Geschichte."
Unter den begeisterten Zuhörern war auch der bereits vorbestrafte 36-jährige Vermessungsgehilfe Dieter Kaufmann. Still und unauffällig verfolgte er die eineinhalbstündige Wahlkampfrede. Als Wolfgang Schäuble gegen 22 Uhr den Gasthof verlassen möchte, zog Kaufmann aus seiner schwarzen Lederjacke einen kleinen Trommelrevolver. Die Waffe hatte er aus dem Jagdschrank seines Vaters entwendet. Kaufmann drückte aus nächster Nähe drei Mal ab.
Tatmotiv Rache
Der erste Schuss traf Schäuble am Kopf und zertrümmerte die rechte Kieferseite. Die zweite Kugel ging direkt in den Rücken und blieb an der Wirbelsäule stecken. Durch eine schnelle Reaktion konnte Schäubles Personenschützer die dritte Kugel abfangen und erlitt einen Bauchstreifschuss. Hans-Peter Schütz sagte später darüber: "Ich selbst habe es zunächst gar nicht gemerkt. Ich dachte, es sind zwei Ballons geplatzt dort drinnen. Bis er plötzlich vor meinen Füßen lag und sein Bein noch zuckte und er stöhnte ,Ich spüre mein Bein nicht mehr'. Dann ging die Tür auf, seine Tochter Christine kam herein und schrie, als sie ihren Papa da auf dem Boden liegen sah."
Als Grund für seine Tat gab Kaufmann später zu Protokoll, er habe sich für den "psychischen und physischen Terror" rächen wollen, den ihm der Staat angetan habe. Schäuble habe er als Zielscheibe seiner Rache gewählt, weil dieser eine Symbolfigur der Bundesrepublik sei. Noch in der Nacht wurde Schäuble in die Freiburger Uniklinik geflogen. Fachärzte kämpften mehrere Tage um das Leben des Innenministers. Schäuble, der zuvor jede Minute seiner Freizeit mit Tennis, Fußball oder Laufen verbrachte, bleibt mit einer Querschnittslähmung ab dem dritten Brustwirbel abwärts, für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt.