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1890

Habsburger-Monarchin "Sisi"

Horror bei Hofe


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Kultfigur "Sisi": Das Ölgemälde des deutschen Porträtmalers Franz Xaver Winterhalter zeigt Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn. Von vielen wurde "Sisi" zur fortschrittlichen Kultfigur hochgelobt und als Vorkämpferin der Emanzipation gefeiert. Sie habe sich mit dem Ziel der Selbstverwirklichung einen klaren Abstand zu ihrem Ehemann, dem Habsburger-Kaiser Franz Joseph, erkämpft. Wissenschaftler stehen dieser These eher skeptisch gegenüber. "Sisis" historischer Einfluss ist umstritten.

Schicksalsleben einer Kaiserin: Jeder kennt die "Sissi"-Dramen - doch kaum jemand weiß um das wahre alptraumhafte Leben der Filmvorlage. Elisabeth hasste die Monarchie, litt ständig unter Schmerzen, ihr Sohn beging Selbstmord. Am Ende wurde sie, des Lebens längst müde, auf grausame Weise umgebracht. Von Karen Andresen


Zuerst kamen die Militärs. Josef Graf Radetzky etwa und Alfred zu Windischgrätz. Dann folgten die Botschafter, die Gesandten, deren Ehefrauen, die ersten Oberhofmeister, die Kavaliere des Hofstaats. Die Gratulationscour in der Wiener Hofburg wollte und wollte kein Ende nehmen.

Verschüchtert nahm die Braut die Honneurs entgegen, eine 16-Jährige, fast noch ein Kind, soeben vermählt mit Franz Joseph I., von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen, von Venedig, Dalmatien, Kroatien, Galizien und anderen Ländern mehr im Habsburger Riesenreich.

Die vielen Fremden, die sie mehr oder weniger wohlwollend begutachteten, machten dem Mädchen Angst, und irgendwann war es um seine Fassung geschehen. In Panik flüchtete Sisi in ein Nebenzimmer und brach in Tränen aus. Im Audienzsaal tuschelten pikiert die Damen der feinen Wiener Gesellschaft.

So hatte sie sich ihr Leben nicht vorgestellt. "Ich bin erwacht in einem Kerker, und Fesseln sind an meiner Hand", dichtete die junge Frau am 8. Mai 1854, zwei Wochen nach der Hochzeit. Bis zu ihrem Tod rebellierte sie gegen die strenge höfische Etikette: eine Kaiserin, die keine sein wollte und die doch nie eine andere Rolle für sich fand.

"Die Ehe", sagte sie einige Jahrzehnte nach ihrer Vermählung verbittert zu ihrer Tochter Marie Valerie, "ist eine widersinnige Einrichtung." Man werde "als Kind verkauft" und tue einen "Schwur, den man nicht versteht" und den man dann nie mehr lösen könne.




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Dabei hatte alles ganz romantisch begonnen. Im August 1853, einige Tage vor seinem 23. Geburtstag, reiste Franz Joseph nach Bad Ischl, der kaiserlichen Sommerresidenz im Salzkammergut. Er sollte verlobt werden, mit Helene, der ältesten Tochter seiner Tante Ludovika, der Herzogin in Bayern.

Ausgesucht worden war die Braut von Erzherzogin Sophie, des Kaisers energischer Mutter, deren Willen sich Franz Joseph meist widerstandslos beugte.

Diesmal allerdings nicht. Zusammen mit Helene war auch deren drei Jahre jüngere Schwester Elisabeth in Ischl, und der Kaiser, ein gutaussehender Mann mit blonden Haaren und blauen Augen, verliebte sich sofort in das Mädchen, das alle zärtlich Sisi nannten.

"Nein, wie süß Sisi ist", schwärmte er seiner Mutter vor, und auch die Erzherzogin war überaus entzückt. Sisi sei "wie eine Rosenknospe", schrieb sie an ihre Schwester Marie, Sachsens Königin.

Die Verlobung mit Helene wurde abgeblasen, Sisi sollte an der Seite Franz Josephs Herrscherin werden. Sogleich begann der verliebte Kaiser, seine Angebetete mit Geschenken zu überhäufen. Smaragde! Diamanten! Die Braut allerdings freute sich am meisten über eine Schaukel, die ihr Zukünftiger im Garten der kaiserlichen Sommerresidenz für sie aufstellen ließ.

Ansonsten erwiderte das junge Mädchen die Zuneigung ihres sieben Jahre älteren Verlobten zwar, aber schon damals schüchterte sie die viele Aufmerksamkeit ein. Sisi redete kaum und weinte viel. Ihrer Gouvernante gestand sie: "Ich habe den Kaiser schon lieb! Wenn er nur kein Kaiser wäre!"

Nach den Maßstäben der Wiener Gesellschaft war die kleine Sisi keine gute Partie. Ihre Familie, ein Nebenzweig der Wittelsbacher (der legendäre bayerische König Ludwig II. war ein Vetter Elisabeths), hatte am Königshof in München keinerlei Funktionen. Sisis Vater, Herzog Max, war ein belesener Mann, der Gedichte schrieb und sich mit geistreichen, gern auch bürgerlichen Gesprächspartnern umgab. Höfisches Leben war ihm ein Graus.


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