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Sabor IV: Ab 1939 beeindruckte der Roboter Sabor sein Publikum. Bis in die Sechziger Jahre reiste er durch Europa und die USA, wo er sein Können zeigte. Er unterhielt sich mit den Zuschauern und konnte Kunststückchen vorführen - etwa tanzen. Was das Publikum nicht wusste, war dass Sabor von einem versteckten Menschen ferngesteuert wurde, der über ein Mikrofon auch mit den Zuschauern sprach.
Im Bild zu sehen ist die 1945 von dem Schweizer August Huber vollendete Version Sabor IV mit ihrem Schöpfer. |
Roboter sind intelligente, hochgerüstete Maschinen, die seit Jahrzehnten versuchen, die Menschheit zu versklaven. Jedenfalls im Film. Gesche Sager hat herausgefunden, wie man sie austricksen kann.
Es ist das Jahr 2029, die Erde wurde während eines Atomkriegs verwüstet. Roboter haben die Herrschaft übernommen, und die wenigen überlebenden Menschen werden von ihnen als Arbeitssklaven gehalten. Diese Horror-Vision der Zukunft stammt aus dem Hollywood-Blockbuster "The Terminator" von 1984. Roboter sind darin intelligente, hochgerüstete Maschinen, mit einem einzigen Ziel: der Zerstörung und Vernichtung der Menschheit.
Und wir sind bereits umgeben von ihnen. Roboter sind überall.
Doch sie sehen nicht so aus, wie wir sie aus Filmen kennen. Und sie wollen auch nicht die Weltherrschaft an sich reißen und uns versklaven. Die meisten von ihnen können noch nicht einmal laufen.
Geschirrspüler und Kameljockeys
Roboter sind der Definition nach Maschinen, die automatisch programmierte Aufgaben erledigen. Sie arbeiten in Fabriken und lackieren dort Autos oder hantieren mit gefährlichen Materialien. In Haushalten sind sie Geschirrspüler, Waschmaschinen, Mikrowellen - Roboter, die die Hausarbeit erledigen.
Es wäre schön, wenn sie mehr könnten als nur das Geschirr zu spülen. Wenn sie es gleich auch in den Schrank stellen würden. Aber das wird wohl noch eine Weile dauern. Die Konstrukteure und Programmierer solcher Geschöpfe sind schon froh, wenn sie ihren Kreaturen beibringen können, langsam Fußball zu spielen - ohne sich dabei gegenseitig umzurennen.
Die derzeit wohl am weitesten entwickelten Roboter sind 27 Kilogramm schwer, bestehen aus einem Rechner in einem Plastikgehäuse mit einem Stahlrahmen drum herum und einem Kunststoffkopf mit einem Helm - gelenkt von einer Modellflugzeug-Fernbedienung. Diese K-MEL genannten Roboter sind Kameljockeys, die in dem Golfstaat Katar eingesetzt werden, in dem Kamelrennen eine beliebte Freizeitbeschäftigung sind. Bisher ließen viele Kamelbesitzer ihre Tiere in den Rennen von Kindern reiten, aber das ist inzwischen illegal.
Rebellierende Fronarbeiter
Reale Roboter sind also in den meisten Fällen nicht halb so aufregend wie ihre Brüder (und Schwestern) aus Filmen und Literatur, in der die Idee von Maschinen, die sich gegen ihre Schöpfer wenden, das Publikum schon lange fasziniert.
Gerade in der Zeit zwischen den zwanziger und den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts tauchten in etlichen Filmen Maschinenwesen auf, die für ihre Umgebung mal mehr, mal weniger eine Bedrohung darstellten.
Einer der ersten, der sich mit rebellierenden, intelligenten Maschinen auseinandersetzte, war der Tscheche Karel Capek. In seinem 1920 veröffentlichtem Theaterstück mit dem Titel "R.U.R." (Rossums Universal-Roboter), greifen menschenähnliche Maschinen, die eigentlich den Menschen die Arbeit erleichtern sollten, ihre Erbauer an und rotten die Menschheit aus. Capek gab ihnen den Namen Roboter, vom tschechischen "Robota" - Fronarbeit.
Maschinen-Julia
Ein weiblicher Roboter spielte 1927 eine der Hauptrollen in "Metropolis". Der Stummfilm des deutschen Kultregisseurs Fritz Lang spielt in der Zukunftsstadt Metropolis, in der eine strenge Klassentrennung herrscht. In diesem urbanen Betonmoloch verliebt sich der Millionärssohn Freder in die Arbeiterin Maria, die ihre Leidensgenossen aus dem Elend befreien will.
Diese marxistische Version von "Romeo und Julia" bekommt eine neue Wendung, als Freders Vater Joh Fredersen einen Erfinder engagiert. Dieser baut einen Roboter, der so aussieht wie Maria, um die Arbeiter zu einem erfolglosen Ausstand anzustacheln und Zwietracht unter ihnen zu sähen. Am Ende siegt die Menschlichkeit und der Roboter wird auf einem Scheiterhaufen verbrannt.
Der Maria-Roboter ist also nicht von sich aus böse, sondern wurde dazu programmiert. Ähnlich wie in dem 1934 veröffentlichten deutschen Film "Der Herr der Welt", in dem der Maschinenfabrikant Dr. Heller die Menschheit mit Robotern von körperlicher Arbeit befreien will. Sein Chefkonstrukteur Wolf stellt sich gegen ihn und will mit gewaltigen Kampfmaschinen die Weltherrschaft an sich reißen.
Dr. Heller wird zwar im Lauf des Films von einem Kampfroboter umgebracht, am Ende siegt jedoch auch hier das Gute und die Menschen können nach der Einführung von Industrierobotern in einem nationalsozialistisch geprägten Idyll ihre ländliche Kleinscholle bearbeiten.
Robby und der Terminator
In "Forbidden Planet" (deutsch: "Alarm im Weltall") von 1956 dagegen, haben die Maschinen bereits gesiegt. In dem Science-Fiction-Spektakel wird eine Raumschiffbesatzung, auf eine Rettungsmission zu dem Planeten Altair 4 entsandt. Die Crew findet heraus, dass einst die den Menschen technologisch und ethisch überlegenen Krell auf dem Planeten gelebt haben. Diese bauten riesige Maschinen, mit deren Hilfe sie ihre mentalen Fähigkeiten verbessern wollten - sie schufen dabei allerdings aus ihren unterdrückten Aggressionen künstliche Lebewesen, von denen sie ärgerlicherweise vernichtet wurden.
Die letzten beiden überlebenden menschlichen Siedler auf Altair 4, die von der Raumschiffbesatzung gerettet werden sollen, sind Dr. Morbius und seine Tochter Altaira. Die beiden konnten auf dem unwirtlichen Planeten nur überleben, da Dr. Morbius mit Hilfe von Krell-Plänen den schnuckeligen Roboter Robby gebaut hatte. Robby übernimmt nicht nur die Hausarbeit der Weltraum-Siedler, sondern ist außerdem ihr Beschützer. Nur mit seiner Hilfe schaffen es die Raumfahrer schließlich, von Altair 4 wieder weg zu kommen.
Solchen Roboter-Streifen gemeinsam ist die grundsätzliche Einstellung gegenüber der neuen Technologie: Richtig angewendet ist sie gut und kann den Menschen helfen. Gerät sie jedoch in die falschen Hände, ist sie überaus gefährlich. Während die Film-Roboter der jüngeren Generation - wie der "Terminator", die alles beherrschenden Maschinen in "Matrix" oder die iPod-weißen Wesen in "I, Robot" - sich von den Menschen emanzipiert haben, mussten die ersten Roboter immer noch (von Menschen) programmiert werden.
Schlamm und Licht
Die hoffnungsvollen Roboter-Projekte aus der Zeit von den zwanziger bis in die sechziger Jahre beweisen den ungebrochenen Glauben an das Gute in den Maschinen. Verschiedene Firmen bauten Roboter, die allerdings in erster Linie Show-Zwecken dienten. Wie etwa der von vier Autobatterien angetriebene Schweizer Roboter "Sabor", der in den Sechzigern in Europa und den USA die Menschen in Staunen versetzte. Was sie nicht wussten: Sabor war ein Fake - er wurde von einem Menschen ferngesteuert, der ihn auch die Fragen des Publikums beantworten ließ.
Erst vor dem Hintergrund der Forschung zu künstlicher Intelligenz kam die Idee auf, dass Roboter selbständig handeln, sich weiterentwickeln und schließlich gegen die Menschheit stellen könnten. Bis die wandelnden Blechfiguren das Projekt Versklavung der Menschheit tatsächlich auch ins blinkende Roboterauge fassen könnten, wird noch sehr viel Zeit vergehen. Notwendig wäre ein Computer, der das gleiche Alltagswissen wie das menschliche Gehirn gespeichert hat - eine bisher schier unmögliche Rechenleistung.
Es bleibt also genug Zeit, um das 2005 erschienene Buch "How to survive a Robot uprising" des Roboterexperten Daniel H. Wilson zu lesen. Demnach sind Roboter relativ einfach auszutricksen: Sich mit Schlamm einreiben und auf eine starke Lichtquelle zulaufen könnten schon reichen, um einem Roboter zu entkommen. Der Schlamm würde die menschliche Wärmeabstrahlung verstecken und das helle Licht das künstliche Gehirn durcheinanderbringen - der Roboter würde verwirrt von seinem Opfer ablassen.
Aber bis es soweit kommt, machen wir die Hausarbeit vielleicht doch lieber selbst.
Die Ausstellung "Die Roboter kommen! Mensch - Maschine - Kommunikation" ist noch bis zum 10. Februar 2008 im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main zu sehen.
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