Christina Cammisar
19. August 2010, 11:38
Zum Spoiler " The Prestige": Die Auflösung ist meiner Ansicht nach falsch!
Natürlich kann Teslas Maschine weder teleportieren noch Menschen kopieren.
Der "Trick" ist, dass Angler reich genug ist, um in der ganzen Welt herumzureisen und sich Doppelgänger zu suchen. Daher gibt es auch "nur" 100 Vorstellungen, weil er 100 Doppelgänger gefunden hat. Er tötet also Menschen für seinen Trick. Das ist seine Art, seine Seele zu verkaufen, so wie die Zwillingsbrüder Borden nie ein normales Leben leben konnten und ihrer Kunst alles geopfert haben - auch als Doppelgänger!
Das ist das "Prestige" des Films...
Denn eine Message des Film besagt doch:
Das Auge sieht nur, was es sehen will.
Dass gerade Magier/Künstler moderner Technik (also auch Männern wie Tesla) gegenüber aufgeschlossen sind und hoffen, auf ungeahnte Möglichkeiten zu stoßen,
ist für mich eher als Gesellschaftsbild jener Zeit zu verstehen. Und auch vielleicht als Hinweis, wie "magisch" Technik anmuten kann - auch heute noch.
In diesem Film gibt es keine echte Zauberei, kein Fantasy-Element.
Redaktion einestages
19. August 2010, 16:04
>Zum Spoiler " The Prestige": Die Auflösung ist meiner Ansicht nach falsch!
>
Liebe Frau Cammisar,
das finde ich einen sehr interessanten Blickwinkel auf den Film. Und ich finde auch, dass dieser Dreh interpretatorisch einiges hergibt.
Aber wie erklären sie sich dann die Szene, in der Hugh Jackman erstaunt betrachtet, wie sich sein Hut in der Maschine verdoppelt?
Dem echten Tesla wurde ja seinerzeit auch von manchen Zeitgenossen nachgesagt, er sei ein Magier. Bis heute konnten manche seiner Showexperimente nicht nachgestellt oder erklärt werden. Insofern ist es nicht ganz abwegig, Tesla hier als eine Art Magier der Wissenschaft darzustellen.
Was meinen Sie?
Herzliche Grüße,
Benjamin Maack / einestages
Christina Cammisar
19. August 2010, 18:47
Hallo Herr Maack,
ich habe den Film 2x gesehen, was allerdings nun auch schon eine Weile her ist.
Ich meine mich dennoch daran zu erinnern, dass Angler (Jackmann) erwähnt,
wie er lange durch die Welt gereist sei, um nach dem perfekten Zaubertrick zu suchen.
Durch diese Szene wurde in meinen Augen subtil angedeutet, was ich vermute:
Er hat Doppelgänger gesucht, nachdem er von Teslas Maschine zwar inspiriert wurde,
aber nicht das erwünschte Ergebnis bekommen hat.
Ich denke nicht, dass Regisseur Nolan, der zwar einen Hang zum Dunklen und Mystischen in seinen Filmen hat, in diesem Film ein tatsächliches "Wunder" darstellen wollte. Er wollte durch den Film selbst ein "Prestige" erschaffen - ein Spiel mit dem Zuschauer.
Sehen wir nur, was wir sehen wollen?
Und akzeptieren wir dann einfach alles, auch wenn es noch so unmöglich scheint?
Glauben Sie nun, dass man Menschen tatsächlich teleportieren kann?
Wie ich mir die Szene mit dem Hut erkläre?
Eine (künstlerische/filmische) Andeutung dessen, was man damals
- und ggfs. ja auch heute - technisch alles für machbar hielt. Nämlich einfach alles!
Und mit dieser Szene nimmt Nolan der historischen Figur Tesla nicht grausam die Magie - er deutet an, dass er tatsächlich eine Art "Magier der Wissenschaft" gewesen sein könnte. Eine Hommage. (Und mit David Bowie, ebenfalls ein geniales Chamäleon seiner Zeit, hervorragend und fast schon symbolisch besetzt.)
Ich glaube mich auch zu erinnern, dass weder der Zuschauer noch Angler tatsächlich sehen, dass bzw. ob sich der Hut verdoppelt. Angler findet im Wald plötzlich mehrere Hüte, nachdem er zuerst enttäuscht feststellen musste, dass mit der Maschine und den gewaltigen Showeffekten (Elektrizität ansich war ja schon ein Wunder!) doch wieder nichts passiert war. Und auch wir (aufgeklärten!?) Zuschauer fiebern mit...
Tesla, das verkannte Genie!? Tesla, das Schlitzohr! Als wollte dieser sagen:
Ich verkaufe dir diese beeindruckende Maschine - und die Inspiration für (d)einen beeindruckenden Trick.
Das Absurde, das "Prestige" des Films, wird hierdurch erst möglich.
Angler bedient sich des gleichen Tricks wie sein Konkurrent Borden:
reale Doppelgänger. Der beste, geheimnisvollste, unglaublichste aller Zaubertricks - eben doch wieder nur ein Trick!
Die Frage war für mich - und hiervon lebt ja die Dramaturgie des Films:
Wie weit sind beide bereit zu gehen für den perfekten Trick?
Beide wollen schließlich die Besten sein und nach dem Unfalltod von Anglers Frau
ist der Kampf auch mehr als nur persönlich:
Die beiden Bordens opfern sich selbst, ihre Freiheit, ihr Leben und die Menschen,
die sie lieben. Man könnte annehmen, das sei das größte Opfer überhaupt für einen Künstler. Angler jedoch geht noch einen Schritt weiter - und wird zum Mörder.
Er opfert seine Menschlichkeit, seine Seele...
Und Sie haben vollkommen recht:
Dieser Film kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden und setzt sich somit angenehm vom gewöhnlichen Getrickse vieler Hollywood-Produktionen ab...
Herzliche Grüße,
Christina Cammisar