| Kultfigur "Sisi": Das Ölgemälde des deutschen Porträtmalers Franz Xaver Winterhalter zeigt Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn. Von vielen wurde "Sisi" zur fortschrittlichen Kultfigur hochgelobt und als Vorkämpferin der Emanzipation gefeiert. Sie habe sich mit dem Ziel der Selbstverwirklichung einen klaren Abstand zu ihrem Ehemann, dem Habsburger-Kaiser Franz Joseph, erkämpft. Wissenschaftler stehen dieser These eher skeptisch gegenüber. "Sisis" historischer Einfluss ist umstritten. |
Schicksalsleben einer Kaiserin: Jeder kennt die "Sissi"-Dramen - doch kaum jemand weiß um das wahre alptraumhafte Leben der Filmvorlage. Elisabeth hasste die Monarchie, litt ständig unter Schmerzen, ihr Sohn beging Selbstmord. Am Ende wurde sie, des Lebens längst müde, auf grausame Weise umgebracht. Von Karen Andresen
Zuerst kamen die Militärs. Josef Graf Radetzky etwa und Alfred zu Windischgrätz. Dann folgten die Botschafter, die Gesandten, deren Ehefrauen, die ersten Oberhofmeister, die Kavaliere des Hofstaats. Die Gratulationscour in der Wiener Hofburg wollte und wollte kein Ende nehmen.
Verschüchtert nahm die Braut die Honneurs entgegen, eine 16-Jährige, fast noch ein Kind, soeben vermählt mit Franz Joseph I., von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen, von Venedig, Dalmatien, Kroatien, Galizien und anderen Ländern mehr im Habsburger Riesenreich.
Die vielen Fremden, die sie mehr oder weniger wohlwollend begutachteten, machten dem Mädchen Angst, und irgendwann war es um seine Fassung geschehen. In Panik flüchtete Sisi in ein Nebenzimmer und brach in Tränen aus. Im Audienzsaal tuschelten pikiert die Damen der feinen Wiener Gesellschaft.
So hatte sie sich ihr Leben nicht vorgestellt. "Ich bin erwacht in einem Kerker, und Fesseln sind an meiner Hand", dichtete die junge Frau am 8. Mai 1854, zwei Wochen nach der Hochzeit. Bis zu ihrem Tod rebellierte sie gegen die strenge höfische Etikette: eine Kaiserin, die keine sein wollte und die doch nie eine andere Rolle für sich fand.
"Die Ehe", sagte sie einige Jahrzehnte nach ihrer Vermählung verbittert zu ihrer Tochter Marie Valerie, "ist eine widersinnige Einrichtung." Man werde "als Kind verkauft" und tue einen "Schwur, den man nicht versteht" und den man dann nie mehr lösen könne.

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