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1942

Wüstenforscher Almásy Nazi-Spion, Liebhaber, Teufelskerl


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DER SPIEGEL
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Höllenritt durch die Wüste: Die Karte zeigt die Fahrtroute der von Almásy geleiteten "Operation Salam" im Mai 1942, ausgehend von der Oase Dschalo. Mit dem Lkw quer durch die Wüste Libyens und Ägyptens - ein Himmelfahrtskommando.

Der Wüstenforscher László Almásy schleuste im Zweiten Weltkrieg Nazi-Agenten durch die Sahara, Hollywood setzte ihm mit "Der englische Patient" ein Filmdenkmal. Nun kommen die intimen Geheimnisse des Abenteurers ans Licht. Von Matthias Schulz


Von seinem Geburtshaus, einem Schloss im Burgenland, blickte der Sohn eines ungarischen Adligen oft in die Ferne. Er sehnte sich nach dem Unerreichbaren.

Mit 14 Jahren baute sich der Junge einen Segelflieger, um zum Himmel zu steigen. Er stürzte ab.

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts dann schickte sich László Almásy an, die verschollene Oase Zarzura zu finden. In arabischen Schatzbüchern wird der Sagenort erwähnt. Im Märchen aus "Tausendundeiner Nacht" heißt er "Messingstadt".

Zwei Millionen Quadratkilometer Sahara erkundete der Pionier. Er vermaß, kartografierte und betrat Stellen im Sandmeer, "die kein Menschenauge erblickt hat". Im abgelegenen Wadi Sura stieß er sogar auf bemalte Wohnhöhlen aus der Steinzeit - eine Sensation.

Zarzura aber fand der Forscher nie.

Keine Frage: László Almásy (1895 bis 1951) war ein Ritter der Sehnsucht. Nur wer steckte wirklich hinter diesem Abenteurer, Fluglehrer und Nazi-Agenten, den die Beduinen ehrfürchtig Abu Ramla - Vater des Sandes - nannten? Almásys Tagebücher sind verschwunden. Berichte, die er für das deutsche Spionagenetz verfasste, wurden von den Briten erbeutet und liegen heute im Kriegsarchiv in London unter Verschluss.

Auch das Denkmal, das Hollywood dem Mann setzte, stellt ihn verzerrt dar. Im Melodram "Der englische Patient" stirbt Almásy an einer Überdosis Morphium. Ein todessüchtiger Held, dem eine Frau das Herz brach.

In Wahrheit ging der Forscher 1951 an einer Amöbenruhr zugrunde. Und mit Frauen hatte er es gar nicht.

Aus seinem Nachlass sind jetzt Liebesbriefe aufgetaucht. Almásy schrieb sie als Mitglied des Deutschen Afrikakorps an einen jungen Soldaten namens Hans.

Auch das Heinrich-Barth-Institut für Afrikaforschung in Köln besitzt intime Korrespondenz des schwulen Sandmanns, will sie aber nicht veröffentlichen. Ein Mitarbeiter verrät immerhin: "Zu Almásys Liebhabern gehörten ägyptische Prinzen." Doch auch zu seiner verrücktesten Tat liegen neue Details vor: 1942 schmuggelte er deutsche Agenten ins britisch besetzte Ägypten ("Operation Salam"). Dafür fuhr er 4200 Kilometer weit durch die Ostsahara. Ein Bericht über seine Kriegszeit in Afrika, den Almásy auf Ungarisch verfasste, erscheint nun erstmals auf Deutsch.

Dem Werk ist zu entnehmen, dass der Gelehrte damals für die "Division Brandenburg" arbeitete - eine berüchtigte Einheit der Auslandsabwehr, die hinter den feindlichen Linien Sabotageakte ausübte. Schon bald erhielt er einen delikaten Auftrag: Er sollte auf dem Landweg Spione bis zum Nil bringen.

Im Mai 1942 ging es los. Von der Oase Dschalo aus startete die Gruppe mit zwei erbeuteten US-Trucks und zwei Chevrolets. Sie wollte direkt nach Osten vorstoßen, durch unwegsamstes Gelände. Eine Todeszone aus Treibsand und gleißenden Salzpfannen stellte sich ihnen entgegen. Immer wieder versanken die Wagen. Als dann noch zwei Fahrer Durchfall kriegten, kehrten sie um.

Beim zweiten Anlauf, wenige Tage später, fuhr der Schmuggelkonvoi tief ins libysche Hinterland hinein, um erst bei Kufra Richtung Nil abzubiegen. "Das Terrain ist schrecklich", notierte der Agentenführer.

Einmal näherten sie sich den Briten auf Sichtweite: "Ich beobachte den Feind durch mein Fernglas", schreibt Almásy, "sie beten." Danach räumte er keck das Benzinlager der Gegner aus.

Unter schweren Strapazen erreichte der Trupp die Bahngleise bei Assiut. Die Spione Hans Eppler und Peter Stanstede sprangen ab und schlugen sich nach Kairo durch, wo sie im Rotlichtviertel abtauchten. Ihren Sender versteckten sie in der Cocktailbar eines Nilboots.

Wie nur konnte dieser Riesentrip gelingen? Bekannt ist, dass Almásy ein Depot anlegen ließ, um Treibstoff, Essen und Wasser für die Rückfahrt zu bunkern. Er selbst beschrieb es als "tiefe Felsöffnung, ein richtiges Räuberlager".

Immer wieder wurde nach diesem Versteck gesucht. Nun endlich hat eine österreichische Expedition den Unterschlupf in Südägypten ausfindig gemacht.

Staubige Autobatterien und Reifenschläuche lagen in der Kaverne, Benzinkanister der Wehrmacht, Schnapspullen sowie "zwei Cornedbeefdosen aus Brasilien und eine Dose Kondensmilch", wie die Archäologin Kathrin Kleibl erzählt.

Nichts als Krempel.

Und doch stehen die Reste für eine der tollkühnsten Militäraktionen hinter der britischen Front. Als Wüsten-Trapper war Almásy genial. Im Krieg stand er für die schlechte Sache.

Viel Schaden hat die Undercover-Mission allerdings nicht angerichtet. Die deutschen Agenten funkten zwar einige Wochen lang aus Kairo, dann aber ging ihr Gerät kaputt. Kein Geringerer als der spätere Präsident Ägyptens, Anwar al-Sadat, der damals im Untergrund gegen die britischen Besatzer kämpfte, kam herbeigeeilt, um den Sender zu reparieren.

Dem kam das Ganze allerdings schnell seltsam vor. In seinen Erinnerungen schrieb er, die Spione hätten ihre Funkstation absichtlich demoliert, um sich ungestört mit "zwei jüdischen Prostituierten" zu vergnügen.



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insgesamt 6 Beiträge zur Debatte
M Schmidt am 5. April 2010, 00:00
Almasy war der Ansicht, die legendäre Oase Zarzura sei mit der in 1001 Nacht und in anderen arabischen Geschichten erwähnten Messingstadt identisch.

Damit stand er...

Burkhard Grafenstein am 3. April 2010, 18:39
@Geier

>Übermaß erzeugt Verdruß.
>Jeden als "Nazi" zu bezeichnen, der auf deutscher Seite im Krieg war und heute höchstwahrscheinlich...


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