Über einestages

1939

Seekrieg Kaperfahrt unterm Hakenkreuz


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"Admiral Graf Spee": Der deutsche Panzerkreuzer versetzte die Royal Navy in helle Aufregung. Die britischen Frachter hatten dem hochmodernen und schnellen Kriegsschiff wenig entgegenzusetzen. Binnen zwei Monaten versenkte die "Spee" neun Handelsschiffe und störte den Seehandel zwischen Großbritannien und Argentinien empfindlich.

Es war die erste Seeschlacht des Zweiten Weltkriegs - und sie endete mit einer schweren Schlappe für Hitler: Vor 70 Jahren versenkte sich der deutsche Panzerkreuzer "Admiral Graf Spee" auf der Flucht vor der Royal Navy an der Küste Uruguays selbst - Spuren der Überlebenden finden sich dort bis heute. Von Mirco Lomoth


Die weiß getünchten Gebäude stehen noch immer, daneben der Fußballplatz und das Boccia-Feld. Und bis vor kurzem konnte man sie noch hier im Städtchen Villa General Belgrano, in der Nähe der argentinischen Metropole Córdoba, beim Stammtisch in der Bar Miguel bei Kaffee, einem Glas Wasser und Obstbrand treffen: echte "Graf Speeler". Zum Beispiel Gustav Dittrich. 1939 diente er als Matrosenobergefreiter auf dem deutschen Panzerkreuzer "Admiral Graf Spee". Das Schicksal der "Spee" sollte vor genau 70 Jahren auch sein Leben dramatisch verändern und dafür sorgen, dass der gebürtige Schlesier Dittrich seinen Lebensabend in der argentinischen Provinz verbringen würde.

17. Dezember 1939, gegen 17.30 Uhr: Ein Sprengkommando holt die Reichskriegsflagge vom Fahnenmast der "Admiral Graf Spee" ein und verlässt das Schiff. Schlepper nehmen die Männer an Bord. Wenig später, um genau 19.52 Uhr, detonieren die Sprengladungen. Hunderttausende Schaulustige verfolgen vom Hafen der uruguayischen Hauptstadt Montevideo aus das schaurige Schauspiel, das sich nur wenige Kilometer vor der Küste in der Mündung des Rio de la Plata abspielt: Als die Munitionskammern explodieren, schießen schwarze Rauchsäulen aus dem Rumpf. Die "Spee" geht in Flammen auf. Drei Tage lang brennt das Schiff, bevor es ganz langsam auf den schlammigen Grund der Flussmündung sinkt.

Die Selbstversenkung der "Admiral Graf Spee" ist das dramatische Ende des ersten Seekriegskapitels des Zweiten Weltkriegs. Als der Anfang September 1939 beginnt, befindet sich die "Admiral Graf Spee" mit rund 1100 Mann Besatzung unter dem Kommando von Kapitän Hans Langsdorff im Südatlantik, mit Kurs auf Südamerika. Schon im August war die Order zur geheimen Mobilmachung erfolgt. Am 26. September gibt das Oberkommando den Befehl zum offenen Handelskrieg. Der britische Seehandel zwischen Argentinien und dem Vereinten Königreich soll unterbrochen werden - die Kaperfahrt beginnt. Das Versorgungsschiff "Altmark" wartet an verabredeten Treffpunkten, während die "Spee" auf Jagd geht.

Die erste Seeschlacht des Zweiten Weltkriegs

Die britischen Frachter und Tanker haben dem modernen Kriegsschiff nichts entgegenzusetzen. Mit der vollen Kraft ihrer 55.400-PS-Dieselmotoren fährt die "Spee" auf ihr Opfer zu, dreht in einer Seemeile Abstand bei und fordert vom Gegner Funkstille. Ein Prisenkommando wird übergesetzt, um Geheimdokumente zu sichern und die Mannschaft in Schach zu halten und auf die "Altmark" zu verfrachten. Dann wird das gegnerische Schiff versenkt. Neun Handelsschiffe werden innerhalb von nur zwei Monaten auf diese Weise gestellt, insgesamt rund 50.000 Bruttoregistertonnen.

Die britische Admiralität ist in Alarmstimmung. Doch obwohl die Royal Navy ihre Flotte im Südatlantik verstärkt, gelingt es ihr nicht, die "Spee" ausfindig zu machen. Erst am 13. Dezember wendet sich das Blatt vor der Küste Südamerikas. Ein norwegisches Handelsschiff hat den Engländern den genauen Standpunkt des deutschen Panzerschiffs gemeldet. In aller Frühe schellen auf der "Spee" die Alarmglocken: britische Kreuzer in Sicht. Doch anstatt mit der Kraft der überlegenen Dieselmotoren der "Spee" das Weite zu suchen, befiehlt Kapitän Langsdorff lieber martialisch den Angriff.

Er verlässt sich auf sein hochgerüstetes Schiff, eine moderne Kampfmaschine. Doch die steht einer feindlichen Übermacht gegenüber - dem Schweren Kreuzer "Exeter" und den Leichten Kreuzern "Achilles" und "Ajax" der Royal Navy. Um 18.17 Uhr beginnt die erste Seeschlacht des Zweiten Weltkriegs: Kapitän Langsdorff gibt den Feuerbefehl. Aus sechs 28-Zentimeter-Geschützen und mehreren kleineren Kanonen donnern Granaten der "Spee" in Richtung des britischen Verbands. Keine halbe Stunde später muss sich die "Exeter" schwer getroffen aus dem Gefecht zurückziehen.

Selbstmord auf der Reichskriegflagge

Doch die britische Artillerie schlägt zurück. "Achilles" und "Ajax" nehmen die "Admiral Spee" in die Zange und feuern von beiden Seiten auf den deutschen Panzerkreuzer. Stark angeschlagen dreht die "Spee" bei und flieht in Richtung Festland, hin zum Hafen von Montevideo, der Hauptstadt Uruguays - und tatsächlich gelingt es ihr, zu entkommen. Gegen Mitternacht wirft die "Admiral Graf Spee" auf der Reede in der Mündung des Rio de la Plata vor Montevideo Anker. Auf deutscher Seite sind 36, bei den Briten 72 Seeleute gefallen.

Uruguay ist neutral. Doch die Behören verlangen auf Drängen des britischen Botschafters Sir Eugen Millington-Drake, dass das deutsche Schiff Uruguay spätestens nach 72 Stunden wieder verlässt. An eine Reparatur ist in dieser kurzen Zeit nicht zu denken und draußen auf See lauert die Royal Navy. Kommandant Langsdorff steckt in einem furchtbaren Dilemma: Um keinen Preis darf die hochmoderne Kriegstechnik an Bord in die Hände des Gegners fallen.

Auslaufen aber bedeutet, direkt in die Arme der Briten zu fahren. So fasst Langsdorff seinen Plan. Am Abend des 17. Dezember, nach Ablauf des Ultimatums, lässt er sein kampfunfähiges Schiff auslaufen. Aber er vermeidet eine aussichtslose Schlacht bis zum letzten Mann. Ein Kommando zerstört die geheime Militärtechnologie an Bord und bringt Zeitzünder an; die Besatzung ist da schon längst auf dem Weg nach Buenos Aires in die Internierung in Argentinien.

Langsdorff zerbricht an seiner Entscheidung. Er ist nicht in einer heroischen Schlacht bis auf den letzten Mann kämpfend untergegangen - so wie der der Namenspatron seines Schiffs, den Langsdorff als großes Vorbild verehrt: Vizeadmiral Maximilian Reichsgraf von Spee hatte sich 25 Jahre zuvor zu Beginn des Ersten Weltkriegs bei den Falkland-Inseln mit dem kaiserlichen Ostasien-Geschwader kopfüber in eine aussichtslose Schlacht gegen eine technisch und zahlenmäßig überlegene britische Flotte gestürzt. Mehr als 2000 Seeleute waren dabei ums Leben gekommen, Graf von Spee war an Bord der sinkenden "SMS Scharnhorst" gefallen.

Die letzten deutschen "Marineros"

Langsdorff sieht nun nur noch einen Ausweg: In seinem Hotelzimmer in Buenos Aires begeht er Selbstmord. Drei Tage nach der Selbstversenkung findet man ihn dort tot - auf der kaiserlichen Reichskriegsflagge der "Graf Spee" liegend. Er hatte sich tags zuvor in den Kopf geschossen. Tausende begleiten den Sarg des Kapitäns, die Tore des deutschen Friedhofs von Buenos Aires müssen sogar wegen des großen Andrangs geschlossen werden.

Die Besatzung der "Spee" bleibt zunächst in Argentiniens Hauptstadt und wird dann aufs Land verteilt. Viele kommen in die Kleinstadt Villa General Belgrano, wo sich die deutschen Seeleute außerhalb ein Lager bauen müssen. Nach Kriegsende werden die deutschen Seeleute 1946 auf dem britischen Truppentransporter "Highland Monarch" als Kriegsgefangene von Argentinien nach Hamburg verfrachtet, darunter auch Gustav Dittrich. In Ostfriesland musste er Zwangsarbeit leisten. Doch nach seiner Entlassung zieht es ihn aus dem zerstörten Deutschland schon bald wieder nach Villa General Belgrano zurück; 2008 stirbt er dort. Er war einer der letzten deutschen "Marineros": Heute lebt dort nur noch der inzwischen 90-jährige Fritz Sander, damals Maat an Bord der "Admiral Graf Spee".

Und die schlummert immer noch am Grund des Rio de la Plata. Gleich mehrere Pläne zur Bergung des Schiffs wurden verworfen. Dennoch konnten immer wieder einzelne Wrackteile gehoben werden: 1997 zunächst ein 150-Millimeter-Geschütz und 2004 der 27 Tonnen schwere Entfernungsmesser des Vorderdecks, mit dem die Distanz zu feindlichen Schiffen bestimmt wurde. Im Februar 2006 bargen Taucher sogar einen 300 Kilogramm schweren Bronzeadler mit Hakenkreuz, der am Heck des Schiffes befestigt war. Doch damit soll jetzt endgültig Schluss sein: Die Regierung in Montevideo hat inzwischen weitere Bergungen untersagt.


Debatte

insgesamt 3 Beiträge zur Debatte
Markus Deter am 23. Dezember 2009, 16:43
Der Artikel enthält leider nicht nur diesen Fehler. Wenn man nämlich die Geschichtsschreibung beider Seiten zu Worte kommen lässt, wird folgendes Bild...

Rudi Schmidt am 18. Dezember 2009, 12:27
Der Artikel enthält einen sachlichen Fehler. Die Graf Spee war vom Typ ein Panzerkreuzer. Das Konzept bestand darin, zumindest bei der Planung des Schiffes, schneller zu sein...


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