Nixon auf der Motorhaube, Stalin am Scheibenwischer, Kohl zwängt sich durchs Schiebedach - und Schröder ins Zukunftsmobil. Politiker posieren in und mit edlen Karossen, um deren Glanz auf sich zu lenken. Die Geschichte einer Lackierung. Pardon, Inszenierung. Von Christian Siepmann
Sorgsam pflegte Gerhard Schröder sein "Autokanzler"-Image. Seine frühere Unterstützung für eine Öko-Steuer machte der SPD-Politiker aus Sicht von Autofahrern und Autoindustrie später mehr als wett mit seinem "Nein, basta!" zu Tempolimit, Dieselrußfilter und anderen "spinnerten" Öko-Ideen. Und natürlich zeigte sich der Niedersachse auf den vier Frankfurter Automobilausstellungen seiner Amtszeit nur zu gerne mit oder besser noch in den Karossen, die gerade brandneu aus den Werkshallen in Wolfsburg, München oder Stuttgart gerollt war.
Doch der Erfinder der Inszenierung von Politik mittels Automobil war Kanzler Schröder keineswegs. Egal ob Despot oder Demokrat - seit Jahrzehnten schmücken sich Staatenlenker besonders gern mit ihren Karossen. Geschickt gewählt und dem Anlass angepasst, verleihen Autos ihnen Dynamik, Volksnähe oder Seriosität.
Offenheit im Cabrio
Freundlich lächelnd und mit dem Hut nach allen Seiten grüßend ließ sich etwa US-Präsident Franklin D. Roosevelt in den dreißiger Jahren im Fond eines offenen Wagens durch Amerika chauffieren und demonstrierte so Volksnähe und Offenheit. Adolf Hitler, deutscher Diktator und Kriegsgegner Roosevelts, fuhr ebenfalls gerne "oben ohne" und zeigte dabei stehend den von ihm erfundenen Gruß. Schon die bullige, fast einen Meter hohe Kühlerfront und die massiven abstehenden Frontscheinwerfer seines 7,7-Liter-Mercedes hätten vielleicht Hinweise auf die Aggressivität und Übermachtphantasien des "Führers" sein können. Nach dem Krieg fand der offene Straßenpanzer einen neuen Platz im Kanadischen Kriegsmuseum in Ottawa.
Der erste Kanzler des neuen, demokratischen Deutschlands ließ sich in einem stark geschrumpften Spitzenmodell kutschieren, dem oft als "Adenauer-Mercedes" bezeichneten "300er"-Modell. Mit seinem buckeligen Heck, dem schon damals langweiligen Design und nicht zuletzt der eklatanten Untermotorisierung der frühen Typen war das behäbige Auto vielleicht Adenauers raffiniertester Trick, um die Feinde von gestern bei jeder Vorfahr-Gelegenheit von der Friedfertigkeit und Zuverlässigkeit des neuen Deutschlands zu überzeugen.
Wie der Wagen, so der Passagier?
Doch natürlich waren immer die USA das Zentrum der automobilistischen Politik-Inszenierung. Mit derselben Wirkung wie "New-Deal"-Präsident Roosevelt, aber zuzüglich jugendliche Dynamik, fuhr John F. Kennedy in den frühen Sechzigern im offenen Lincoln Continental X 100 - was ihm zum Verhängnis wurde, als er am 22. November 1963 in Dallas im offenen Wagen erschossen wurde. Sein ewiger Konkurrent Richard "Tricky Dick" Nixon wiederum warb 1950 um die Stimmen der kalifornischen Wähler von der Motorhaube einer Mercury-Familienkutsche aus, ganz so, als sei er einer von ihnen auf dem in Amerika so heiligen "Road Trip". Und US-Präsident Gerald Ford verband Seriosität und Hemdsärmeligkeit, als er 1976 im feinen Zwirn auf dem Dach seines riesigen Dienstschlittens Platz nahm, die Beine durch das Schiebedach baumeln ließ und mit Western-Star John Wayne das südliche Orange County umgarnte.
Durchdringt man allerdings den schön inszenierten Schein, so gilt für viele der Staatskarossen das böse Wort von der "großen Klappe". Gerhard Schröders Fünf-Meter-siebzehn-Phaeton belegte in Vergleichstests mit anderen Luxuslimousinen zuverlässig einen der hinteren Plätze. Und George W. Bushs "Cadillac One" ist zwar noch einmal elf Zentimeter länger, basiert aber auf einem Modell des Jahres 1993, das sich - so ein Autotester - besonders durch "schwammige Lenkung und weiche Dämpfer" auszeichnet und seinen Konkurrenten keinesfalls gewachsen sei.
Welchen Rückschluss auf den jeweiligen Passagier ein solches Urteil erlaubt, mag jeder für sich selbst entscheiden. einestages hilft dabei, mit den schönsten Bildern von Politikern in ihren Autos.
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