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1950

Werbung damals Kauf dir die Zukunft!


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Sitzen und shoppen: 1956 stellt ein Inserat in "Scientific American" die Möglichkeit eines "Drive-in-Market" vor. Der Kunde müsste dort sein Auto nicht mehr verlassen. An einem Monitor würde er einfach die Produkte auswählen - die dann umgehend per Fließband zum Auto geliefert werden.

Haarwuchshelme, Nasenformer und eine Röntgenbrille für den erotischen Durchblick: Fortschrittsglaube hatte in den fünfziger Jahren Hochkonjunktur. In Anzeigen bewarben findige Geschäftsmänner Science-Fiction für zu Hause - inklusive einem "Wunder-Warenhaus", das von selbst einkauft. Von Sibel Sen


"Ein Wocheneinkauf in Minuten! Und Sie sind nicht einmal aus Ihrem Wagen ausgestiegen", schwärmt eine Zeitungsanzeige. Darüber zeigt ein knallbuntes Bild, wie Menschen in einer Art Drive-In-Supermarkt an Bildschirmen ihre Einkäufe auswählen, und schon kommen die Waren per Fließband angefahren. Diese Vision stressfreien Shoppens präsentierte General Motors 1956 - und prophezeite, dass diese schon 1959 Realität werden könne. Für 1962 sagte der Konzern in einer anderen Anzeige gar voraus, dass der Kunde das Haus überhaupt nicht mehr verlassen müsse, um einzukaufen. Bei diesem "Wunder-Warenhaus" würde eine Art robotergesteuerter Lieferservice über Sensoren erkennen, was dem Bewohner im Haushalt fehlt, und die Produkte per Fließband direkt in die Wohnung liefern.

In Wirklichkeit wollte die Firma General Motors, die die Anzeigen schaltete, natürlich etwas viel Banaleres an den Mann bringen - ihre neuen Kugellager, mit denen all die schlauen Fließbänder laufen sollten. Dennoch zeigen die beiden Reklameseiten, dass Ende der fünfziger Jahre für viele Menschen auch die abgefahrensten Zukunftsvisionen zum Greifen nahe schienen. Auch andere Firmen versuchten, aus der Fortschrittsgläubigkeit der fünfziger Jahre Profit zu schlagen. In Anzeigen offerierten sie die irrsten Produkte.

Gerade in populären Wissenschaftsmagazinen hatte Werbung für verrückte Science-Fiction-Gadgets Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts Hochkonjunktur. In Heften wie "Modern Mechanix", "Popular Science" oder "Popular Mechanics" versuchten findige Werber, den Lesern die absurdesten Gadgets aufzuschwatzen. Kein Wunder. In den bunten Heften schwadronierten die Autoren von künstlichen Menschen, Strahlenkanonen und Kolonien im Weltraum. Und dazwischen konnten sich die Leser ein Stückchen Science-Fiction nach Hause bestellen.

Bananenentkerner und Noseshaper

So wurde ein Gerät beworben, das Bananen "entkernt" und mit Eiscreme befüllt - alles ohne die Schale lösen zu müssen. Oder ein Zigarettenspender, der die Glimmstängel beim Herausnehmen auf Knopfdruck auch gleich anzündet.

Auch für diverse optische Makel boten die Hersteller patente Lösungen an. Während Schönheitsbewusste heute Tausende Euro auf den Tisch legen, um sich Nasen richten oder Haare transplantieren zu lassen, waren die Lösungen für solche Probleme früher deutlich schmerzfreier. Für eine "besser aussehende Nase" bot ein professioneller Nasengestalter aus New York seinen Noseshaper an. Die kleine Maske sollte man einfach mit Schnüren am Kopf befestigen und schon würden "der Knorpel und das Fleisch" neu modelliert - "oder Geld zurück". Auch die Volkskrankheit Haarausfall hatte in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ihren Meister gefunden: eine "neue Art Hut", wie die Anzeige erklärte. Der Herr mit Wunsch nach kräftigerem Haar konnte sich für kleines Geld eine stählerne Kopfbedeckung mieten, die die Haare per Unterdruck aus dem Schädel des kahlen Patienten locken sollte.

Kaum ein Alltagsproblem blieb ohne Lösung. Schon 1901 ließ J. Matthew Castle sich die faltbare Duschkabine patentieren, spezielle Filter sollten später das Rauchen im Bett sicherer machen, die Ein-Dollar-Röntgenbrille versprach, ihrem voyeuristischen Träger erotischen Durchblick zu verschaffen. Am Ende funktionierten wohl die wenigsten dieser visionären Erfindungen. Doch heute sind diese Anzeigen Zeugen einer Zeit, in der sich jeder ein Stück Science-Fiction ins Haus holen konnte. Wenn auch per Post und nicht wie 1956 von General Motors versprochen direkt über das Fließband des "Wunder-Warenhauses".



Debatte

insgesamt 3 Beiträge zur Debatte
Peter Kreft am 5. November 2009, 13:47
Einige dieser Anzeigen kenne ich noch recht gut aus den sechzigern als in vielen deutschen Heftserien auf der U3 solche Kleinanzeigen geschaltet waren, sogar mit den gleichen...

Martin Siegel am 5. November 2009, 13:40
>Die Werbung für Pyrex-Glas hat in dieser ansonsten amüsanten Sammlung nichts zu suchen. Pyrex ist ein amerikanischer Markenname für Borosilikatglas, das heute...


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