Trauer, Verzweiflung, Wut: Als John F. Kennedy erschossen wurde, weinte die Welt - und 1,5 Millionen Menschen schrieben Kondolenzbriefe an die Witwe. Jetzt erscheint ein Buch mit mehr als 200 ausgewählten Beileidsbekundungen. Sie zeugen von der Bestürzung, die Amerika nach der Schreckenstat erfasste.
Es war ein Schock, der die ganze Welt erschütterte: Am 22. November 1963 wurde John F. Kennedy in Dallas, Texas erschossen. Rund 1,5 Millionen Kondolenzschreiben gingen nach der Ermordung des US-Präsidenten bei seiner Witwe Jacqueline ein. Die meisten davon wurden später vernichtet, doch etwa 200.000 Seiten wurden in der JFK Library in Boston archiviert.
Gut 200 dieser Briefe wurden jetzt in dem Buch "Letters to Jackie: Condolences From a Grieving Nation" (Briefe an Jackie: Kondolenzschreiben einer trauernden Nation) veröffentlicht. Einer stammt zum Beispiel von der damals elfjährigen Jane Dryden aus Austin in Texas. Sie schrieb nach der Ermordung Kennedys: "Ich bin sicher, dass Sie den ganzen Staat Texas jetzt hassen. Ich hasse ihn auch. Ich würde viel lieber in Washington wohnen, wo ich Sie vor Ihrem Haus sehen könnte."
Der Brief von Larry Toomey aus Pennsylvania wurde bereits begonnen, als das ganze Land noch bangend auf Nachrichten über den Zustand des von Kugeln getroffenen Präsidenten wartete: "Meine liebe Frau Kennedy, meine Hand, mein ganzer Körper zittert, während ich diesen Brief schreibe - angesichts dieses schrecklichen Vorfalls heute Nachmittag. Ich sehe unentwegt das CBS-Fernsehen, aber es gibt immer noch keine offizielle Nachricht."
Neue Tränen nach all den Jahren
Die Geschichtsprofessorin Ellen Fitzpatrick von der University of New Hampshire hat über viele Monate hinweg rund 15.000 der damaligen Kondolenzschreiben gelesen. Sie traf dann eine erste Auswahl von 3000 Briefen, aus denen sie sich schließlich für 240 entschied. Nun mussten die Schreiber beziehungsweise deren Nachkommen kontaktiert und um Erlaubnis zur Veröffentlichung gebeten werden.
Etwa 220 Personen wurden erreicht, von denen laut Fitzpatrick lediglich fünf einen Abdruck ablehnten. Ihr sei es darum gegangen, nach den zahlreichen Büchern über den Kennedy-Mord einschließlich der vielfältigen Verschwörungstheorien nun endlich das amerikanische Volk zu Wort kommen zu lassen, erklärte die Historikerin. Die heute 60-jährige Mary Certa aus Kalifornien, die damals über ihre vielen Tränen geschrieben hatte, zeigte sich begeistert von dieser Idee: "Als das Forschungsteam von Professor Fitzpatrick mich anrief und mir meinen alten Brief vorlas, bin ich erneut in Tränen ausgebrochen. Ich fühlte mich vollkommen ins Jahr 1963 zurückversetzt."
mhe/AP



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